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Der Gartenbau in der Obstbausiedlung Eden von 1893 bis 1993 Von Grit Marx (1998)
Die Standortbedingungen zur Zeit der Gründung von Eden
Vor dem Ankauf der Fläche durch die ersten Siedler wurde das Grundstück, auf dem die Obstbausiedlung Eden gegründet werden sollte, als Schafweide bzw. Acker und Wiese genutzt. Die Gründungsmitglieder trafen die Wahl nicht aus anbautechnischen Erwägungen, sondern wählten diesen Standort wegen des günstigen und für sie bezahlbaren Preises und der Nähe zu Berlin aus. Wilhelmi, ein Gründungsmitglied, kannte hier ein billiges verkäufliches Grundstück für 225 Mark den Morgen, und bei dem Kapitalmangel entschied der niedrige Preis. Fachmännische Ablehnung wegen der Bodenverhältnisse durch einen Gärtner, den späteren Genossen August Hanker, blieb unbeachtet. Das Siedlungsgelände ist im Urstromtal der Havel gelegen und nimmt heute eine Gesamtfläche von ca. 120 ha ein. 30 km nordwestlich von Berlin gelegen, gehört Eden zur nahe liegenden Stadt Oranienburg. Begrenzt wird die Siedlung im Norden von der Germendorfer Allee (Bundesstraße 273), im Osten vom Oranienburger Kanal, im Süden von einer stillgelegten Eisenbahnlinie und im Westen vom so genannten Sonnenbad, einer Fläche, die heute mit verschiedenen Laubgehölzen bestanden ist. Der Boden des Siedlungsgeländes besteht aus humosem Sand: der stellenweise Ton-, Lehm- und Mergeleinlagerungen aufweist. War der vorhandene Boden des Siedlungsgeländes wenig geeignet für einen Erwerbsobstbau, so erwiesen sich die vorherrschenden Klimaverhältnisse ebenfalls als wenig zuträglich für den Anbau von gartenbaulichen Kulturen. Oftmals wurde die Blüte der Obstgehölze durch auftretende Spätfröste stark geschädigt. Ein weiteres Problem stellen die unzureichenden Niederschläge in einer oft ungünstigen Verteilung über die Vegetationsperiode dar. Aus den angegebenen Klima- und Bodenverhältnissen lässt sich ableiten, dass die ersten Siedler, die das Land urbar machen wollten, vor einer großen Herausforderung standen. Neben den ungünstigen natürlichen Bedingungen wirkten zahlreiche Faktoren hemmend auf die Entwicklung der Siedlung. Zusätzlich erschwerend kam hinzu, dass die ersten Siedler Laien im Gartenbau waren und dadurch Fehler bei der Pflanzung gemacht wurden. Trotz dieser schwierigen Ausgangssituation konnte die wirtschaftliche Existenz der Obstbausiedlung gesichert werden.
Bodenbearbeitung Die Bodenbearbeitung erfolgte zunächst von Hand. Eine wesentliche Erleichterung hätte der Einsatz von Zugtieren bedeutet, jedoch konnte dies nicht realisiert werden, da die Geldmittel dafür nicht ausreichten. Außerdem war „ein Einsatz von Hackpflug und Pferdegespann nicht möglich, da die Parzellierung und teilweise Bepflanzung dies nicht zuließen. Das erworbene Grundstück hatte zur Zeit der Gründung eine Fläche von 150 Morgen, d.h. etwa 37,5 ha. Die ersten Vermessungen und Erdarbeiten führten die Siedler bereits im Winter 1893/94 unter Leitung des Kulturingenieurs Elsässer durch. Dabei wurden zu Beginn 90 Morgen in 79 Heimstätten geteilt, jede 2.800 qm groß. Die anderen 60 Morgen bestanden aus Wegen, Wasser, Wiese und gemeinschaftlich zu bewirtschaftender Ackerfläche. Die zu bepflanzenden Flächen wurden zunächst mit dem Spaten dreifach rigolt, d.h. etwa 70 cm tief umgegraben. Dieses Bodenbearbeitungsprinzip war nach dem damaligen Kenntnisstand eine der wichtigsten Kultivierungsmaßnahmen. Die vorherrschende Meinung war, dass ein tiefes Umgraben und Wenden des Bodens den späteren Ertrag günstig beeinflusse und sich auch positiv auf den Wasserhaushalt des Bodens auswirke. Wenn man außerdem bedenkt, dass die ersten Edener Siedler gegen eine Verunkrautung des Bodens zu kämpfen hatten, war das tiefe Umgraben in den Anfangsjahren auch notwendig.
Bepflanzung des Siedlungsgeländes Bereits im Frühjahr 1894 begann man mit den ersten Gehölzpflanzungen, zunächst mit 750 Bäumen entlang der Wege. Der überwiegende Teil des Siedlungsgeländes wurde im Jahr nach der Gründung, soweit nicht als Wiese genutzt, mit Hafer, Buchweizen, Kartoffeln, Mohrrüben, Bohnen und anderen Gemüsearten bestellt, um für den Anfang zunächst die Ernährung der Siedler, die auf dem Gelände arbeiteten, und auch erste Einnahmen zu sichern. Im Herbst desselben Jahres und im Frühjahr 1895 setzte man die Pflanzungen von Obstgehölzen unter der Leitung des Gärtners August Hanker fort. Das Pflanzmaterial wurde anfangs von umliegenden Baumschulen oder Gärtnereien gekauft. Die Bepflanzung erfolgte vorwiegend mit Obstgehölzen. Ziersträucher dienten in der Nähe des Wohnhauses zur Verschönerung der Heimstätte. Zur Einzäunung der einzelnen Grundstücke verwendete man in den Anfangsjahren fast ausschließlich Lebensbäume (Thuja), wobei die Edener Siedler 1895 mit der Pflanzung begannen. Für die Bewohner einer Heimstätte diente die Hecke primär als Windschutz. Außerdem waren viele Vegetarier Anhänger der Freikörperkultur, sodass die Immergrünen „Mauern“ auch vor fremden Blicken schützen sollten. Obwohl die Bepflanzung mit Lebensbäumen als wenig naturnah eingeschätzt werden muss, trug diese zu einer Verbesserung des Kleinklimas innerhalb des Siedlungsgeländes, innerhalb der Heimstätten und somit auch zu besseren Standortbedingungen bei. Im Juli 1896 waren 50 der 79 Heimstätten bereits verpachtet. Davon hatten die ersten Siedler 47 Heimstätten mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Erdbeeren und Gemüse bepflanzt. Genossenschaftlich genutzte Flächen, die zu dieser Zeit ca. vier Hektar einnahmen, dienten vorwiegend zum Anbau von Erdbeeren als Unterkultur und waren zum überwiegenden Teil mit Obstgehölzen bzw. Beerensträuchern bepflanzt. Die zu Beginn gewählten Reihenabstände betrugen nur 4 m, wobei Halbstamm und Buschbaum in den Reihen in einem Abstand von 4 m voneinander im Wechsel aufgepflanzt wurden. Beide Erziehungsformen standen auf Sämlingsunterlagen und waren demzufolge starkwachsend. Zwischen je zwei Bäumen wurde immer ein Stachelbeer- bzw. Johannisbeerstrauch gepflanzt.
