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Archiv der Eden Gemeinnützige Obstbau-Siedlung eG (Eden-Archiv) Struveweg 505, 16515 Oranienburg
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Das Eden-Archiv dokumentiert die historischen und aktuellen Ereignisse, die für die Entwicklung der Obstbau-Siedlung Eden und ihrer reformerischen Ideen von Bedeutung sind. Es dient den Edenern als Zugang zu ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit und ist Quelle für die Öffentlichkeitsarbeit der Genossenschaft. Das Archiv kann aber auch von Interessenten aus allen Fachbereichen für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden. Anfragen richten Sie bitte an:
E-Mail: archiv@eden-eg.de |
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Weiterführende Links:
Wegbereiter und Förderer Edens
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Ausführliche Berichte zu Edener Zeitepochen
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Geschichte der Obstbausiedlung Eden
Eden, die “Stätte der Lebenserneuerung”, gründet ganz in der lebensreformerischen Weltanschauung der Mitte des 19. Jahrhunderts: im Vegetarismus, der “natürlichen Lebensweise” Eduard Baltzers und in der “genossenschaftlichen Selbsthilfe” Victor Aimé Hubers. Unter der Weiterwirkung solcher Gedanken propagierte schließlich Julius Sponheimer, es gelte “die Macht der Stadtkultur zu brechen durch Gründung von Siedlungen auf dem Lande, bei denen der Boden nicht von Einzelnen monopolisiert wird”. Er regte damit 1893 die Gründung der vegetarischen Siedlung »Obstbaugenossenschaft Heimgarten» in Bülach (Kanton Zürich) an, in der sich Siedler aus Deutschland, die dem Impfzwang entflohen, niederließen (Konkurs der Siedlung 1907). An dieses Vorbild wiederum schlossen sich auch die ersten Satzungsentwürfe des Kaufmanns und Lebensreformers Bruno Wilhelmi an, unter dessen Führung am 28. Mai 1893 im Vegetarischen Speisehaus Ceres in Berlin, also aus der Großstadt heraus, die “Vegetarische Obstbau-Kolonie Eden e.G.m.b.H.” ins Leben gerufen wurde. Das Ziel war, die vegetarische Lebensweise (Lebens- und Selbstreform) mit dem gemeinsamen Bodenbesitz (Sozialreform) in einem neuen Paradiesgarten (Gartenkolonie) zu verbinden. Wilhelmi wurde in der Gründungsversammlung zum ersten Vorsitzenden gewählt, am 12. Juni erfolgten die gerichtliche Eintragung der Genossenschaft und einen Monat später der Kauf von 160 Morgen Land westlich von Oranienburg. Bereits Ende August war die Zahl der angemeldeten Genossen auf 26 gestiegen und in einer Sitzung am 14. September wurde der erste Plan zur Aufteilung des Geländes vorgelegt und genehmigt. Der Name „Eden“ wurde in bewusster Anlehnung an den biblischen Garten Eden gewählt, um damit ein großstadtfernes, natürliches Leben auf gemeinsamen Boden als Ziel der Genossenschaft zum Ausdruck zu bringen. Auch heute noch ist der Boden im Gemeinbesitz, also unveräußerlich und jeglicher Bodenspekulation entzogen. Das von Wiese und Buschwerk bewachsene Gelände wurde vermessen, in Heimstätten von 2.800 qm aufgeteilt und an Vegetarier, die den Bestrebungen der Gründer nachkommen wollten, in Erbpacht vergeben. In der ersten Ausbaustufe entstanden 80 Gärten und nachdem das Land von den Siedlern bearbeitet worden war, konnten erste Obstbäume, Beerensträucher und Pflanzen in den Boden gebracht werden. Zwei Jahre nach Gründung wurde zur Abhilfe der bestehenden Geldschwierigkeiten die ”Oranienburger Bau- und Kreditgesellschaft mbH” gegründet. An erster Stelle des Aufgabenbereiches der neuen Siedlungs-Bank stand die laufende, auf lange und möglichst unkündbare Kredite mit langsamer Tilgung basierende Geldbeschaffung für die weitere Entwicklung von Eden, was in der Folge die Erweiterung der Siedlung auf 440 Morgen Land ermöglichte. Der Anspruch, dass alle Siedler Vegetarier sein sollten, musste nach wenigen Jahren allerdings aufgegeben werden, um die Siedlungstätigkeit