Eden-Waren in Ost und WestVon Roland Bloeck (1994)
Die Edener Obstverwertung als wirtschaftliche Kraft hatte den Zweiten Weltkrieg zwar ohne Gebäudeschäden überstanden, aber es waren große Verluste an Waren und Halbwaren entstanden. Die während der Kampfhandlungen erfolgten Plünderungen durch Soldaten, Flüchtlinge und auch von in Eden lebenden Bürgern brachten der Genossenschaft hohe finanzielle Verluste. Die Begleichung der so genannten Altschulden hatte unser Betriebsergebnis über viele Jahre belastet. Zu dieser Zeit war Arthur Thieme Geschäftsführer. Bis 1954 hatte es verschiedene Verantwortliche im Betrieb gegeben, ich erinnere mich an Männer wie Hinze, Lungwitz und Fischer. Die betriebliche Leistung entwickelte sich zwar langsam, aber es bestanden gute Aussichten, an die Vergangenheit anknüpfen zu können. Die Qualität unserer Säfte, Marmeladen und Gelees gab Anlass zu Optimismus. Die Vegeta-Erzeugnisse sind noch in guter Erinnerung und hätten auch heute noch ihre Stammkunden. Für die Produktion und damit auch für die Qualität war Walter Marquardt als „erster Mann” im Betrieb verantwortlich. Gemeinsam mit seinem Sohn Hartmut, der in die Fußstapfen seines Vaters trat, wussten wir diese Aufgaben in guten Händen. Ich erinnere mich aber auch an weitere Namen von Männern, die mir anfänglich bei der Wahrnehmung meiner Aufgaben im Aufsichtsrat geholfen haben: Erich Gerber, von Beruf Stickermeister und echter Vegetarier, war viele Jahre Vorsitzender im Aufsichtsrat, Heinz Seemann, Hugo Hübner, Fritz Mittelstädt, Josef Meimann, Gerhard Matthä, Erich Hollmann, Gustav Jandrich und vor allem Arnold Seifert. Sie alle gaben mir das sichere Gefühl für den richtigen Weg. Zu dieser Zeit bestand der Vorstand aus Hans Schütze, Heinrich Grätz und Anna Rubner. Mit dem Geschäftsführer Arthur Thieme hatte der Vorstand nicht immer leichtes Arbeiten, zu unterschiedlich waren die Ansichten über betriebliche Probleme und deren Bewältigung.
Der genossenschaftliche Betrieb
Im Jahre 1956 kam unsere Genossenschaft unter starken politischen Druck durch Organe des Rates des Kreises Oranienburg. Staatlich bevollmächtigte SED-Mitglieder, die gleichzeitig Genossenschaftsmitglieder waren, versuchten unter Beugung des Genossenschaftsgesetzes Abstimmungsergebnisse bei Wahlen zu Vorstand und Aufsichtsrat zu erreichen, die dem Staat und damit der SED politische Einflussnahme auf die Entwicklung von Eden ermöglichen sollten. Durch persönlichen Einsatz von Arthur Thieme und Erich Gerber wurde Schlimmes von Eden abgewendet. Es kam insgesamt zu drei Prozessen vor ordentlichen Gerichten. Den Prozess vor dem Kreisgericht in Oranienburg und den vor dem Bezirksgericht in Potsdam haben wir damals verloren. Es war zu befürchten, dass Eden unter eine politisch abhängige Verwaltung geriet. Der dritte Prozess sollte dann vor dem Obersten Gericht der DDR stattfinden, aber es kam in Berlin zu keiner Verhandlung mehr. Uns wurde mitgeteilt, dass sich die Urteile vom Kreis- und Bezirksgericht nicht in Übereinstimmung mit dem Genossenschaftsgesetz befanden und kassiert worden waren. Vorstand und Aufsichtsrat wurden wieder in ihre Ämter eingesetzt und durften ihre Arbeit fortsetzen. Dieser Ausgang war