zurück

Kontakt

Impressum


 

 

 

Die Entwicklung Edens nach 1945

von Roland Bloeck (1994)

 

 

Der Zweite Weltkrieg ging zu Ende, zu Ende ging eine Zeit, die auch von Eden sein Opfer gefordert hatte. Eden im Jahre 1945: Wir suchten als Genossenschaft einen neuen Anfang und wollten das weiterführen, was im Jahre 1893 begonnen wurde. Die in die Gründungsziele aufgenommenen sozialen Elemente galt es fortzusetzen. Leider war das auf Grund der vollkommen veränderten äußeren Umstände nur sehr eingeschränkt möglich.

In Eden traten in den Nachkriegsjahren Kräfte in die Betriebsleitung ein, die von den Russen und der neuen Verwaltung entsprechende Vollmachten erhielten. Edener, soweit sie aus dem Krieg nach Hause kamen oder nach und nach aus Lager und Gefangenschaft entlassen wurden, stellten sich dem Wiederaufbau zur Verfügung.

Auch Vorstand und Aufsichtsrat nahmen ihre Arbeit wieder auf, verschiedene Edener, die während der nationalsozialistischen Jahre untergetaucht waren oder sich passiv verhalten hatten, wurden in die Organe der Genossenschaft gewählt. Von den bewährten Edenern waren nur ältere geblieben. Der Versuch, durch so genannte bewährte Antifaschisten das Edener Leben zu bestimmen, ließ sich nicht verhindern.

Der Edener Obstverarbeitungsbetrieb hatte in den Tagen der Kampfhandlungen durch Plünderungen und Beschlagnahmung der Russen und Behörden erheblichen Schaden an Warenbeständen, Hilfsstoffen und technischen Ausrüstungen erfahren. Besonders Bestände an Honig, Zucker und Fertigwaren, wie Marmeladen und Säfte, ergaben in der Bilanz erhebliche Verluste. Da ja Kredite und Außenstände geblieben waren - sie wurden auch bei der Währungsreform 1948 nicht abgewertet - ging die Genossenschaft schweren wirtschaftlichen Zeiten entgegen.

 

 

Nachkriegsjahre in Eden

 

Die Einführung der Planwirtschaft in allen Bereichen gab auch uns feste Aufgaben und verhinderte alle Initiativen zur Entwicklung einer gesunden Wirtschaft. Der genossenschaftseigene Obst- und Gemüseverarbeitungsbetrieb durfte nur das produzieren, was im Volkswirtschaftsplan vorgesehen war. Viele Reformprodukte blieben nach und nach auf der Strecke, wie Marmeladen und Gelees, Konfitüren, Brotaufstriche und andere Edener Spezialerzeugnisse. Die Zuteilung von Roh- und Hilfsstoffen wie Zucker, Flaschen, Verpackungen, Kohle und vieles mehr war genau bemessen an den zu erstellenden Produkten. Die Preise und die Löhne, wie auch die Kunden waren genau vorgeschrieben. Die privaten Betriebe durften sich nicht schneller entwickeln als die im Aufbau befindlichen volkseigenen Betriebe. Die Eden-Genossenschaft war ja in der Vergangenheit auf vielen Gebieten erfolgreich tätig gewesen. Im Interesse der gesunden Lebensweise waren lediglich naturnahe Produkte entwickelt worden.

 

 

Eden-Produkte auf einer Messe

 

Hierfür wurden in der Vergangenheit auf Ausstellungen und Messen viele Auszeichnungen errungen. In Eden sind auch Technologien zur Produktion entwickelt worden, die nach und nach von der Industrie übernommen wurden. In den 30er-Jahren ging Eden z.B. dazu über, Säfte in Großtanks einzulagern. Bis dahin war es üblich, Saft in 25 oder 30 Liter Glasballons, welche in Holzgestellen gehalten wurden, auch zur Lagerung großer Vorräte zu verwenden. Mit der Schaffung von Stahltanks mit Emaillebeschichtung mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Liter  war erreicht worden, während der Erntezeit große Bestände an Halbware zur weiteren Verarbeitung in den erntearmen Zeiten zu halten. Dem Verbraucher sollten das ganze Jahr über Säfte angeboten werden, die Bestandteil einer gesunden Lebensweise waren. Eden verfügte 1945 auf diesem Gebiet als einziger  Betrieb in der geschaffenen Ostzone mit 600.000 Liter über das größte Tanklager. Dieses war für uns ein großer Vorteil, er konnte aber nicht genutzt werden, da es nicht möglich war, eigene Initiativen zur Steigerung der Produktion zu entwickeln. Eden hat praktisch als genossenschaftseigener Betrieb bis zum Jahr 1972, als alle privaten Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten in Volkseigentum zu überführen waren, nur von der vorhandenen technischen Substanz gelebt. Neue leistungsfähige Maschinen und Ausrüstungen standen der Privatindustrie nicht zur Verfügung, oder nur in Ausnahmefällen, wenn dadurch ein Export durchgeführt werden konnte.

