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Reformmargarine – Eden-PflanzenbutterVon Judith Baumgartner
Die bis heute produzierte Eden-Pflanzenbutter, auch als Prototyp der Reform-Margarine bezeichnet, wurde neben der genossenschaftlichen Obstverwertung bereits Anfang des letzten Jahrhunderts zu einem wichtigen Produktionszweig innerhalb der Siedlung Eden. Die Margarineproduktion in Eden setzte wenige Jahre nach 1900 ein und ist auf die Initiative von Dr. med. Friedrich Landmann zurückzuführen. Besonderes Interesse galt dabei der Entwicklung eines Pflanzenfettes, das in seiner Beschaffenheit ein vollkommener und gleichzeitig gesundheitlich wertvoller Ersatz für Tierfette sein sollte. Trotz der Verwendung wertvoller Rohstoffe sollte der Preis wesentlich unter dem der billigsten Kuhbuttersorte liegen. Hier verbinden sich die Bemühungen Landsmanns auf sozialer wie auf ernährungsreformerischer Ebene. Landmann wollte ein Produkt auf den Markt bringen, das ein gesundes pflanzliches Nahrungsmittel war, und das sich jeder leisten konnte. Nach eineinhalbjährigen Vorarbeiten wurde nach siedlungseigenem Rezept die Reformbutter „Marke Eden” 1908 erstmals hergestellt und in den Handel gebracht. Landmann lehnte die Verwendung gehärteter Fette ab und entwickelte die Eden-Margarine ohne künstliche Konservierungsmittel und Aromastoffe.
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Durch die bereits erwähnte Verteuerung der Kuhbuttererzeugnisse vor und während des Ersten Weltkrieges erfuhr Eden-Margarine wie andere Butterersatzprodukte eine rasche Verbreitung. Besonderer Wert wurde vom Edener Reformunternehmen darauf gelegt, die erste hartfettfreie reine Pflanzenbutter ohne Konservierungsstoffe auf den Markt gebracht und damit ein vollwertiges, schonend verarbeitetes und doch billiges Substitut für sämtliche tierische Fette geschaffen zu haben, insbesondere da der Fettgehalt der Eden-Pflanzenbutter 10 % über dem der handelsüblichen Molkereibutter lag. Der Preis für 1 Pfund Eden-Pflanzenbutter blieb über die ersten 20 Jahre der Produktion konstant. Die Butteralternative wurde daher von den Verbrauchern auch auf Grund ihrer Preisattraktivität gekauft. Eden-Margarine sollte Kuhbutter in Geschmack und Aussehen möglichst nahe kommen und trotzdem ein gesundes, weitgehend natürliches Pflanzenfett sein. Damit basierte es auf den zwei Grundsätzen, die für Landmann ausschlaggebend gewesen waren: Preiswürdigkeit und gesundheitlicher Anspruch. Durch einen höheren Kalorienwert und einen höheren Fettgehalt des Reformproduktes auf der einen Seite und den kontinuierlich niedrigen Preis auf der anderen Seite wurden vor allem in den krisenanfälligen 20er-Jahren Marktanteile gesichert; teilweise ist die damalige Konsolidierung der Reformhäuser auch auf die Verbreitung der Eden-Margarine zurückzuführen, die in Reformerkreisen marktführend wurde. Landmann hatte den persönlichen Kontakt mit dem Familienunternehmen Schmitz & Lob in Duisburg bereits 1907 auf geschäftliche Bereiche erweitert und die Gründung der „Westdeutschen Nahrungsmittel-Werke” angeregt. Der Vertrieb und die Verwaltung des Produktes erfolgte über die genossenschaftliche Warenabteilung, während die Produktion in dem Duisburger Lizenzbetrieb erfolgte, der bis heute die Edener Pflanzenfette herstellt. 1929 wurde die Eden-Margarine mit dem Neuform-Warenzeichen versehen und lediglich an Neuform-Reformhäuser ausgeliefert. Moderne Packmaschinen und industrielle Produktionsanlagen ermöglichten die Arbeitsgänge Herstellung, Verpackung und Versand in dem mittelständischen Lizenzbetrieb an einem Arbeitstag und garantierten so die Frische des Produktes.
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Ende der 20er-Jahre wurde in den Räumen des ehemaligen Genossenschaftshauses eine eigene Pflanzenmargarine-Verwaltungsabteilung eingerichtet. Wurde die Eden Pflanzenmargarine auch von einem Lizenzbetrieb hergestellt, war sie zum Beispiel fest in das Werbesystem der Obstbau-Siedlung integriert und war wichtiger Bestandteil in Anzeigen, die die gesamte Produktpalette Edens vorstellten. Auf Grund eines Gesetzes wurde 1928 der Zusatz „vegetabile Margarine” nötig. Die Bezeichnung „Pflanzenbutter” wurde durch „Eden-Margarine mit Vitamingehalt” ersetzt. Eine Sonderstellung unter den deutschen Margarine-Herstellern nahm Eden in den Jahren nach 1934 und während der Kriegsjahre ab 1939 ein. 1934 wurde die Margarineindustrie mit einem Walfettzwang belegt, von dem die Eden-Produktion befreit wurde. Die Produktion der Eden-Pflanzenbutter konnte trotz Versorgungsengpässen mit rein pflanzlichen Rohstoffen aufrechterhalten werden und damit die Belieferung der Reformhäuser gewährleisten. Der Edener Margarine-Produktionsbetrieb war das einzige Unternehmen, für das der allgemein geltende Beimischungszwang tierischer Fette nicht galt. Als Gegenleistung für dieses Privileg war eine Sonderabgabe an das Winterhilfswerk zu bezahlen. Der spätere Firmengründer und ehemalige Angestellte der Genossenschaft Kurt Großmann erklärte das Privileg damit, dass die nationalsozialistische Regierung Bezieher von Eden-Produkten war und diese in ihrer ursprünglichen Reinheit konsumieren wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion dieser hartfettfreien Reformhaus-Pflanzenmargarine im Jahre 1952 wieder aufgenommen.
Judith Baumgartner
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Eden
Gemeinnützige Obstbau-Siedlung eG
Struveweg 501 • 16515 Oranienburg
Tel.: (0 33 01) 52 32-6 • Fax: (0 33 01) 52 32-70
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