eine Bestätigung für den Genossenschaftsgedanken und hat für viele Jahre eine Stärkung unserer Position gebracht. Die Erhaltung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit war zu dieser Zeit das wichtigste Thema bei allen Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat. Die Erträge aus der Tätigkeit in den verschiedenen Bereichen wie Obstverarbeitung, Gartenbau und Baumschularbeit hatten die Entwicklung unserer Siedlung erst ermöglicht. Die enge Einbindung unserer Obstverwertung in die staatlichen Pläne begrenzte aber von vornherein die Ausschöpfung unserer eigenen Möglichkeiten. Die im Jahre 1950 in Bad Soden/Taunus gegründete Eden-Waren GmbH verfügte in der Bundesrepublik über einen erheblichen Marktraum und war für Eden-Oranienburg ein großer Hoffnungsträger für die Zukunft. 1957 durfte ich als noch recht junges Aufsichtsratsmitglied zum ersten Mal an einer Gesellschaftertagung in Bad Soden teilnehmen. Mir wurde klar, dass der entscheidende Teil wirtschaftlichen Wachstums sich nur im Westen vollziehen könnte. Wir hatten durch den Beschluss des Aufsichtsrates im Jahre 1950 zur Gründung dieses Unternehmens die Grundlage geschaffen, auf der wir heute etwas Neues aufbauen hätten können.
Eden-Bad Soden/Taunus
Von Eden wurde bis zum Jahre 1961 jede Möglichkeit genutzt, sich am Geschäftsaufbau der Eden-Waren in Bad Soden zu beteiligen. Die Gründung erfolgte ja vor einem Notar hier bei uns in Oranienburg. Die Genehmigung wurde von den staatlichen Steilen erteilt, obwohl später immer wieder kritisch nachgefragt wurde, wie wir zu dieser Gründung gekommen waren. Eden-Oranienburg konnte ja kein Gründungskapital als bares Geld einbringen. So wurden der Name „EDEN‘ und die anderen Warenzeichen, die vorhandenen Rezepturen und Kundenlisten mit 10.000 DM bewertet und stellten das Grundkapital dar. Die Eden-Genossenschaft war bei Gründung mit 89 % Anteilen Hauptgesellschafter, 10 % lagen bei der Firma Philipp aus Wesselburen und 1% bei Herrn Kurt Großmann, der gleichzeitig Geschäftsführer wurde. Der Gewinnverteilungsschlüssel war in den ersten Jahren mit dem Kapitalanteil vergleichbar. Die Eden-Genossenschaft war immer bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten der Eden-Waren in Bad Soden grenzüberschreitend Unterstützung zu geben. Der Gesellschaftervertrag sah ja vor, die Eden-Waren mit der Zielstellung zu gründen, die Eden-Idee im Auftrag der Eden-Genossenschaft auf dem Gebiet der Bundesrepublik zu erhalten und zu fördern. Dazu gehörte auch die Pflege und der Schutz der Warenzeichenrechte gegenüber Dritten, in dem von Eden-Oranienburg nicht erreichbaren Wirtschaftsraum. Es war auch festgelegt, dass die Eden-Waren GmbH neuentwickelte eigene Warenzeichen für sich und die Eden-Genossenschaft anmelden durfte. Die Eden-Genossenschaft hatte entsprechende Vollmachten in den Jahren 1965 und 1967 erteilt. Alles, was wir geplant und auch getan hatten, war immer mit dem Ziel verbunden, dass bei einer möglichen politischen oder wirtschaftlichen Einheit der beiden deutschen Staaten neu zu überdenken wäre, ob der Gesellschaftervertrag in dieser Form weiterzuführen oder Eden-Oranienburg auch als wirtschaftlicher Standort zu berücksichtigen sei.