Mit Durchsetzung der Umwandlungsbeschlüsse, die Privatindustrie in volkseigene Betriebe zu überführen, ging für die Eden-Genossenschaft eine 79-jährige eigenständige und sehr erfolgreiche Ära zu Ende. Der Genossenschaft wurde die materielle Grundlage entzogen, die Siedlung zu erhalten und weiter auszubauen. Der mit den staatlichen Stellen vereinbarte Entschädigungsbetrag war keine Grundlage, um die alten Aufgaben weiterzuführen. Die jährliche Summe, die uns aus der zinslosen Entschädigung zur Verfügung stand, erlaubte nur eine eingeschränkte Verwaltung. Der erzielte Erbbauzins in Eden war schon immer so gering gehalten, damit er auch von sozial Schwachen aufgebracht werden konnte.

Eine Entscheidung, deren Folgen damals noch nicht vorauszusehen war, fiel im Jahr 1950: Die in Oranienburg erfolgte Gründung der späteren „Eden-Waren GmbH" mit Sitz in Bad So­den/Taunus. Für die Gründer Kurt Großmann und Arthur Thieme erwies sie sich als richtig und dank der Arbeit von Kurt Großmann und seinen späteren Mitarbeitern auch als eine erfolgreiche, wichtige Entscheidung für die Genossenschaft in Oranienburg-Eden.

Die Eden-Waren GmbH wurde auch gegründet, um den Namen Eden, das Wappen und das Warenzeichen in der Bundesrepublik zu schützen und dem Kundenkreis in diesem Bereich wieder die Palette der Eden-Produkte anzubieten. Bis zum Jahr 1961 konnten Eden-Oranienburg und die Eden-Waren in Bad-Soden gemeinsam alles unternehmen, um dieses aus dem Nichts entstandene Unternehmen zu entwickeln. Die Zeit von 1961 bis 1975 war von einer völligen Abtrennung durch die Mauer geprägt. Es gab kaum eine Möglichkeit zur praktischen Zusammenarbeit.

 

 

 

 

Mai-Kundgebung

 

 

In dieser Zeit, aber auch in späteren Jahren, veränderte sich das  Gesellschafterverhältnis immer weiter. Leider zum Nachteil von Eden-Oranienburg. Zuletzt war die Genossenschaft nur noch mit 17 % an diesem einst mit großer Mehrheit für uns gegründeten Unternehmen beteiligt.

Neben den für uns nicht zufrieden stellenden wirtschaftlichen Möglichkeiten gab es aber auch politische Aktivitäten, die der Existenz der Eden Gemeinnützige Obstbausiedlung eGmbH zur Gefahr wurden. Der Gründungsgedanke von Eden aus dem Jahre 1893 mit den darin festgelegten und entwickelten Lebensformen hätte für den Staat, der ja eine sozialistische Lebensform anstrebte, eher als Vorbild dienen müssen, aber da nicht sein konnte, was nicht sein durfte, gab es immer wieder Zeiten, in denen wir befürchten mussten, vom Staat voll vereinnahmt zu werden. Die von Wirtschaftsfunktionären der SED beherrschten Verwaltungen versuchten unter falscher Auslegung des Genossenschaftsgesetzes (das Genossenschaftsgesetz von 1888 hatte ja immer noch Gültigkeit und wurde von der DDR-Regierung auch nie ernstlich geändert) durch manipulierte Mehrheitsverhältnisse in den Versammlungen der Genossenschaft das Abstimmungsergebnis zu ihren Gunsten zu gestalten.