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Düngung In den Anfangsjahren wurden in der Siedlung die mineralischen Nährstoffe reichlich verwendet, Große Mengen an Kalk, Kainit und Thomasmehl wurden auf dem Siedlungsgelände ausgebracht An Stickstoffdünger kam vor allem schwefelsaures Ammoniak zur Anwendung. Die Verwendung von Berliner Straßenkehricht ergänzten neben Klärschlamm aus Oranienburg und zugekauftem Stalldünger aus Berlin die mineralischen Düngemittel. Insgesamt wurden in den ersten Jahren 100 Kahnladungen Straßenkehricht (ca. 140 Tonnen pro Ladung), 1000 t Kalk und Kainit, 2.000 t Lehm und 1.500 Kuhdung zur Bodenverbesserung verwendet. Nach wenigen Jahren reduzierte man diese intensiven Düngungsmethoden, wobei die Gründüngung durch Lupinen und Serradella als Haupt- und Nachfrucht sowie die Kompostdüngung diese Maßnahmen ersetzten. Die in den ersten Jahren durchgeführte Düngung mit Steinmehl wurde bald aufgegeben, da kein sichtbarer Erfolg verzeichnet werden konnte.
Be- und Entwässerung des Siedlungsgeländes Im Oktober 1893 wurde auf einer Sitzung die Befürchtung geäußert, dass sich wegen zu hohen Grundwasserstandes einzelne Teile des Siedlungsgeländes zum Obstbau untauglich erweisen würden. Diese Befürchtungen haben sich in den ersten Jahren nicht bestätigt. Die ersten Anpflanzungen waren jedoch durch den hohen Grundwasserstand erschwert. „Man musste zur Hügelpflanzung greifen und einzelne Teile, nach holländischem Vorbild, durch Aushebung von Gräben nutzbar machen, indem man den ausgehobenen Boden zur Anhöhung der dazwischenliegenden Landstreifen benutzte. Ebenso gab es in den Anfangsjahren große Probleme bei der Bewässerung der Pflanzungen. Die ersten Siedler behalfen sich vielfach mit Grundwasser-Schöpflöchern und einige Zeit später hatten die meisten Siedler auf ihren Heimstätten „Abessinische Brunnen”. Trotzdem waren die heranwachsenden Obstanlagen in niederschlagsarmen Perioden durch Mangel an ausreichender Bewässerung gefährdet, ebenso die zum wirtschaftlichen Bestehen nötigen Unterkulturen. So war die Schaffung einer Wasseranlage nahe liegend. Durch einen Vertragsabschluss mit dem Oranienburger Wasserwerk konnte der gesamte Ausbau des Rohrnetzes im Sommer 1901 ausgeführt werden.
Die Sortenwahl am Beispiel der Obstgehölze Die Edener Siedler hatten keine leichte Aufgabe, als sie bemüht waren, die geeignetsten Sorten bei der unübersichtlichen Sortenvielfalt herauszufinden. Die Sortenwahl der Bäume und Sträucher konnte sich dementsprechend nur auf die allgemeinen, vom Deutschen Pomologenverein empfohlenen Sorten stützen.
Weißer Klarapfel, Charlamowsky, Eveapfel, Lord Grosvenor, Cox‘ Pomona, Roter Jungfernapfel, Goldparmäne, Landsberger Renette, Baumanns Renette, Antonowka, Hagedorn, Boikenapfel, Bismarckapfel, Ontarioapfel, Hammerstein, Boskoop
Bunte Julibirne, Muskateller, Frühe von Trevoux, Dr. Jules Guyot, Clapps Liebling, Andenken an den Kongress, Williams Christbirne, Amanlis Butterbirne, Gellerts Butterbirne, Doppelte Phillipsbirne, Boscs FIaschenbirne, Gute Luise, Neue Poiteau, Vereinsdechantsbirne, Köstliche von Charneu und ‘Gräfin von Paris‘.
Diskussionen über die Sortenfrage führte man in den Wochenversammlungen und Beratungen des Wirtschaftsausschusses, wobei gerade in den Anfangsjahren aus Zeit- und Geldmangel diesem Schwerpunkt nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden konnte. Welche Kriterien bei der Auswahl der Sorten eine Rolle spielten, ist schwer nachzuvollziehen. Es ist zu vermuten, dass die Priorität auf marktorientierte Sorteneigenschaften wie Lagerfähigkeit, gute Ausfärbung, guter Geschmack und gute Transportfähigkeit gesetzt wurde. Über den Apfelanbau kann man Folgendes in der Festschrift „25 Jahre Eden” lesen: „Im Laufe der Jahre hat eine starke Auslese unter den Sorten stattgefunden, und die Zahl der anbauwürdigen Sorten ist sehr zusammengeschmolzen.” An gleicher Stelle findet man auch eine Auflistung der bevorzugt angepflanzten Apfelsorten. Die Birnensorten wurden ebenfalls in großer Vielzahl gepflanzt, doch in geringerer Anzahl wie die Apfelgehölze.
Bepflanzung der Heimstätten Die ersten Heimstätten, die in den Anfangsjahren geschaffen wurden, hatten eine Größe von 40 x 70 Meter. Die Abmaße wählte man deshalb so großzügig, damit der Bedarf einer Familie an Obst und Gemüse gedeckt werden konnte. Nachdem das Siedlungsgelände in einzelne Heimstätten aufgeteilt worden war, wurde bald danach die Bepflanzung der Heimstätten vorgenommen. Weshalb die ersten Siedler fast ausschließlich Obst- und Gemüse anbauten, lässt sich durch die Größe der Nutzfläche erklären. Der Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen konnte nur in geringem Umfang betrieben werden. Eine Nutztierhaltung gab es in den ersten Jahren nach der Gründung nicht, da die ersten Siedler Vegetarier waren. Eine weitere Ursache dafür, weshalb der Obstbau den größten Umfang einnahm, ist darin zu suchen, dass die stadtflüchtigen Siedler, von denen die wenigsten ausgebildete Gärtner waren, glaubten, sich die nötigen Kenntnisse vor allem für den Obstbau sehr leicht aneignen zu können.