Eden-Produkte
Als 1991, zwei Jahre nach der politischen Wende, der Verkauf der Eden-Waren perfekt war, ohne dass unsere Genossenschaft genau darüber informiert wurde, in welcher Form das ablaufen sollte, waren wir geschockt. Wir haben auch im Vertrauen auf eine gemeinsame Wirtschaftsentwicklung alles getan, was man von einem Gesellschafter erwarten konnte. Der Name und die Geschichte unserer Siedlung hätten eine gute Entwicklung für die Zukunft versprochen. 40 Jahre sozialistische Planwirtschaft sollten für unsere Genossenschaft keine eigenständige Entwicklung bringen. Der Obstverarbeitungsbetrieb konnte sich in seiner Leistung nicht steigern und ohne entscheidende Investitionen war keine Zukunft möglich. In den Jahren 1966 bis 1968 hatten wir bereits Gedanken entwickelt, etwas Neues zu schaffen. Die Planung sah vor, auf der Grundlage unserer Erträge, die bei der Landeszentralbank in Hessen auf Sperrkonten hinterlegt werden mussten, in Eden einen technologisch neu ausgerüsteten Betrieb zu gestalten. Wir hatten Angebote von anderen obst- und gemüseverarbeitenden Betrieben in der DDR, gemeinsam zu wirtschaften, z.B. mit der Firma Ackermann in Elberfeld, die Kindernahrung herstellte. Ein staatliches Planungsbüro in Potsdam hatte bereits komplette bautechnische Unterlagen erstellt, um neue Maschinen und Ausrüstungen einzusetzen. Die Lieferungen waren von den staatlichen Behörden schon genehmigt. Die Finanzierung war durch Eigenmittel und Kredite vorgesehen, die durch unsere Gesellschafter in Bad Soden mit abgesichert waren. Wir hatten viel Energie, persönlichen Einsatz und finanzielle Mittel aufgewendet, um diese Pläne zu verwirklichen. Wir schrieben das Jahr 1972, und alle Pläne und Träume platzten wie eine Seifenblase. Was war geschehen? Der Staat hatte, wahrscheinlich um einen totalen Einbruch der Volkswirtschaft zu verhindern, durchgesetzt, dass alle privaten Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten in Volkseigentum zu überführen seien. Dies war das Ende der eigenständigen wirtschaftlichen Tätigkeit unserer Genossenschaft mit allen dann eintretenden Folgen. Zusammen mit dem Betrieb wurde auch die Übergabe weiterer Gebäude der Genossenschaft in staatliche Verwaltung festgelegt. Betroffen waren das Gemeinschaftshaus mit den Schulräumen und dem Saal, das Haus Hauptweg 100 sowie die Wohnhäuser Baltzerweg 67 und Südweg 3. Das ehemalige Gasthaus und Erholungsheim wurde ja schon im Jahre 1945 in volkseigene Verwaltung übernommen und seitdem für Kindereinrichtungen genutzt. In allen Fällen wurden an den Staat nur die Gebäude übergeben, Grund und Boden sind aber weiterhin Eigentum der Genossenschaft geblieben. Für die Übernahme des Obstverarbeitungsbetriebes hatte die Genossenschaft einen Betrag von 740.000 Mark der DDR erhalten, die auf ein Sperrkonto bei der Sparkasse Oranienburg gingen. Auf Antrag durften wir jedes Jahr über 40.000 Mark verfügen. Die Erhaltung und Weiterentwicklung der Genossenschaft wurde nun auf eine harte Probe gestellt. Bis zum Jahre 1972 war die Verwaltung der Genossenschaft im Betriebskomplex untergebracht. Buchhaltung, Sekretariat und technische Kräfte haben sowohl für den Betrieb als auch für die Genossenschaft gearbeitet. Lediglich die Bearbeitung der Erbbaurechte wurde immer separat von einem Siedlungssekretär ausgeführt, zu meiner Zeit waren das Rolf Regener und Hans Nelius. Es gab auch keine getrennte Kostenabrechnung zwischen Betrieb und Siedlung. Der Vorstand war mit der Verantwortung für den Betrieb mit all seinen Bereichen voll gefordert. Für den Betrieb gab es zwar immer einen Geschäftsführer, doch war dieser gleichzeitig Vorstandsmitglied. Mit der Verstaatlichung