erfolgreich fortführen zu können, da nicht genügend Vegetarier Mitglied der Genossenschaft werden wollten. Die Siedler sollten sich aber weiterhin verpflichten, die Ideale der Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform zu befolgen. Bis zum Jahr 1900 wurden bereits über 30 kleine und größere Siedlungshäuser aus Holz, im Block- oder Fachwerkhausstil oder in massiver Bauweise errichtet und man zählte auf den Heimstätten 15.000 Obstbäume, 50.000 Beerensträucher sowie 200.000 Erdbeerpflanzen. Die Wege wurden aus Kostengründen nicht gepflastert, der Siedlungscharakter sollte erhalten bleiben. Die Grundstücke waren durchweg von Hecken eingefasst, um außer dem Sichtschutz für ein individuelles Familienleben auch einen Schutz vor Bodenerosion und extremen Temperaturschwankungen im Winter und Frühjahr zu erreichen. Einige Häuser errichtete man nach einer Erfindung von Gustav Lilienthal mit Zement-Hohlsteinen, die sich aber in der Zukunft nicht durchgesetzt haben. Nach diesem Patent erfolgte auch der Bau eines Gasthauses und Erholungsheimes. Das Haus bot seinen Gästen Erholung und gesunde Ernährung und war lange Zeit der Mittelpunkt des aufblühenden Lebens in Eden. Der genossenschaftseigene Gartenbetrieb diente auch als Lehrstätte für die Siedler. Nach einem siedlungseigenen Rezept des Edener Arztes Dr. Friedrich Landmann wurde die Reformbutter „Marke Eden” 1908 erstmals hergestellt und in den Handel gebracht. Landmann lehnte die Verwendung gehärteter Fette ab und entwickelte die Eden-Margarine ohne künstliche Konservierungsmittel und Aromastoffe. Von der genossenschaftlichen „Warenabteilung“ wurde auch das von Fritz Kiel entwickelte Pflanzenfleisch „Gesunde Kraft“ (ab 1930 hieß es „Edener Pflanzenfleisch“) vertrieben, eine vegetarische Bratenmasse, die als Fleischersatz dienen sollte. Sie wurde auf Landwirtschaftsausstellungen mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 1909 ging die anfänglich private Obstverwertung in genossenschaftliche Leitung über und wurde ständig erweitert. Als bei der Abnahme der Ernten auf dem Berliner Markt Schwierigkeiten entstanden, errichtete man 1912 eine größere Obstverwertungsanlage, in der Marmeladen und Gelees ohne chemische Zusatzstoffe sowie naturreine Obstsäfte hergestellt wurden. Die ab der Jahrhundertwende entstandenen Reformhäuser sicherten den Absatz der Produkte mit dem Namen „Eden“ in ganz Deutschland. Durch den Anbau von Obst und Gemüse in der Siedlung und den Verkauf der Eden-Produkte konnte der Umsatz von 1913 bis 1929 verdreifacht werden. Mit dem Gewinn wurden u. a. Gemeinschaftseinrichtungen wie eine reformerisch orientierte Schule, Kinderheime, ein Kindergarten und eine Jugendherberge finanziert. In Eden entwickelte sich sehr früh ein reges geistiges und kulturelles Leben. Es entstand ein Gemeinschaftshaus für Veranstaltungen der Edener Heimatbühne, für Vorträge beispielsweise über Gartenbau und Vegetarismus, für Musikdarbietungen und Sport. Zu den Höhepunkten eines jeden Jahres gehörten Edener Maskenfest, Frühlingsfest, Erdbeerfest, Sommersonnenwende, Erntefest, Wintersonnenwende und Weihnachtsfeier. In der Siedlung gab es inzwischen auch kleinere Heimstätten zu jeweils 800 qm, vor allem für solche Pächter, die sich mit Handwerksbetrieben wie Bäckerei, Schneiderei, Weberei oder Schuhmacherei niederließen. In einer Buchdruckerei wurden reformerische Schriften sowie die siedlungseigene Zeitschrift „Edener Mitteilungen“ hergestellt. 