Bepflanzungsplan am Beispiel der Heimstätte Nr. 66
Der genossenschaftliche Gartenbaubetrieb Der genossenschaftliche Gartenbaubetrieb bewirtschaftete das noch nicht an Mitglieder vergebene Genossenschaftsland und übernahm, vor allem in den Anfangsjahren, die Bepflanzung und zeitweise die Bearbeitung der Heimstätten. Daneben organisierte der Gartenbetrieb den Einkauf gärtnerischer Bedarfsartikel. Außerdem realisierte die genossenschaftliche Gartenabteilung in den Anfangsjahren auch den Verkauf, indem sie den Absatz der von den Siedlern angelieferten Erzeugnisse besorgte. Da schon in der Gründungsabsicht der Siedlung der Obstbau mit an erster Stelle stand, war es ganz zwangsläufig, dass dieser auch in genossenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit durchgeführt wurde. Auf dem gemeinsamen Stück Land hatte die Genossenschaft eine Baumschule, vor allem zur Anzucht der Obstgehölze, des Weiteren Obstgehölze, Beerensträucher und Gemüse für den Verkauf. 1896 betrug die Fläche der genossenschaftlichen Obstplantagen 16 Morgen, d.h. etwa elf Prozent der Gesamtfläche. Des Weiteren versorgte der Gartenbetrieb die an Wegen gepflanzten Obstbäume und Beerensträucher. Obwohl der genossenschaftlich organisierte Gartenbetrieb keine großen Gewinne erwirtschaften konnte, in manchem Jahr sogar einen leichten Verlust verbuchen musste, so war doch dieser Betrieb besonders in der Anfangszeit Edens als Lehrstätte für die des Obstbaus unkundigen Neuankömmlinge unverzichtbar. In den Anfangsjahren, die, wie schon an anderer Stelle erläutert, durch viele äußeren und inneren Einflüsse erschwert waren, traten im genossenschaftlichen Gartenbetrieb erhebliche Probleme auf, da der eingestellte Gärtner den Erwartungen nicht entsprach. Nach seiner Entlassung übernahm G. Reichenbach die Leitung des Gartenbetriebes bis 1898 und Max Ziesche setzte diese Arbeit bis 1899 fort. Außerordentlich vorteilhaft wirkte sich in diesem Zusammenhang die Einstellung des auf der Gärtnerlehranstalt Dahlem ausgebildeten Garteninspektors Hempel aus, der im Jahre 1900 die Leitung der gärtnerischen Betriebsabteilung übernahm. Die Gewährung eines beim Landwirtschaftsministerium beantragten Staatszuschusses ermöglichte eine fünfjährige Mitarbeit in der Genossenschaft. Zu den Aufgaben des Gartenbauinspektors gehörte auch die Beratung der Siedler in Gartenfragen, die Abschätzung der Heimstättenpflanzungen gemeinsam mit Otto Willkommen und die Gestaltung gartenbaulicher Vorträge in den Veranstaltungen der Genossenschaft. In den damals erschienenen Zeitungen und Zeitschriften der Lebensreformer berichteten verschiedene Artikel über die Erfolge der Siedlung. Ein wichtiges Ereignis war auch die Beteiligung im Jahre 1901 an einer „Provinzial-Obstausstellung”, die in Potsdam stattfand. Die Auszeichnung mit zahlreichen Medaillen für die Edener Apfelsorten bewies nicht nur den Edenern, dass die obstbaulichen Erfolge nach den schweren Anfangsjahren durchaus beachtlich waren. Der Gartenbetrieb diente in den Jahren nach der Gründung nicht in erster Linie der Produktion von Obst- und Gemüse, sondern hatte vielmehr die Funktion, die Siedler im Obstbau zu unterweisen, als Ein- und Verkaufsbetrieb die Sammelbestellungen für Düngemittel, Saatgut, Pflanzgut und Gartengeräte durchzuführen und die auf den Heimstätten über den eigenen Bedarf produzierten Früchte auf dem Markt abzusetzen.