Das Genossenschaftsgesetz schreibt zwingend vor, dass ein Genossenschaftler sich nicht durch andere vertreten lassen kann, er kann sein Stimmrecht nur persönlich ausführen und hat nur eine Stimme. Die als wirtschaftsleitende Abteilung beim Rat des Kreises übergeordnete Örtliche Versorgungswirtschaft beauftragte Edener Genossenschaftsmitglieder, die gleichzeitig SED-Parteimitglieder waren, die in den Westen legal und illegal übergesiedelten Edener Genossen zu vertreten. Es wurden an Edener SED-Mitglieder bis zu 20 Personen umfassende Listen vergeben mit dem Auftrag, diese dann bei Abstimmungen und Wahlen in der Genossenschaft so einzusetzen, dass die SED dann Kräfte ihres Vertrauens an der Spitze der Genossenschaft hätte. Mit den Edenern, die noch Mut zur Wahrheit hatten, haben wir dann durch Sammlung von Unterschriften erreicht, dass es möglich war, eine Klage bei Gericht einzureichen. Nachdem wir in den ersten zwei Instanzen unseren Prozess verloren hatten, wir aber durch Einspruch in die nächste Instanz kamen, standen wir dann zuletzt vor dem Obersten Gericht der DDR in Berlin. Hier kam es aber nicht mehr zur Verhandlung, dieses Gericht hatte vorher schon erkannt, dass das bestehende und gültige Genossenschaftsgesetz auf das gröblichste gebeugt wurde. Vom Obersten Gericht der DDR wurden die Urteile des Kreis- und des Bezirksgerichts einfach kassiert und damit jede weitere Verhandlung als gegenstandslos zurückgewiesen. Wir hatten unsere Rechtsposition wieder hergestellt.

Begründet durch die sehr positive Entwicklung der Eden-Waren GmbH in Bad Soden, merkten wir, dass der Staat festgestellt hatte, dass aus unserer Beteiligung im Lauf der Jahre ein Ertrag erwachsen ist, auf den er sein Interesse richtete. Aber alle Versuche der DDR-Regierung, über diese Erträge zu verfügen, sind gescheitert, da der Gesellschaftervertrag dies nicht zuließ.

Das Leben in Eden musste aber weitergehen und die zu lösenden Aufgaben wuchsen an. Der Wegebau und die Erhaltung der Wege waren gefragt. Nach umfangreichen Vorarbeiten, in die auch der VEB mit einbezogen gewesen war, konnten wir einen ersten Wegeabschnitt mit einer festen Fahrbahndecke schaffen. Wir hatten die Absicht, durch drei Teilprojekte ein Straßensystem zu entwickeln, um Probleme der Verkehrsleitung, verbunden mit einer Minderung der Staubbelästigung zu erreichen. Nach Abschluss der ersten Baustufe kam die staatliche Anweisung, dass in Siedlungsgebieten keine befestigten Straßen mehr gebaut werden durften. Aus heutiger Sicht können wir sicher froh sein, keine weitere Befestigung durchgeführt zu haben. Dadurch kann die Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen auf unseren unbefestigten Wegen problemlos durchgeführt und anschließend eine umweltverträgliche Befestigung der Wege vorgenommen werden.

1975 wurde die Eden Waren GmbH 25 Jahre alt und der Edener Vorstand durfte nach Errichtung der Mauer zum ersten Mal wieder offiziell bei einer Gesellschaftertagung sowie an der Jubiläumsfeier teilnehmen. Damit war die Auflage verbunden, in Verhandlungen mit der Eden Waren GmbH und der Landeszentralbank in Frankfurt/Main, Wege zu finden, wie Eden-Oranienburg einen finanziellen Nutzen aus seiner Beteiligung ziehen kann. Erst im Jahr 1978, der Vorstand durfte wieder zur Gesellschaftertagung fahren, kam ein Vertrag zu Stande, der eine beschränkte Nutzung unserer Zinserträge aus unserem Darlehenskonto, welches bei der Landeszentralbank geführt wurde, ermöglichte. Diese Erträge - über Umwege als soziale Maßnahme verkleidet - halfen der Genossenschaft entscheidend, ihre wichtigsten Aufgaben zu erfüllen. Hierdurch wurde die Existenz, aber keine weitere Entwicklung gesichert.

In den Jahren 1987 und 1988 haben wir erreichen können, dass aus unserem Guthaben ein beträchtlicher Betrag verwendet werden durfte, um als Sponsor für unsere Krankenhäuser wirksam zu werden. Wir haben für die bessere Versorgung der Bürger in unserem Kreis erreicht, dass medizinische Geräte modernster Ausführung hier zum Einsatz kommen konnten.