1923 erhielt die Genossenschaft auf Grund ihrer Verdienste die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Es darf nicht verschwiegen werden, dass einige Edener der ersten Stunde dem völkischen Gedanken sehr nahe standen, doch auch Andersdenkende konnten ihre Ideale ausleben. Licht, saubere Luft und Wasser wurden als heilbringende Kräfte empfunden, Reformkleidung aus Naturmaterialien wurde bevorzugt, es gab unterschiedliche religiöse Gruppen, vegetarische Gemeinschaften, einen Sportverein sowie eine Ortsgruppe der Wandervögel. Eden hatte stets nur eine Zielstellung: die in der Satzung festgelegten Prinzipien der Toleranz gegenüber den verschiedenen religiösen und politischen Ansichten sowie die Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform, wie sie durch die drei stilisierten Bäumchen im Edener Wappen zu erkennen ist. In Eden lebte und wirkte zeitweise auch der deutsch-argentinische Kaufmann und Sozialreformer Silvio Gesell. In der „Natürlichen Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ sah er Grundlagen für eine einheitliche Alternative zu den instabilen und friedlosen Systemen des Kapitalismus und Kommunismus. Nach Aufenthalten in der Schweiz, in München und Argentinien zog er noch einmal in die Genossenschaftssiedlung und starb hier im Jahr 1930. In der Siedlung war die Haltung von Schlachtvieh, fleischverarbeitendes Gewerbe sowie der Verkauf von Fleisch, Tabak und Alkohol satzungsgemäß untersagt. Die gesunde Lebensführung der Siedler führte dazu, dass Eden die Gemeinde mit der niedrigsten Säuglingssterblichkeit in Deutschland wurde. Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens war 1932 der in Eden stattfindende 8. internationale Vegetarier-Kongress, an dem neben Vorträgen auch ein Rahmenprogramm mit kulturellen Veranstaltungen sowie ein Volksfest angeboten wurden. Die Tatsache, dass diese für die nationale und internationale Vegetarier-Bewegung wichtige Veranstaltung in Eden ausgerichtet wurde, zeigte die Bedeutung des vegetarischen Gedankens für die Siedlung einerseits und andererseits die Integration der Obstbaukolonie innerhalb der Lebensreform und insbesondere des Vegetarismus. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 führten äußerer Druck von Seiten der NSDAP wie auch politische Naivität und Opportunismus der Genossenschaft zu einer baldigen Gleichschaltung Edens mit der Blut- und Bodenideologie. Viele Edener ließen sich von den demagogischen NS-Parolen täuschen und glaubten ihre Ziele durch den Nationalsozialismus bestätigt. Es lebten in der Siedlung aber weiterhin die ehemaligen Mitglieder von KPD und SPD, Anhänger von Gemeinschaften und Vereinigungen, die gleich nach der Machtübernahme verboten wurden. Längst nicht alle ließen sich aber von dem neuen Glauben an Führer und Vaterland betören, dennoch wurde das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Siedlung entscheidend verändert. Die gesamte Jugendarbeit fand in der Hitlerjugend statt, die Schule wurde verstaatlicht, Interessengruppen und Vereine wurden aufgelöst oder von den NS-Organisationen übernommen. 1936 löste sich der Deutsche Verein Freiland selbst auf und übertrug sein Vermögen der Eden-Genossenschaft, weil er - wie es in der notariellen Urkunde hieß - “seine Aufgaben als erfüllt ansah“. 1937 musste in der Satzung das „Verbot von Schlachtvieh“ gestrichen werden und ein Jahr später durften nur noch Personen arischer Abstammung und juristische Personen privaten und öffentlichen Rechts Mitglied in der Genossenschaft sein. 1939 erschien die letzte Ausgabe der Edener Mitteilungen. In wirtschaftlicher Hinsicht ging es anfangs dennoch aufwärts, der Umsatz der Eden-Produkte konnte bis Mitte der 30er Jahre verdoppelt werden, doch die nationalsozialistische Wirtschaftslenkung beendete diese Entwicklung. 1940 musste die Margarine-Herstellung, die größte Einnahmequelle der Genossenschaft, eingestellt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele Edenerinnen und Edener in die Siedlung nicht mehr zurück, dennoch begann die Genossenschaft einen Neuaufbau. Die Gärten wurden intensiv bewirtschaftet und die Produktion der Eden-Waren wurde in Angriff genommen. Es gab wieder kulturelle Veranstaltungen und man feierte die traditionellen Feste. Nach Gründung der DDR im Jahr 1949 musste der genossenschaftseigene Obstverwertungsbetrieb in das Planwirtschaftssystem integriert werden. Die in Eden produzierten Säfte wurden in Reformhäusern und den Diätabteilungen der staatlichen HO-Läden vertrieben. 