des Betriebes stellte sich nun für Vorstand und Aufsichtsrat eine neue Situation dar. Da das Büro im Betriebsbereich nicht mehr zur Verfügung stand, wurde im Genossenschaftshaus eine eigene Buchhaltung, ein selbstständiges Sekretariat und die Grundstücksverwaltung eingerichtet. Für alle Bereiche brauchten wir Mitarbeiter, die von der Siedlung bezahlt werden mussten. Anfangs wurden viele Aufgaben bereichsübergreifend erledigt. Die finanzielle Lage der Genossenschaft war schlecht, der Erbbauzins von 1,2 Pfennig je qm im Jahr reichte bei weitem nicht aus, um unseren Verpflichtungen nachkommen zu können. Jährlich standen uns lediglich die aus dem Betriebsübergang in Volkseigentum zustehenden 40.000 Mark sowie kleinere Beträge aus Umsatzabgaben zur Verfügung. Geringe Erträge erhielten wir vom VEB als Umsatzprovision für die von uns zur Verfügung gestellten Bakterienkulturen zur Herstellung von milchsauren Gemüsesäften. Durch unser Devisenkonto bei der Landesbank in Hessen konnten wir entsprechende Einfuhren aus der Schweiz bezahlen. Es wurde jedes Mal eine besondere Zahlungsgenehmigung in Potsdam und Frankfurt/Main eingeholt. Diese Ertragslage der Genossenschaft war völlig unzureichend, um Pläne für die Zukunft zu machen. Wir hatten aber die Hoffnung, die Erträge aus der Beteiligung an der Eden-Waren GmbH in Bad Soden einmal nutzen zu können. Durch bestehende Gesetze, die von den Alliierten noch dem Kriege geschaffen worden waren, durften aber zwischen den beiden deutschen Staaten keine Gelder transferiert werden. Die uns zustehenden Gewinne mussten also auf ein Sperrkonto eingezahlt werden, standen aber gegen entsprechende Verzinsung der Eden-Waren GmbH als Betriebsmittel zur Verfügung. In unseren Bilanzen wurden diese Posten als Erträge aus Beteiligungen geführt, wodurch wir fast immer ein positives Betriebsergebnis ausweisen konnten. Nach Abzug dieser Beteiligungserträge war aber klar zu erkennen, dass in Eden mit Verlusten gearbeitet wurde. Staatliche Unterstützung erhielt die Genossenschaft nur dadurch, dass wir auf Antrag von der Zahlung der Vermögenssteuer befreit waren.
Roland Bloeck bei der Jubiläumsfeier
1975 konnte die Eden-Waren GmbH ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Nach vielen Jahren der totalen Trennung konnten der Vorstandsvorsitzende Arnold Seifert und ich, ausgestattet mit einem Dienstreisepass, erstmals wieder nach Bad Soden fahren, um an dieser Jubiläumsfeier und der Gesellschaftertagung teilzunehmen. Wir konnten uns Einblicke in den Entwicklungsstand des Betriebes verschaffen und waren sehr beeindruckt über das, was unter unserem Namen „Eden” entstanden war. Spätere Besuche in Bad Soden, wir durften noch einige Male an Gesellschaftertagungen teilnehmen, gaben uns auch Gelegenheit, das 1977 in Betrieb genommene Werk in Hünfeld/Fulda kennen zu lernen. Mit der Landeszentralbank in Frankfurt/Main und der Finanzabteilung beim Rat des Bezirkes in Potsdam wurde 1978 eine Regelung über die Nutzung bestimmter Zinserträge unter sozialen Aspekten ausgehandelt. Die Überzeugung der Bundesbank für diese Regelung wäre ohne die Mitwirkung der Geschäftsführung der Eden-Waren GmbH wohl nur sehr schwer zu erreichen gewesen. Diese Umtauschaktion, wie wir sie nannten, konnten wir zehn Jahre lang durchführen und hatten somit weniger Sorgen in unserer Genossenschaft. Die nun möglichen „Beteiligungsaktionen” förderten die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und der Genossenschaftsleitung. Gemeinsame Arbeit zur Pflege und Gestaltung von Anlagen und Wegen waren an der Tagesordnung. Es hatte sich auch eine sehr hohe Beteiligung an den Versammlungen und Veranstaltungen entwickelt.