Mit der Einführung des Zivilgesetzbuches (ZGB) im Jahre 1976 entstand für die Eden-Genossenschaft eine Situation, deren Auswirkungen erst nach der Wende im Jahre 1989 erkennbar wurde. Eden hat seine in gemeinsamen Bodenbesitz befindliche Bodenfläche als Erbbaurechte an die Mitglieder vergeben. Die Größe beträgt zwischen 800 und 4.000 qm je Heimstätte. Die Größe war so bemessen, dass es möglich war, eine Familie von den Erträgen eines Grundstücks zu ernähren. Die Bewirtschaftung mit Obst und Gemüse, am Rande einer Großstadt wie Berlin, ergab die Gelegenheit, vieles auf dem Frischmarkt zu verkaufen. So manches Häuschen wurde mit dem Rucksack gebaut: Morgens den Rucksack mit frischem Obst und Gemüse nach Berlin gebracht und abends mit dem Rucksack voller Baustoffe wieder zurück. Der ständig steigende Anfall von Früchten führte ja auch zum Bau und zur Erweiterung der genossenschaftlichen Verarbeitungsanlagen.

Das ZGB führte dann zu einschneidenden Maßnahmen. Kraft Gesetz wurden die in Eden auf 50 Jahre abgeschlossenen Erbbaurechte auf unbestimmte Zeit verlängert, das Heimfallrecht wurde abgeschafft. Die bestehenden Erbbaurechte blieben weiter bestehen, aber neue Erbbauverträge durften nicht abgeschlossen werden. Es war daher auch nicht möglich, durch Teilung einer zu großen Fläche, kleinere, neu vermessene Grundstücke zu schaffen und mit Erbbauverträgen an Siedlungs- und Bauwillige zu vergeben.

Die Möglichkeit zum Bau eines neuen Eigenheims war sehr eingeschränkt. Auf Grund des mangelnden Materials wurden Neubauten nur im Rahmen eines Bilanzanteils genehmigt. Dann gab es im gewissen Rahmen auch Materialzuteilungen und auch bis zu einer gewissen Höhe zinsgünstige Kredite. Bevorzugt wurden Familien mit Kindern aus dem Arbeiterstand. Dieses war auch eine von Eden angestrebte Form des Bauens. Es wurden im Prinzip nur Typenbauten gefördert, die nicht in den freien, aber doch an Formen orientierten Siedlungscharakter von Eden passten. Viele Erbbaurechtsgrundstücke wurden von ihren Besitzern bis 1961, dem Bau der Mauer, verlassen, um in den Westen zu gehen.

Hierauf erfolgte dann die Übernahme dieser bebauten und auch unbebauten Grundstücke in die staatlich angeordnete Verwaltung. Die KWV (Kommunale Wohnungsverwaltung) hatte die Aufgabe, diese Objekte zu verwalten und zu erhalten. Die Mieteinnahmen waren auf Grund der sozialen Gesetze so gering, dass eine Erhaltung sachgerechter Art fast unmöglich war. Es wurde, wenn überhaupt, nur das Allernötigste an den Häusern bzw. Wohnungen instand gesetzt. Die überwiegende Werterhaltung wurde von den Mietern auf eigene Kosten erbracht, um einen entsprechenden Wohnwert zu schaffen. Im Laufe der Jahre hat die KWV erkannt, dass die Erhaltung der Bausubstanz auf diese Weise nicht möglich sei. Es wurden für diese Grundstücke Kredite aufgenommen, um Dächer, Schornsteine und auch Fassaden zu erneuern. Gemessen am Wert der Häuser nach DDR-Maßstab trat aber schnell eine Überschuldung dieser einzelnen Häuser ein. Zum größten Teil wurden aber die Mieteinnahmen und die Finanzierung der Instandhaltung aus einem großen Topf verrechnet. Es war dadurch nicht immer möglich, Rechnungsabgrenzung für die einzelnen Häuser zu belegen. Mit der Schaffung des Baulandgesetzes im Jahr 1984 hat die staatliche Verwaltung einen Weg gefunden, um die KWV-verwalteten Einfamilienhäuser an die Mieter zu verkaufen. Diese gesetzliche Regelung wurde auch in ihrer Auslegung für die Edener Erbbaurechte gebracht, obwohl nach unserem Statut ein Verkauf von Grund und Boden ausgeschlossen ist. Trotzdem wurde nach dem Baulandgesetz der Verkauf von Wohnhäusern auf Erbbaurechten beschlossen und mit Feststellungsbescheid über die Anspruchnahme des genossenschaftseigene Grund und Boden in Volkseigentum überführt.

