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Nachruf Fritz Hampke

« 23. Juli 1885   U 20. Oktober 1950

 

Es war in den Jahren 1920/21. Eden hatte die Folgen des Ersten Weltkrieges zu überwinden, hatte 60 Morgen neues Siedlungsland erworben, um dem Landhunger der Gesinnungsfreunde genügen zu helfen. Es hatte sich an der mit Professor Oppenheimer gegründeten Gemeinnützigen Siedlungs-Treuhandgesellschaft zur Förderung bäuerlicher Siedlung auf Bodenreform-Grundlage stark beteiligt, es mußte die unter dem Krieg gelittene Edener Siedlungsbank neu aufbauen und nicht zuletzt den Edener Obstverwertungsbetrieb wieder auf die Höhe bringen. Zu all diesen Aufgaben war es wünschenswert, eine tüchtige Kraft zu meiner Entlastung zu finden, zumal damals meine Gesundheit wankend wurde. Im Auftrage des Aufsichtsrates hielt ich also Umschau nach einem Mitarbeiter oder Nachfolger. Eines Tages kam als Siedlungsanwärter Fritz Hampke, und wie stets mit Edener Bewerbern hatte ich mit ihm längere Rücksprache. Hampke kam aus dem Kreise um Wilhelm Schwaner, war genossenschaftlich gesonnen, sowie Lebens- und Bodenreformer. Den ersten Weltkrieg hatte er als Sanitäter und Verwaltungsbeamter ehrenvoll bestanden. Er war Warenkaufmann und nachdem in die Hypothekenbankverwaltung übergewechselt. An diesen ersten Besuch knüpften sich wiederholte Besuche. Wir kamen uns sehr nahe.

Er wurde Eden-Genosse und erklärte seine Bereitwilligkeit, in die Edener Verwaltung einzutreten und zwar, was damals ausschlaggebend war, unter den bescheidenen Ansprüchen, die damals die Genossenschaft nur erfüllen konnte. Am 1. Januar 1922 übersiedelte Hampke mit seiner Familie nach Eden und trat in der Verwaltungsarbeit an meine Seite. Bis zum April, der Jahresversammlung der Genossenschaft, hatte es sich klar gezeigt, daß Hampke die geeignete Kraft für uns war. Da mich die kaufmännische und siedlerische Arbeit im Vorstand der Treuhandgesellschaft stark beanspruchte, legte ich die Geschäftsführung von Eden mit Zustimmung des Aufsichtsrates in Hampke's Hände, der von der Generalversammlung einstimmig bestätigt wurde. Auf meinen Wunsch trat Hampke neben mich als bis dahin alleinigem Geschäftsführer mit in den Vorstand der Edener Siedlungsbank, denn er war als Hypothekenbankbeamter der gegebene Mann für deren Neuaufbau. In den Vorstand des Vereins „Freiland", der Edener Werbe-Organisation für den Freilandgedanken nach außen, wurde Hampke ebenfalls berufen, sowie in den Aufsichtsrat der Treuhandgesellschaft. Seine Tätigkeit an jeder dieser Stellen war nutzbringend. Besonders erfolgreich war sein organisatorisches Talent und seine musterhafte ruhige Verhandlungsart in der von ihm im wesentlichen geschaffenen Neuform-Organisation der deutschen Reformhäuser. Immer stand ihm an erster Stelle das Lebensinteresse „seiner" Edengenossenschaft. Zu erwähnen ist hier, daß Hampke überzeugtes Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine war und von dieser als Finanzberater herangezogen war. Unter Hampke's Leitung nahm Eden denn auch gute Entwicklung, und er zeigte sich auch in der Zeit der Krise und Arbeitslosigkeit als umsichtiger und sozial denkender Genossenschafter.