Der ökologische Gartenbau 1905 - 1939 Nachdem die schwierigen Anfangsjahre überwunden waren, entwickelte sich die Obstbausiedlung Eden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kontinuierlich weiter. Im Verlaufe der Zeit vergrößerte sich durch den Ankauf angrenzender Grundstücke das Siedlungsgelände auf fast 440 Morgen. Der Bodenerwerb im Überblick:
1893: 147,4 Morgen 1905: 35,5 Morgen 1907: 25,8 Morgen 1919: 228,8 Morgen
Der ökologische Gartenbau in Eden war eng mit der Lebenshaltung vieler Edener Siedler verbunden. Obwohl die Obstbausiedlung nach 1901 auch Nichtvegetariern offen stand, galt Eden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als ein Zentrum des Vegetarismus und der Lebensreformbewegung in Deutschland. Naturnah leben hieß für die meisten Bewohner Edens auch, sich gesund zu ernähren, was wiederum einen naturgemäßen Gartenbau bedingte. Es kam den Lebensreformern unter den Siedlern nicht nur auf eine ausreichende Erntemenge an, sondern vor allem auf innere Qualitätsmerkmale der Produkte wie Geschmack, Inhaltsstoffe und Haltbarkeit, denn das angebaute Obst und Gemüse diente in jener Zeit vor allem der eigenen Ernährung. So wird z.B. im Artikel eines Edener Siedlers in der Zeitschrift „Neuform” im Jahr 1930 die Düngung mit Stallmist oder Jauche unter dem Aspekt der Ernährung bzw. Qualität der Erzeugnisse betrachtet. Dabei wird die Düngung mit Stallmist, ebenso wie mit Fäkalien nicht negiert, doch es wird darauf hingewiesen, dass diese Düngerarten vor der Anwendung kompostiert werden müssen. Der Siedler stellt in seinem Artikel außerdem fest, dass die Nachfrage nach Produkten steigt, die nicht mit frischem Stallmist, Jauche oder Fäkalien produziert worden sind. Als gesündesten Dünger für die Pflanze selbst und für den Menschen führt er den Kompost an. An dieser Stelle ist es nur möglich, auf die aktivsten „Pioniere des ökologischen Landbaus die in der Siedlung wirkten, einzugehen. Dr. Richard Bloeck, der von 1908 bis 1927 in Eden lebte, war eine der herausragendsten Persönlichkeiten für die Obstbausiedlung in jener Zeit und wirkte durch seine Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften für den „natürlichen Landbau”. Dabei vertrat er unter anderem die Auffassung, dass eine Düngung mit Tiermist, vor allem mit Mist von Nutztieren, für einen erfolgreichen Landbau nicht unbedingt notwendig sei. Dr. Bloeck beschäftigte sich außerdem mit verschiedenen Problemen der Bodenfruchtbarkeit. Zahlreiche Veröffentlichungen, vor allem in der von Ewald Koenemann herausgegebenen Zeitschrift „Bebauet die Erde” bringen seinen Standpunkt zum Ausdruck. So kommt Dr. Bloeck in einem 1927 in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel über die „Bodengare” zu der Erkenntnis, dass tiefes Wenden den Bodenorganismen schadet. Aus dieser Überzeugung heraus propagiert er den Einsatz von Lockerungsgeräten anstatt der Anwendung des wendenden Pfluges. An gleicher Stelle wird durch Richard Bloeck das heute als Mulchen bekannte Verfahren erläutert. Eine Persönlichkeit, die bisher noch nicht genannt wurde, darf im Zusammenhang mit dem ökologischen Garten- und Landbau in Eden nicht vergessen werden - Gustav Simons (1861-1914). Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Siedlung, „da er dort seine Forderungen nach einer umfassenden Lebensreform am ehesten verwirklicht sah”. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Lebensreform und zum natürlichen Landbau deuten auf sein aktives Wirken für eine naturgemäße Lebensweise hin. In seinem Werk Bodendüngung - Pflanzenwachstum - Menschengesundheit, das im Jahre 1911 erschien, geht er auf die Anwendung von Chilesalpeter in der Obstbausiedlung Eden ein: „Es freut mich, feststellen zu können, dass in der Obstbaukolonie Eden seit Jahren schon kein Chilesalpeter mehr Verwendung findet”.
Die privaten Gärtnereibetriebe in Eden Nachdem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Anfangsjahren überwunden waren, entstanden zahlreiche private Gärtnereien in Eden von denen an dieser Stelle nur die bedeutendsten genannt werden. In der folgenden Übersicht sind die Gärtnereien aufgeführt:
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Gärtnerei
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Gründungsjahr
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Größe der zu bearbeitenden Fläche |
angebaute Kulturen
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Emil Merschank
Abdon Poepke
Otto Henze
Willy Merschank
Otto Seifert
Tage Duun-Christensen
Rudolf Kubelka
Paul Neumann
Maditschke
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1906
1919
1919
1926
1919
1925
20er-Jahre
20er-Jahre
20er-Jahre
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4800 m²
0,7 bis 1,7 ha
1,14 ha
bis zu 2,2 ha
1,1 bis 2,7 ha
bis zu 2,5 ha
0,7 ha
0,7 bis 1 ha
bis zu 1 ha
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Obst, Gemüse, Rosen
vorrangig Gemüse, Zierpflanzen und Obst
Gemüse, Zierpflanzen, Beerenobst (Erdbeeren, Johannisbeeren)
hauptsächlich Gemüse, Tulpen für den Schnitt, Spargel, wenig Obst
vorrangig Gemüse, Freilandblumen, Erdbeeren
vorrangig Gemüse, Freilandblumen, Erdbeeren
Steinobst, Kernobst, Beerenobst
vorrangig Obstbau; Unterkultur: Gemüse, Erdbeeren
vorrangig Gemüsebau und Erdbeeren, Zierpflanzen
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Die in der Tabelle genannten Gärtnereibetriebe bearbeiteten zusammen eine Fläche von etwa 13,4 ha. Das entspricht einer Größe von 47 Heimstätten à 2.800 qm bzw. 11,2% der Gesamtfläche (120 ha) Edens.
Zusammenfassung: Die in Eden wohnenden Erwerbsgärtner waren mit den Ideen der Lebensreformbewegung vertraut. Einige Gärtner waren zudem Anhänger der vegetarischen Bewegung. Sich naturgemäß ernähren bedeutete für diese Siedler auch naturgemäß gärtnern. Neben der weltanschaulichen Haftung der Edener Siedler in jener Zeit spielte auch die wirtschaftliche Situation in Deutschland eine entscheidende Rolle für den sparsamen Umgang mit vorhandenen Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln. Die Familien der Edener Gärtner versorgten sich selbst mit Obst und Gemüse. Vorsicht im Umgang mit neuen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die zum Verkauf angeboten wurden, war somit Selbstschutz. Edener Gärtner nutzten die Veröffentlichungen zum naturnahen Gartenbau. Das kommt in einigen Artikeln Edener Siedler zum Ausdruck, die in der Zeitschrift: „Bebauet die Erde” damals erschienen. Des weiteren konnten im Archiv der Eden-Genossenschaft zahlreiche Veröffentlichungen, Bücher und Zeitschriften zum naturgemäßen Gartenbau gefunden werden, womit deutlich wird, dass es in Eden einen großen Bedarf an Literatur dieser Art gab. Mit Ausnahme des aus Dänemark stammenden Tage Duun-Christensen hatten alle Erwerbsgärtner eine gartenbauliche Ausbildung. Gärtner wie Abdon Poepke und Otto Seifert besaßen eine Qualifikation als Gärtnermeister und somit auch die Möglichkeit, Lehrlinge in ihren Betrieben auszubilden. Ein weiterer Fakt spricht für den naturnahen Gartenbau in Eden jener Zeit: 1937 zählte man in Eden 43 Bienenvölker. Bienengefährliche Mittel konnten somit in der Siedlung nicht zur Anwendung kommen.
Der genossenschaftliche Gartenbaubetrieb Im Verlaufe der Entwicklung der Obstbausiedlung entstanden verschiedene genossenschaftliche Betriebsbereiche, die ca. einhundert Genossenschaftsmitgliedern eine Arbeitsmöglichkeit boten. Folgende Abteilungen gehörten bis Ende der Dreißigerjahre zum Geschäftsbereich der Genossenschaft:
die Abteilung Haupt- und Geschäftsführung die Abteilung Gartenbetrieb die Abteilung Obstverwertung die Waren-Abteilung die Edener Siedlungsbank G.m.b.H.