Auf den in staatlicher Verwaltung befindlichen etwa 125 Erbbaugrundstücken gibt es etwa 40 Heimstätten, die durch Enteignung der Gesamt- oder Teilfläche der Genossenschaft entzogen wurden.

Mit der Verstaatlichung des Edener Obstverarbeitungsbetriebes im Jahre 1972 mussten wir auch fünf genossenschaftseigene Häuser in die Verwaltung des Staates abgeben. Durch den Wegfall des Betriebes fehlte der Genossenschaft die wirtschaftliche Grundlage zur Finanzierung dieser Objekte.

Eden hatte aber nicht nur eine von den politischen Wechselspielen geprägte Zeit zu überstehen. Neben den politischen und wirtschaftlichen Aufgaben, die wir zu lösen versuchten, rückte auch vieles an alter Tradition wieder in Erinnerung und es entwickelte sich auf vielen Gebieten ein neues Leben.

Die Tradition der Edener Feste wurde aufgegriffen und trotz schlechter Lebensverhältnisse wieder durchgeführt. Die Weihnachtsfeier für die älteren Edener war wieder Treffpunkt im Saal und brachte viele gemütliche Stunden bei einer bescheidenen  Kaffeetafel mit gemeinsamen Gesang und Beiträgen der Edener Kinder aus dem Kindergarten und der Schule sowie auch Vorführungen der Edener Heimatbühne.

Nach Weihnachten wurden auch in diesen Jahren mit großem Elan die Vorbereitungen für den Edener Fasching begonnen. Der Edener Fasching brachte Alt und Jung viele Stunden ausgelassener Narretei, die in jedem Jahr unter einem anderen Motto stattfand. 

Es war für alle Teilnehmer von hohem Wert, dass die Edener Feste nach wie vor ohne Tabakrauch und scharfen Alkohol stattfinden. Der hübsch geschmückte Saal wurde auch traditionell von den Schulkindern anschließend für den Kinderfasching genutzt. Zu den bewährten Edener Traditionen gehörten schon immer Ausflüge in die nahe und weitere schöne Umgebung von Eden. Fahrten mit dem Dampfer oder der Bahn sind noch in den Köpfen vieler alter Edener in guter Erinnerung.

 

 

 

Spreewald-Ausflug

 

 

Auch in den letzten Jahren haben wir mit vielen älteren Genossenschaftsmitgliedern Ausflüge mit dem Bus durchgeführt. Ziele waren u. a. Potsdam, Rheinsberg, Buckow und Orte in Mecklenburg. Die Ausflüge wurden oft zur Zeit der Baumblüte oder zur Erntezeit veranstaltet um zu sehen, dass es auch in anderen Gärten schön blüht und fruchtbar ist. Eden war und ist auch heute noch ein herrliches Blütenmeer, es war dann die Zeit der Edener Gartenfeste.

Das Erdbeerfest, die Sommersonnenwende und das Erntefest waren, wenn auch in bescheidenem Umfang ein von vielen freudig durchgeführter Treff, um gemeinsam nicht nur alter Traditionen zu folgen, sondern zu beweisen, dass auch auf diesem Gebiet Edener Leben nicht unterzukriegen ist. Die Edener Kinder waren zu jeder Zeit in die Feste eingebunden, sei es durch das Blumensammeln oder durch die abendlichen Lampionumzüge. Das morgendliche Wecken mit viel Gesang und Musik gehörte dazu.

Eine besondere Stellung nahm nach 1945 das Kultur- und Sportleben in Eden ein. Die Heimatbühne, durch Anna Rubner in Eden zu einer Institution geworden, hatte wieder ihren Platz in Eden gefunden. Viele Akteure standen leider nicht mehr zur Verfügung, sie waren durch die Kriegswirren aus Eden verschlagen oder im Krieg gefallen. Es war aber immer eine Freude, die Aufführungen in Eden zu erleben.

Der Volkstanz hatte in Eden eine große Tradition. Er war zu allen Zeiten der Sammelpunkt der Jugend in Eden. Mit Wandern, Wassersport - vom Edener Bootshafen aus - sowie Turnen und Ballspielen wurden allen Altersgruppen eine Vielfalt an Freizeitbeschäftigungen geboten. Eden hatte nach 1945 viele Jahre einen Tennisplatz, der auch Sportler aus Oranienburg angezogen hatte.