1972 musste der Edener Betrieb in Volkseigentum (VEB) überführt werden, wodurch der Genossenschaft ihre wirtschaftliche Grundlage entzogen war. Ein Schutz der Edener Interessen war aber dadurch erreicht worden, dass in der Bundesrepublik bereits im Jahr 1950 die EDEN-Waren GmbH gegründet wurde, in die die Eden-Genossenschaft ihre Warenzeichen und Rezepturen einbrachte. Dieser Betrieb in Bad Soden/Taunus hatte sich sehr bald von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem großen Reformwarenunternehmen entwickelt. Eden-Oranienburg war als Gesellschafter an diesem Betrieb beteiligt, obwohl sich die Genossenschaft auf dem Boden der DDR befand. Mit Einführung des Zivilgesetzbuches der DDR im Jahr 1976 wurden die in Eden auf 50 Jahre abgeschlossenen Erbbaurechte auf unbestimmte Zeit verlängert, das Heimfallrecht wurde abgeschafft und neue Erbbauverträge durften nicht abgeschlossen werden. Es ist dadurch auch nicht mehr möglich gewesen, durch Teilung einer großen Fläche, kleinere, neu vermessene Grundstücke zu schaffen und mit Erbbauverträgen an Siedlungs- und Bauwillige zu vergeben. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 gab es viele Bestrebungen, die ursprünglichen Edener Ziele der „Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform“ zeitgemäß wieder zu beleben. Die Obstverwertungsanlage wurde von der Treuhand übernommen, die den Betrieb als unrentabel einstufte und still legte. Die Hoffnung, das Bad Sodener Eden-Werk würde in Eden investieren und dadurch wieder genossenschaftliche Arbeitsplätze schaffen, erfüllte sich nicht. Stattdessen verkauften die westdeutschen Hauptanteilseigner die Eden-Waren GmbH 1991 an den Schweizer Konzern Sandoz. Die Eden-Genossenschaft entschloss sich letztendlich, die eigenen Anteile von 17 Prozent ebenfalls zu verkaufen. In Vorbereitung der 100-Jahr-Feier der Genossenschaft im Jahr 1993 entstanden zahlreiche Arbeitsgruppen und auch die siedlungseigene Zeitschrift „Edener Mitteilungen“ wurde nach über fünfzigjähriger Pause wieder ins Leben gerufen. Bereits in der ersten Ausgabe 1992 konnte man einen „Beitrag zur Zukunft Edens“ lesen, in dem engagierte Bewohner und Genossenschaftsmitglieder Vorschläge erarbeiteten, wie man die Gründungsgedanken der Genossenschaft zeitgemäß wiederbeleben und eine neue wirtschaftliche Grundlage schaffen könne. Die meisten Arbeitsgruppen sind auch heute noch aktiv und verfolgen gemeinnützige Ziele. In der Siedlung wurde durch Neubau eines Kindergartens und Wohnparks sowie Instandsetzung von Teilen des ehemaligen Obstverwertungsbetriebes die Infrastruktur verbessert, wodurch sich die finanziellen Mittel der Genossenschaft in den letzten Jahren erheblich verringert haben. Hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand erforderte auch die Rückführung der zu DDR-Zeiten enteigneten genossenschaftlichen Grundstücke, die inzwischen größtenteils realisiert werden konnte. Um den Fortbestand der Genossenschaft dauerhaft zu sichern, wurde 2009 ein „Struktur- und Entwicklungsplan“ beschlossen, der Leitlinien für die kommenden Jahre beinhaltet. Die aktualisierte Satzung, die überarbeitete Siedlungsordnung und der „SEP 2015“ bilden die Handlungsgrundlage für Geschäftsführung, Vorstand, Aufsichtsrat, Zweckbetriebe, Arbeitsgruppen und Mitglieder der Genossenschaft. Eden hat das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und den Sozialismus in der DDR überlebt. Wie vor mehr als hundert Jahren ist es auch zu Beginn des neuen Jahrtausends für die Genossenschaft die wichtigste Aufgabe, die Ideen der Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform zu verwirklichen. Dazu sind vor allem Menschen gefragt, die mit ihrer eigenen Lebensweise diese „Eden-Idee“ lebendig gestalten. |
Eden
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