Die Feiern zum 80. und 90. Geburtstag der Genossenschaft waren gelungene Veranstaltungen, an denen leider nicht alle Edener teilnehmen konnten. Die 90-Jahr-Feier im Jahre 1983 fand unter großer Aufmerksamkeit der staatlichen Organe statt. Wir standen unter strenger Kontrolle und Aufsicht und mussten einen genauen Ablaufplan zur Genehmigung vorlegen. Herrn Kurt Großmann aus Bad Soden wurde Redeverbot in der Öffentlichkeit erteilt. Auch damals schon konnten wir einige Alt-Edener aus der Bundesrepublik, denen die Einreise zu Verwandten erteilt worden war, als Gäste begrüßen und auf dieser Veranstaltung für ihre Verbundenheit zur Eden-Idee ehren.
Kurt Großmann und Roland Bloeck
In jeder Gesellschaft oder Genossenschaft finden jährlich Generalversammlungen statt. Für die Gesellschafterversammlungen der Eden-Waren GmbH erhielten wir immer entsprechende Einladungen noch Bad Soden/Taunus. Nachdem wir 1975 erstmalig nach dem Bau der Mauer einen Reisepass erhielten, haben wir uns jedes Jahr bemüht, unsere Rechte als Gesellschafter der Eden-Waren GmbH wahrzunehmen. Die Anträge zur Erteilung von Reisepapieren hatten aber nur selten Erfolg. Wir wurden abgewiesen mit der Begründung, was vertraglich möglich gewesen wäre, hätten wir 1979 mit dem Zahlungsabkommen über Zinsertragsnutzung erreicht und somit bestünden keine erkennbaren Reisegründe. Auch zur Wahrnehmung von Veränderungen bei Stammkapitalerhöhungen für Eden gab es keine Reiserlaubnis. Wir hätten bei einer Mitarbeit an Beschlüssen zur Stammkapitalveränderung sicher besser unser Recht durchsetzen können, unsere Genossenschaft zu berücksichtigen und wir hätten dann auch Beträge unserer Sperrkonten bei der Landeszentralbank in Frankfurt/M. in Stammkapital umwandeln können. Allerdings wäre hierzu die Genehmigung des Rates des Bezirkes Potsdam, Abteilung Devisen, zusätzlich erforderlich gewesen. Bei einem Gespräch mit der Kreisleitung der SED betreffs Reisegenehmigung nach Bad Soden im Jahr 1986 (in der Sowjetunion hatte bereits die Wende begonnen) wurde mit mir darüber gesprochen, ob die Eden-Genossenschaft nicht als Partner eines Volkseigenen Betriebes tätig werden könnte. Ziel eines VEB wäre gewesen, dass wir aus unserem Devisenbestand in der Bundesrepublik eine hohe Einlage in Form von neuen Maschinen und Ausrüstungen nach neuesten Technologien hätten tätigen sollen. Man wollte damit exportfähige Produkte nach Edener Rezepturen und mit dem Namen EDEN herstellen. Da aber die Eden-Genossenschaft Gesellschafter in Bad Soden gewesen ist, hätten wir uns selbst Konkurrenz gemacht. Außerdem wäre dafür auch keine Genehmigung von der Landeszentralbank in Frankfurt/M. erteilt worden. Eden-Oranienburg hat ja zu allen Zeiten des Bestehens seiner Gesellschafterbeteiligung nur an einer gesicherten und kontinuierlichen Entwicklung der Eden-Waren GmbH Interesse gehabt. Es gab für uns auch zu keiner Zeit eine andere Zielstellung als die gelebte Gemeinnützigkeit. Diese war auch die Grundlage dafür, dass wir