Die Abteilung Gartenbetrieb wurde ab 1905 von Otto Willkommen geleitet, nachdem das fünfjährige Arbeitsverhältnis des Garteninspektors Hempel beendet war. Seine Kenntnisse im Gartenbau hatte sich Willkommen durch jahrelange Mithilfe im genossenschaftlichen Gartenbetrieb sowie durch theoretische und praktische Unterrichtung seiner Vorgänger angeeignet. Der Gartenbetrieb war für die Pflege der genossenschaftlichen Kulturen, d.h. für die Bewirtschaftung des Keils, der alten Baumschule (Ecke Mittelweg/Südweg), der neuen Baumschule (Ecke Mittelweg/Petscheltweg) sowie einiger noch nicht verpachteter Heimstätten verantwortlich. Hinzu kam der Verkauf von Frischobst, der Anbau und Verkauf von Obstbäumen, Beeren- und Ziersträuchern, Stauden, Erdbeerpflanzen. Gewürz- und Heilpflanzen sowie der Verkauf von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Torf, Samen und Gartengeräten. Da die Bestellungen in größeren Mengen beim Großhandel erfolgten, konnten diese Waren an die Edener Siedler günstig verkauft werden. Des Weiteren förderte der genossenschaftliche Gartenbetrieb den Anbau von Obst und Gemüse auf den Heimstätten durch die Organisation des Absatzes der Erzeugnisse und durch die Fachberatung der Gärtner und Siedler. Auch für die Gartengestaltung und verschiedene Gartenarbeiten stand der genossenschaftliche Betrieb den Siedlern und auswärtigen Interessenten zur Verfügung. Von der Bewirtschaftung der Heimstätten nicht in der Siedlung wohnender Genossenschaftsmitglieder durch die Genossenschaft rückte man schon nach kurzer Zeit wieder ab, da sich diese Bewirtschaftungsform auf Grund der oft weit auseinander liegenden Heimstätten als unrentabel erwies. Im Vordergrund der gartenbaulichen Produktion stand der Anbau und Vertrieb bewährter Obstbäume und Sträucher. So bildete die Baumschule das Kernstück der Abteilung Gartenbetrieb.
In den ersten Jahren nach der Siedlungsgründung spielte der Erdbeeranbau als Unterkultur eine herausragende Rolle, da die jungen Gehölze noch nicht in Ertrag gekommen waren. Den Berichten der GartenbauAbteilung zufolge war das Wachstum der Kulturen zufriedenstellend. Die Erzeugnisse der Baumschule wurden an Edener Siedler bzw. an auswärtige Käufer abgesetzt. An dieser Stelle soll auf die Sortenproblematik im Obstbau eingegangen werden, der auch in der Obstbausiedlung Eden sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. So erarbeitete der Wirtschaftsausschuss der Siedlung 1932/33 eine „besondere Edener Obstsortenliste”. In diese Liste wurden Sorten aufgenommen, die zum Teil gute bis sehr gute Lagerfähigkeit aufwiesen. Weiterhin waren durch die langjährigen Erfahrungen Sorten ausgewählt worden, die sich durch ihre Qualitätsmerkmale für einen Anbau in Eden eigneten. „Unser Bestreben ging deshalb seit Jahren dahin, die wenigen Sorten ausfindig zu machen, die in unserer örtlichen Lage durch guten Ertrag, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Witterungsunbill sich auszeichnen.” Hier sollen nur die Apfel- und Birnensorten aufgeführt werden, die in der ausgearbeiteten Sortenliste Erwähnung fanden, da diese Obstarten den Anbauschwerpunkt bildeten:
Weißer Klarapfel, Antonowka, James Grieve, Grahams Jubiläumsapfel, Cox Pomona, Goldparmäne, Wyken Renette, Schöner von Boskoop, Ontario, Apfel aus Lunow.
Bunte Julibirne, Dr. Jules Gunot, Clapps Liebling, Doppelte Phillipsbirne, Esperens Herrenbirne, Gellerts Butterbirne, Köstliche von Charneu, Neue Poiteau, Gräfin von Paris, Kamper Venus.
Vergleicht man diese empfehlende Sortenliste von 1933 mit den im Jahre 1918 angegebenen Sorten, stellt man fest, dass von fünfzehn Apfelsorten, die in der Festschrift „25 Jahre Eden” Erwähnung finden, 1933 nur noch fünf Sorten in die empfehlende Sortenliste aufgenommen worden sind; von sechzehn Birnensorten aus dem Jahre 1918 wurden noch acht Sorten in die neu erarbeitete Sortenliste übernommen.
Der ökologische Gartenbau 1939 – 1945
Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 entfesselte das faschistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Jeglicher Aufwärtstrend innerhalb der deutschen Agrarproduktion fand damit ein jähes Ende. Durch die einseitige Orientierung der gesamten Wirtschaft auf die Erzeugung von Kriegsmaterial wurden vor allem der Landwirtschaft schwerste materielle Schäden zugefügt. Der Rückgang der Erträge war vor allem auf folgende Ursachen zurückzuführen: Etwa 40 Prozent der männlichen Arbeitskräfte waren zur Wehrmacht eingezogen. Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter stellten dafür nur einen unzureichenden Ersatz. Die Landmaschinenindustrie schränkte die Erzeugung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten erheblich ein. Ersatzteile gab es nicht mehr und für den Einsatz der wenigen Traktoren fehlte oftmals der Treibstoff. Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 1938/39 sank bis 1943/44 die Belieferung der Pflanzenproduktion mit Stickstoffdüngemitteln auf 42 Prozent und mit Kali auf etwa 70 Prozent. Von Mitte 1944 an fiel die Stickstoffproduktion weiter rapide ab und sank in den letzten Kriegsmonaten auf den Nullpunkt. Während die Wehrmacht und die übrigen Abnehmer, z.B. die chemische Großindustrie, ihren Verbrauch noch lange zu einem verhältnismäßig großen Teil aufrechterhalten konnten, wurde die Landwirtschaft am schwersten betroffen. Hieraus resultierte eine geringere Bodenfruchtbarkeit, die sich hauptsächlich erst in den Nachkriegsjahren auszuwirken begann. Neben der unzureichenden Versorgung der Anbauflächen mit anorganischen und organischen Düngern wurde die Bearbeitung der Böden durch das Fehlen landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte erschwert. Seit 1943 erzeugte die Industrie an landwirtschaftlichen Ausrüstungen nur noch einen Bruchteil der Friedensproduktion. Ein großer Mangel herrschte auch an einfachen Handarbeitsgeräten, namentlich an Sensen, Spaten, Gabeln, Hacken. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren für die gesamte Volkswirtschaft Deutschlands verheerend. Doch die schwersten Schäden erlitt vor allem die Agrarproduktion auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Beim Rückzug der deutschen Armee wurden umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen verwüstet und zahlreiche Dörfer in den östlichen Teilen Mecklenburgs und Brandenburgs zerstört.