Es kam nun 1933 der Anbruch des Dritten Reiches und blieb für Eden nicht ohne Einfluß. Die Genossenschaften mußten zumeist in der Arbeitsfront aufgehen, und unsere Eden-Genossenschaft sah sich vor einschneidende Entscheidungen gestellt. In öfteren Beratungen mit Hampke äußerte er mir gegenüber immer, daß er als Herrnhuter nur unter gewisser Aufgabe seiner Grundgesinnung Parteimitglied werden könne. Er entschloß sich aber, im Interesse Edens das Opfer zu bringen und wurde Pg. Seine Tätigkeit blieb nach wie vor ins Genossenschaftliche gerichtet ohne sonstige Aktivität für die Partei. Dann kam der 2. Weltkrieg und mit ihm neue Erschütterungen für die Genossenschaft. Der schlagartige Wegfall des erfolgreichen Umsatzes der Eden-Butter zwang zu grundlegenden Umstellungen der Eden-Arbeit, die sich nun hauptsächlich der Erhaltung des Edener Obstbaubetriebes zuwenden mußte. Auch hier zeigte sich Hampke als umsichtiger und erfolgreicher Leiter. Es kam 1945. In schweren Bombennächten der letzten Kriegszeit zeigte er seine ganze Treue für die Genossenschaft und für seine Aufgabe. Zu jeder Tages- und Nacht-Zeit stand er bereit als treuer Wächter über Edens Geschick. Der Zusammenbruch 1945 führte Hampke hart an den Rand des Todes, und es war wohl höhere Fügung, daß er vom Abgrund hinweggeführt und dem Leben erhalten wurde. Er sagte mir später schlicht und ruhig, er sähe es als höhere Mahnung an, für die Erfüllung seiner Pflichten bis ans Ende einzustehen. In diesem Sinne war seine weitere Tätigkeit gerichtet. Von seinem Posten als Edener Leiter mußte er weichen und war ungeachtet gesundheitlichen Mangels bei den Aufräumungsarbeiten auf den Trümmern des Krieges ein­gesetzt, bis seine Kraft versagte. Dann übernahm er Nachtwächtertätigkeit in Edener Garten-Betrieben. Die nach dem Zusammenbruch einige Jahre wechselvolle Edener Geschäftsführung brauchte Hampke's Übersicht und Fähigkeit, und er stellte sich sofort zur Verfügung. In dieser Zeit hat er still und für die Eden-Genossen kaum bemerkt die Eden-Belange wahrgenommen. Hampke's Rückkehr auf seine Edener verantwortlichen Posten war unter den Zeitverhältnissen nicht zu erreichen, und als im Jahre 1947 in verläßliche und mit Eden innerst verbundene Persönlichkeit an die Edener Spitze gerufen werden konnte, sah Hampke seine Verpflichtungen Eden gegenüber erfüllt und nahm einen Ruf seiner Herrnhuter Brüder an, an der holländischen Grenze ein groß aufgezogenes Siedlungsunternehmen für Neubauern aus der Brüdergemeine zu leiten. Mein ihm geäußertes Bedenken, ob er gesundheitlich solcher großen Arbeit noch gewachsen sei, ließ er nicht gelten und setzte nochmals seine ganze Kraft für die neue Aufgabe ein. Wiederholte Berichte an seine Edener Freunde bezeugten seine umsichtige und erfolgreiche Arbeit in den neuen Verhältnissen, die gewiß nicht leicht waren. Was ich befürchtet hatte, trat ein. Hampke's Gesundheit hielt diesem erneuten Ansturm nicht stand. Die Überarbeitung führte zu einem völligen Zusammenbruch, der nach kurzer, leidensreicher Zeit den Tod des treuen Kämpfers für eine bessere Zeit herbeiführte.

Die Sehnsucht Hampke's, in seiner Edener Heimstätte ruhige Tage des Alters zu erleben, blieb unerfüllt. Wir Edener schulden ihm dauernden Dank für sein aufrichtiges genossenschaftliches Wirken und können diesen Dank nur bezeugen darin, daß wir bemüht sind, seinem Beispiel zu folgen und, soviel an uns liegt, dafür zu sorgen, daß immer würdige und tüchtige Genossen als seine Nachfolger wirken.

 

Otto Jackisch

 

 

 

 

 

 

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