zum Sponsor für das Gesundheitswesen in unserem Lebensbereich wurden. Wir haben erreicht, dass mit Genehmigung der Landeszentralbank in Frankfurt/M. und des Rates des Bezirkes Potsdam für 40.000 DM aus unserem Devisensperrkonto für die medizinisch-technische Ausstattung unserer Krankenhäuser im Kreis Oranienburg ein hochwertiges Darmspiegelgerät (Coloskop) der japanischen Firma “Olympus” gekauft werden konnte. Im Jahr 1988 begann zwischen den staatlichen Verwaltungen und der Genossenschaft eine neue Form der Zusammenarbeit. Wir hatten den Eindruck, dass die jüngere Generation von Funktionären erkannt hatte, dass nicht alles mit Gesetzen abzudecken sei. Vieles wurde liberaler angesehen und teilweise auch so gehandhabt. Die stetig zunehmende Schwäche der Planwirtschaft der DDR war auch Ausgangspunkt einer angestrebten Zusammenarbeit mit der Genossenschaft für den Aufbau eines gemeinsamen Betriebes. Die großzügigere Auslegung des Reisegesetzes für private Reisegründe ermöglichte nun Reisen nach Bad Soden. Hintergrund dafür war sicherlich, dass durch Aufrechterhaltung guter Kontakte zwischen unserer Genossenschaft und der Eden-Waren GmbH von staatlicher Seite damit gerechnet wurde, von den Devisenerträgen der Eden-Genossenschaft im Westen einen kleinen Vorteil für die DDR zu erreichen. Durch ihr konsequentes Handeln erreichte die für unsere Siedlung beim Gericht zuständige Notarin auch, dass bei einem Erbbaurechtsverkauf das Erbbaurecht Gegenstand des Vertrages blieb und nicht mehr in Volkseigentum übergeführt werden konnte. Es gab für mich in den 35 Jahren bis zum 9. November 1989 noch eine Vielzahl von kleinen Erinnerungen, die aber im Schatten dieses denkwürdigen Tages stehen. Was kam nun auf die Genossenschaft zu? Wir konnten uns freuen, weil für viele Familien nicht nur das große Wiedersehen kam, sondern sich auch manche Angehörige zum ersten Mal begegnet sind. Viele Träume wurden Wirklichkeit. Plötzlich waren wir aber auch vor die Frage gestellt, was nun für die Genossenschaft getan werden muss. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Besuch noch der Wende in Bad Soden. Was würde nun für uns möglich sein, wie kann die Zukunft aussehen? Wir hatten sehr hohe Erwartungen an unsere Partner. Der uns bindende Gesellschaftervertrag stand nun auf dem Prüfstand der Gegenwart. Dieser Vertrag sah unter anderem vor, dass nach einer politischen und wirtschaftlichen Einheit der beiden deutschen Staaten auf der ersten Gesellschafterversammlung der Eden-Waren GmbH zu beraten sei, unter welchen Bedingungen das gemeinsame Unternehmen weiterzuführen ist. Der genossenschaftseigene Betrieb in Eden, den wir 1972 in Volkseigentum abgeben mussten, kam als Betriebsteil des Kombinats Havelland in die Verwaltung der Treuhandanstalt. Als weitere Entwicklung wurde der Betrieb wieder selbstständiger VEB. Daraus folgte die Umwandlung zur „Edener Obst- und Gemüseverarbeitungs GmbH im Aufbau”. Alleiniger Gesellschafter war die Treuhandanstalt Potsdam.