Otto Seifert und Otto Henze In der Baumschule
In den Nachkriegsjahren wurde in Eden so intensiv wie noch nie Gartenbau betrieben. Aber auch jedes Eckchen Land wurde zum Anbau von Kartoffeln und Kohl genutzt. In den folgenden Jahren kam auch hier und da Tabak hinzu, welcher zum Tauschen gebraucht wurde. Das Gras der Wegränder wurde von der Genossenschaft an Kleintierhalter zur Nutzung vergeben, denn fast jeder hatte in dieser Zeit Kaninchen. Um sie zu ernähren, wurde jeder Gemüse- und Obstabfall verwertet, und natürlich auch das Gras. Ein Teil davon wurde zu Heu gemacht und für den Winter gesammelt. Eden als Gartenbausiedlung war in bestem Zustand. Diese Aussage von Eduard Krüger in den Edener Mitteilungen kennzeichnet die schwierige Versorgungslage, die vor allem nach Beendigung des Krieges entstanden war. Konnte während des Zweiten Weltkrieges noch eine ausreichende Belieferung der Edener Bevölkerung mit lebensnotwendigen Produkten erfolgen, so war man in den Nachkriegsjahren auf die Erträge der eigenen Heimstätten in starkem Maße angewiesen. Die Versorgung mit Saatgut und Düngemitteln durch die Genossenschaft konnte in den Kriegsjahren nur in unzureichendem Maße gewährleistet werden und wurde mit Beendigung des Krieges ganz eingestellt. Die Heimstättenbewohner waren somit gezwungen, äußerst sparsam mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umzugehen. Der Selbstversorgeranbau musste in dieser Notzeit zwangsläufig naturgemäß gehandhabt werden. Komplizierter als der Heimstättenanbau gestaltete sich die Bewirtschaftung der genossenschaftlichen Anbauflächen für Obst und Gemüse. Die im Edener Gartenbetrieb beschäftigten männlichen Arbeitskräfte wurden während des Krieges eingezogen. Mit dem Weggang des letzten Gärtners im Jahre 1942 beschloss die Edener Verwaltung, den genossenschaftlichen Gartenbetrieb aufzugeben und die betreffenden Anbauflächen an die privaten Gärtnereien zu verpachten. Die Restbestände der vorrätigen Dünger wurden ebenfalls unter den Erwerbsgärtnern aufgeteilt. Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass der Gartenbau in Eden während des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren außerordentlich intensiv betrieben wurde. Dabei galt es, mit einem Minimum an mineralischen Ergänzungsdüngern auszukommen. Organische Düngemittel wie Stalldünger oder Torfmull waren für die meisten Bewohner unerschwinglich. So verwendete man Komposterde, Fäkalien und Gründüngungspflanzen, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. Über die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln im betrachteten Zeitraum liegen keine Aufzeichnungen vor. Es wird daher vermutet, dass auf Grund der katastrophalen Versorgungslage in Deutschland evtl. vorhandene Restbestände aus Friedenszeiten sehr sparsam verwendet wurden.
Edener Gartenbau in der DDR
Die privaten Gärtnereien Mit der Gründung der DDR entstand auch für die privaten Gärtnereien eine völlig neue Situation auf dem planwirtschaftlich geregelten Absatzmarkt. Wer trotz hoher staatlicher Besteuerung Gewinne erzielen wollte, musste sich auf wenige, lohnenswerte Kulturen festlegen. Hatten die Gärtner in Eden in der Zeit der Weimarer Republik und während der Zeit des Faschismus eine Vielzahl von Gemüse- und Zierpflanzenarten angebaut, trat durch die veränderte Preispolitik in der DDR eine zunehmende Spezialisierung der Gartenbaubetriebe ein. Diese Spezialisierung auf wenige Kulturarten und -sorten vollzog sich allmählich, wobei die ältere Generation der Erwerbsgärtner die Anbauflächen weiterhin nach althergebrachten Methoden und Erfahrungen bewirtschaftete. Eine starke Umorientierung und damit Strukturveränderung der Privatbetriebe wurde erst Mitte der Sechzigerjahre in Angriff genommen. Von den Gartenbaubetrieben in Eden, die bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges aufgebaut worden waren, konnten die Gärtnereien von Abdon Poepke, Tage Duun-Christensen und Willy Merschank auch nach 1949 weitergeführt werden. Fritz Leymann, der im Jahre 1935 nach Eden gekommen war, baute nach dem Krieg einen eigenen Gartenbaubetrieb auf seiner Heimstätte 142 auf, den er bis 1980 leitete und dann an seinen Sohn Peter Leymann weitergab. Die Gartenbaubetriebe von Poepke, Duun-Christensen und Merschank konnten nach deren Tod nicht übernommen werden. Parallel zum Gartenbaubetrieb Willy Merschank führte Sohn Eckehard von 1959 bis 1987 eine eigene Gärtnerei auf dem Siedlungsgelände.
Bodenbearbeitung Die schonende Bodenbearbeitung und Pflege war in allen Edener Gärtnereien die Norm. Schweres Gerät konnte in Eden auf Grund der Heimstättengrößen nicht eingesetzt werden.