Durch die staatlich verordneten Beschränkungen durften aber alle Aktivitäten der Jugend nur in den zugelassenen Jugendorganisationen FDJ, Junge Pioniere und DTSB ausgeübt werden. Viele Bemühungen wurden dadurch so reglementiert, dass die Teilnehmer abgeschreckt wurden.

Dass Eden zu Zeiten des so genannten Sozialismus noch eine Gemeinschaft bildete, zeigte sich an vielen Beispielen. Wenn auch politische Bestrebungen immer wieder versuchten, die Edener in den Kurs von Staat und Partei einzubinden, so gab es doch noch Edener Gemeinschaftsgeist.

 

 

 

Arbeitseinsatz im Alwin-Esser-Freiland

 

 

Die mangelnden finanziellen Mittel ließen einen Ausbau der Siedlung nicht zu. Allein die Wege hätten viel Geld verschlungen, die Anlagen und Plätze mussten gepflegt werden. Durch viele gemeinschaftliche Arbeitseinsätze wurde so manche Arbeitsstunde zu aller Wohl erbracht.

Das Jahr 1989 brachte schließlich auch für die Eden-Genossenschaft eine Entwicklung, die so schnell und in dieser Weise wohl von keinem erwartet wurde. Es war wirklich eine „Wende“. Wir wurden von einer Entwicklung überrascht, wie sie nie für möglich gehalten wurde.

In das Jahr 1990 gingen wir mit großen Erwartungen. Wir wussten, nachdem die große Freude über die Ereignisse des 9. November 1989 sich zu normalisieren begann, dass große Aufgaben und viel Arbeit auf uns zukommen würden, um die Folgen und Schäden von 40 Jahren Leben in einer Nische, die keine Entwicklung zuließ, zu überwinden. Wir konnten jetzt Pläne und Gedanken für die Zukunft entwickeln. Wir hofften nun auf eine für Eden erfolgreiche Arbeit, die praktisch seit 1939 unterbrochen gewesen war.

Große Erwartungen setzten wir darauf, die im Jahre 1950 begonnene Arbeit der von uns mitbegründeten Eden-Waren GmbH in Bad Soden/Taunus gemeinsam zu einem auch dem Standort Eden einbezogenen Unternehmen zu entwickeln. Wir hatten erwartet, dass gemeinsam mit unseren Partnern und Gesellschaftern die Eden-Genossenschaft in Arbeit und Verantwortung für unser Unternehmen mit einbezogen wird. Die Tatsache, dass der uns aus dem Volkseigentum zurückübertragene Betrieb kaum Voraussetzungen bot, um an diesem Standort gleichberechtigt eine Zusammenarbeit mit dem erforderlichen Standort eines leistungsfähigen Betriebes zu erbringen, konnte unsere Gesellschafter nicht überzeugen und veranlassen, durch Investitionen von nicht unerheblicher Größe den Edener Obstverarbeitungsbetrieb in das gemeinsame Unternehmen zu integrieren.

Der von unseren Mitgesellschaftern, ohne uns einzubeziehen, vorbereitete Verkauf der Eden Waren GmbH an die Sandoz AG/Schweiz, war für uns völlig überraschend. Durch unsere verbliebene geringe Beteiligung an Stimmberechtigten wie auch am Gesamtkapital konnten wir diesen Wechsel nicht beeinflussen. Der Eden-Genossenschaft blieb keine andere Wahl, als auch seine Anteile zu den sich bietenden Bedingungen zu verkaufen. Unzureichend blieben die Fragen der Warenzeichen und der Namensnutzung und bedurften einer für die Zukunft zufrieden stellenden Lösung.

 

 

 

Roland Bloeck, geboren am 29. Juni 1932, von Beruf Feinmechaniker, war 48 Jahre für die Eden-Genossenschaft tätig, 14 Jahre im Aufsichtsrat (1954 - 1968), davon 9 Jahre dessen Vorsitzender, 34 Jahre im Vorstand (1968 - 2002) und während dieser Zeit 17 Jahre als Vorstandsvorsitzender. Von 1992 bis 1998 war er hauptamtliches geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang

 

 

 

Eden Gemeinnützige Obstbau-Siedlung eG
Struveweg 501 • 16515 Oranienburg
Tel.: (0 33 01) 52 32-6 • Fax: (0 33 01) 52 32-70

E-Mail: info@eden-eg.de