Auf der Grundlage gesetzlicher Möglichkeiten stellten wir einen Antrag auf Rückgabe des Betriebes an unsere Genossenschaft. Durch die erfolgte Anerkennung unseres Anspruches konnten wir einen Fachmann zur Durchsetzung auf Rückgabe beauftragen. Herr Hans Anschütz erreichte für die Genossenschaft nach langen Verhandlungen die im Wesentlichen kostenlose Rückgabe von dem, was die Treuhandanstalt übrig gelassen hatte. Der Betrieb wurde aufgelöst, der völlig marode Maschinenpark verschrottet und alle noch verbliebenen Mitarbeiter mussten entlassen werden. Wir hatten nun unseren Grund und Boden und die Gebäude mit einem hohen Reparaturbedarf zurück. Der Betrieb war von der Treuhandanstalt gegenüber den Banken entschuldet und auch weitgehend entsorgt worden. Für die noch mit Buchwerten geführten Einrichtungen übernahmen wir die restliche Entsorgung als Gegenleistung. Durch Verträge mit der Treuhand waren neben der großen Lagerhalle auch noch andere Räume vermietet. Unabhängig davon gingen unsere Bemühungen weiter, mit der Eden-Waren GmbH für uns eine in die Zukunft weisende Lösung zu finden. Auf Einladung der Genossenschaft kam die Geschäftsleitung aus Bad Soden nach Eden, um zu beraten und zu prüfen, wie sich Eden-Oranienburg in das gemeinsame Unternehmen einbinden ließe. Wir hatten vorgeschlagen, in Eden ein Zwischenlager für Berlin und die neuen Bundesländer und einen Betriebsteil zur Herstellung der Vegeta-Erzeugnisse und zur Abfüllung von Honig einzurichten. Durch die schlechte Gebäudesubstanz und die ungünstige Verkehrsanbindung war aber keine Einigung möglich. Die notwendigen Investitionen hätten sich nicht gerechnet. Wir konnten nicht wissen, dass zu diesem Zeitpunkt von unseren Mitgesellschaftern bereits Gespräche geführt worden waren, um die von ihnen gehaltenen Geschäftsanteile am Stammkapital zu verkaufen. Die bevorstehende Wiedervereinigung Deutschlands und damit die Einbindung unserer Vorstellungen nach gemeinsamer Verantwortung sowie die Schwierigkeiten, die durch die Schaffung des gemeinsamen europäischen Marktes entstehen würden, und nicht zuletzt der stagnierende Absatz auf dem Reformwarensektor waren wohl die Gründe, die für unsere Mitgesellschafter einen schnellen Verkauf der Anteile erforderlich machten. Den Verkauf ihrer Stammkapitalanteile durch die Familiengruppen erfuhren wir erst nach Vollzug des Vertrages per Telefon, kurz bevor diese Tatsache auch den Mitarbeitern der Eden-Waren und der Öffentlichkeit mitgeteilt werden sollte. Die Zusammensetzung des Stammkapitals, das 7,5 Millionen DM betrug, verteilte sich auf vier Parteien, wobei die Eden Genossenschaft mit noch 17 % beteiligt gewesen war. In mehreren Verhandlungen haben wir mit dem Käufer, der Sandoz Ernährung AG in der Schweiz, über die Modalitäten eines eigenen Vertrages verhandelt. Vorstand und Aufsichtsrat haben in Auswertung der Verhandlungen die Gesellschafteranteile, die von der Eden-Genossenschaft gehalten wurden, ebenfalls verkauft. Dies wurde in einer außerordentlichen Sitzung am 29. Mai 1991 nach längerer Diskussion vom Vorstand einstimmig und vom Aufsichtsrat mit 7 Ja-Stimmen bei 1 Enthaltung beschlossen. Einzelheiten sind unseren Mitgliedern durch die Geschäftsberichte und Bilanzen mitgeteilt und auf den Generalversammlungen erörtert worden. Es muss hier mit allem Nachdruck festgestellt werden, dass Gegenstand des Kaufvertrages mit der Firma Sandoz nur das Stammkapital der Eden-Waren GmbH, bezogen auf den von uns gehaltenen Anteil, gewesen ist. Es war in keinem Punkt des Vertrages Gegenstand, dass auch Warenzeichen verkauft werden.
Roland Bloeck, geboren am 29. Juni 1932, von Beruf Feinmechaniker, war 48 Jahre für die Eden-Genossenschaft tätig, 14 Jahre im Aufsichtsrat (1954 - 1968), davon 9 Jahre dessen Vorsitzender, 34 Jahre im Vorstand (1968 - 2002) und während dieser Zeit 17 Jahre als Vorstandsvorsitzender. Von 1992 bis 1998 war er hauptamtliches geschäftsführendes Vorstandsmitglied. |
Eden
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