Pflanzenschutz Unkrautbekämpfung erfolgte in den Kulturen mit verschiedenen Handarbeitsgeräten wie Handhacke bzw. Radhacke. Herbizide, die selektiv auf den Kulturflächen eingesetzt werden können, standen den wenigsten Edenern zur Verfügung, da solche Mittel in der DDR nur „unter der Hand” zu bekommen waren. Herbizide kamen auf den Wegen in Form von „Wegerein” zur Anwendung, wobei die Einsatzmenge und -häufigkeit nicht bekannt sind. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln wurde in allen Gärtnereien mit Beginn der Sechzigerjahre mehr oder weniger praktiziert. Die Gärtnerei Merschank nutzte gemeinsam mit F. Leymann eine Dämpfanlage für die Aussaaterden. In den Stiefmütterchenkulturen der Leymann‘schen Gärtnerei kamen zusätzlich Fungizide zur Anwendung. Die Verwendung von Fungiziden im Saatbeet, Fungizidbrühen zum Tauchen von Tulpenzwiebeln oder Einsatz von Insektiziden wurde bedenkenlos praktiziert, da eine Verwendung dieser Mittel auf dem Siedlungsgelände keine negativen Konsequenzen nach sich zog.
Dämpfanlage für Aussaaterden
Fruchtfolge Die Spezialisierung auf wenige Kulturen brachte auch enger gestellte Fruchtfolgen mit sich. Die mögliche Einflussnahme durch den wechselnden Anbau von gärtnerischen Kulturen auf das evtl. Auftreten von Schaderregern wurde somit wesentlich eingeschränkt.
Düngung Die Düngung orientierte sich nicht am naturgemäßen Gartenbau. Schnell wirksame „Vollwertdünger” und die breite Palette leicht löslicher Stickstoffdüngemittel wurden ebenso ausgebracht wie die im ökologischen Gartenbau bevorzugt eingesetzten wirtschaftseigenen organischen Düngemittel. Die Nutzung von Komposterde war in den Edener Betrieben selbstverständlich, ebenso die Bodenverbesserung durch Stallmist. Teilweise wurden mit Beginn der Achtzigerjahre auch fertige Substrate angewandt, um die mühevollere Zubereitung eigener Komposterde zu umgehen.
Abschließend kann festgestellt werden, dass die Erwerbsgärtner, welche unter den gegebenen Verhältnissen Gewinn bringend wirtschaften wollten, einen sehr intensiven Anbau betreiben mussten. Da Produkte aus biologischem Gartenbau in der DDR nicht besser bezahlt wurden, die naturnahe Ernährung und Lebensweise in der DDR kaum eine Rolle spielte und die Auswirkungen der verschiedenen Pflanzenschutz- und Düngemittel auf die Umwelt noch nicht in vollem Ausmaß erkannt worden waren, ist zu vermuten, dass auch die privaten Gärtnereibetriebe in Eden von den zur Verfügung stehenden chemischen Pflanzenschutzmitteln und Volldüngern Gebrauch machten.
Die gartenbauliche Nutzung der Heimstätten In den ersten Jahren nach der Gründung der DDR wurde die intensive gartenbauliche Nutzung der Heimstätten fortgesetzt. Die Ursachen hierfür sind auf die schlechte Versorgungslage, die durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges entstand, zurückzuführen. Außerdem gab es bis zum Ende der Fünfzigerjahre für die meisten Heimstättenbewohner ein Abgabesoll für Obst, Gemüse, z.T. auch für Eier und Fleisch. Dabei legten die Verantwortlichen staatlichen Organe die abzuliefernden Kulturen fest, ebenso die Menge, die pro Jahr erbracht werden musste. Mit der Verbesserung der ökonomischen Situation in der DDR trat auch die Selbstversorgung durch den intensiven Heimstättenanbau immer mehr in den Hintergrund. Edener Siedler, die wenig Vorstellungen und Bindungen zu den Edener Zielen hatten, oder Siedler, die durch ihre Berufstätigkeit kaum in der Lage waren, ihre Anbauflächen gründlich zu bewirtschaften, verwandelten ihre großen Gärten von Nutz- in Ziergärten. Dadurch veränderte sich das äußere Erscheinungsbild der Obstbausiedlung. Dennoch blieben viele Heimstättenbewohner beim verstärkten Anbau von Gemüse und Obst, um sich teilweise selbst zu versorgen oder um über den Eigenbedarf hinaus zu produzieren, da das Angebot an frischem Obst und Gemüse auf dem Markt ständig unzureichend war und sich dadurch die Vermarktung der eigenen Erzeugnisse lohnte. In Gesprächen mit Edener Siedlern kam zum Ausdruck, dass ökologischer Gartenbau nur in wenigen Fällen konsequent durchgeführt wurde. Zwar verwendete man in jedem Garten Komposterde und Gründüngung, teilweise auch Stalldung, doch gleichzeitig verzichtete man nicht auf synthetisch hergestellte Stickstoffdüngemittel, Volldünger oder schnell wirkende Superphosphate. Synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel kamen ebenfalls zur Anwendung. Leider fehlen hierzu genauere Angaben. Die befragten Personen konnten sich weder an die Häufigkeit der Anwendungen, noch an die Bezeichnungen der ausgebrachten Wirkstoffe erinnern. Fest steht, dass fast jeder Heimstättenbewohner eine „Rückenspritze” hatte, oder die Möglichkeit bestand, sich diese Geräte von der Genossenschaft auszuborgen. Allgemein ist festzustellen, dass die Handhabung der Düngemittel und Pflanzenschutzmittel individuell nach eigenem Ermessen erfolgte. Kontrollen durch die Edener Verwaltung bzw. durch staatliche Organe gab es nicht. Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Gartenbauartikel konnten bei der genossenschaftlichen Warenabteilung erworben werden, Mitte der Achtzigerjahre übernahm die BHG die Belieferung der Siedler. Viele Edener Siedler waren jedoch nicht auf das unzureichende Angebot der Warenabteilung der Genossenschaft angewiesen. Dünge-, Pflanzenschutzmittel und Herbizide waren in der DDR Mangelware, sodass die Edener bemüht waren, andere Bezugsquellen für diese Produkte zu finden. Die Verwaltung der Siedlung bestellte Ende der Sechziger, Anfang der Siebzigerjahre die verschiedenen Pflanzenschutzmittel bei der GHG Neuruppin, Abteilung Haushaltschemie bzw. bei der GHG Haushaltschemie Borgsdorf. Von staatlicher Seite informierte das Pflanzenschutzamt die Edener Verwaltung über Flughöhepunkte von Schädlingen im Apfelanbau, z.B. des Apfelwicklers. So hieß es in einer Mitteilung vom 14. Juli 1965: „Ein erneuter Flughöhepunkt des Apfelwicklers sowie neue Eiablagen erfordern weitere Bekämpfung ab sofort durch Spritzung mit E-Mitteln (Wofatox P.) bzw. System-Mittel (Bi 58 oder Tinox) auch gegen Raupen”. Weitere Hinweise des Pflanzenschutz-Warndienstes Potsdam wurden zur Braunfäule der Tomaten, Blattfleckenkrankheiten an Gurken und zu Kohlweißling und Kohleule am 27.7.1965 gegeben. Orientierten sich viele Heimstättenbewohner noch bis Anfang der Sechzigerjahre an naturnahe Anbaumethoden, setzte jedoch später eine Abkehr vom traditionellen Gartenbau ein. Nur wenige, den Erfahrungen und Anschauungen ihrer Eltern verbundene Siedler, blieben ihrer naturnahen Lebensweise und damit auch dem biologischen Gartenbau treu. Eine Nichtanwendung synthetischer Dünge- bzw. Pflanzenschutzmittel einiger Siedler kann auf folgende Ursachen zurückgeführt werden: In erster Linie auf eine sparsame Lebensweise älterer Siedler. Außerdem ergab die Befragung Edener Siedler, dass zur Zeit der DDR viele Edener eigene Bienenvölker hatten. Die Imkereitätigkeit war ein lohnender Nebenerwerb. Es ist zu vermuten, dass das Vorhandensein der Bienenvölker die Anwendung bienenungefährlicher Pflanzenschutzmittel begünstigte Ein weiterer Grund für den Verzicht auf im naturnahen Gartenbau nicht vertretbare Substanzen ist auch in den Versorgungsengpässen zu suchen. Nicht jeder Heimstättenbewohner hatte die nötigen Beziehungen, sich immer ausreichend mit Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln zu versorgen. Ein bewusst naturnaher Gartenbau wurde nur von wenigen Edener Siedlern praktiziert. Genannt werden sollten an dieser Stelle die Geschwister Seifert, die auf ihrer Heimstätte am Südweg 6 schon vor der „Wende” einen naturgemäßen Gartenbau betrieben haben sowie der Imker Erich Hollmann, der auch durch praktische Tätigkeit mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise vertraut war.
Edener Privatgarten
Der ökologische Gartenbau nach der Wende
Mit der „Wende” 1989 und der damit auch verbundenen Öffnung des Marktes für gartenbauliche Produkte trat ein entscheidender Wandel in der Nutzung Edener Gärten ein. Plötzlich war es nicht mehr notwendig, Obst und Gemüse zur Selbstversorgung anzubauen. Die Produktion über den eigenen Bedarf hinaus lohnte nicht mehr, da man mit den Billigangeboten der Großanbieter nicht konkurrieren konnte. So schränkten viele Edener Siedler, die nicht unbedingt auf den Gartenbau angewiesen waren, ihren Selbstversorgeranbau erheblich ein und verwandelten ihre Gärten von Nutz- in Ziergärten. Mittlerweile ist dieser Trend wieder rückläufig. Viele Edener machten die Erfahrung, dass das eigene Obst und Gemüse im Garten einen besseren Geschmack hat und auch haltbarer ist als die äußerlich qualitativ besseren Produkte auf dem Markt. Hinzu kommt, dass durch die veränderte Situation auf dem Arbeitsmarkt zahlreiche Siedler arbeitslos wurden bzw. in den Vorruhestand gingen. Dadurch hatten diese Edener wieder mehr Zeit, um sich dem Anbau von Obst und Gemüse zu widmen. Die Verbesserung der finanziellen Situation einer Familie spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Doch auch der Gedanke, seine zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu nutzen und die innere Befriedigung, die mit der eigenen Produktion gärtnerischer Kulturen verbunden ist, geht mit der Beschäftigung im eigenen Garten einher. Besucht man heute die Siedlung, stellt man erfreut fest, dass die meisten Gärten bestellt sind. Fast alle Heimstätten sind nicht ausschließlich mit Zierpflanzen bestanden. Die angelegten Gemüsebeete nehmen auf den Heimstätten eine sehr variable Größe ein, doch dazu sei bemerkt, dass der Gemüseanbau in kaum einem Garten fehlt. Neben dem vorhandenen Altbestand an Obstbäumen, werden wieder verstärkt neue Obstgehölze gepflanzt.
Im Jahre 1993 feierte die Obstbausiedlung Eden ihr 100jähriges Gründungsjubiläum, für viele interessierte Edener ein Anlass, sich näher mit der Edener Vergangenheit und Zukunft auseinander zu setzen. Im Rahmen der 100-Jahr-Feier führten die Eden-Genossenschaft und die EDEN-Stiftung die „EDEN-Werkstatt” durch, auf der gemeinsam mit den Edener Siedlern über das Zukunftsprojekt „Ökologische Siedlung Eden” beraten wurde. Unter anderem konnten folgende Richtlinien zum Gartenbau erarbeitet werden: „Im gesamten Siedlungsgebiet ist der Einsatz von Herbiziden, synthetischen Pflanzenschutzmitteln, synthetischem anorganischem Dünger, Torf und Auftaumitteln (Streusalz) ausgeschlossen. Jeder Siedler ist verpflichtet, einen Kompostplatz auf seiner Heimstätte einzurichten und zu erhalten”. Somit formulierten die Teilnehmer der Werkstatt erstmals nach der Wende ihr Ziel für den Gartenbau, nämlich ökologischen Gartenbau zu betreiben. Der Charakter einer Gartenbausiedlung soll erhalten und verstärkt werden, dies geht ebenfalls aus dieser Schrift hervor. Doch nicht erst mit der „Werkstatt Eden” wurde versucht, dem ökologischen Gartenbau in Eden nach dem Zusammenbruch der DDR mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Schon mit den neu erschienenen Edener Mitteilungen, die seit 1992 wieder regelmäßig herausgegeben werden, konnten auch Themen des ökologischen Gartenbaus einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Des Weiteren trugen auch neu hinzugezogene Siedler ihre Ideen nach Eden; und Edener Siedler, die bereits vor der Wende ökologisch gewirtschaftet hatten, fühlten sich in ihren Ansichten bestärkt.
Grit Marx arbeitet als Dipl. Ing. Gartenbau in der Berliner Gärtnerhof GmbH als Leiterin des Bereichs Gartenpflege. Ihre Diplomarbeit im Studiengang Gartenbauwissenschaften, die Sie hier auszugsweise lesen konnten, legte Sie 1998 an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin vor.
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