|
|
|
|
|
||||
|
|
||||
Eden-Kraftnahrung von Fritz Kiel als Fleischersatz-ProduktVon Judith Baumgartner
Die Initiative zur Herstellung von Pflanzenfleisch ging von dem Edener Fritz Kiel aus, der den Fleisch- und Wurstersatz als „besten Bundesgenossen im Kampfe gegen den Fleischgenuss” bezeichnete. Der Lebensreformer und Schriftsteller engagierte sich für die vegetarische Ernährung und trug mit Flugblättern, Broschüren und Beiträgen in lebensreformerischen Blättern zu ihrer Verbreitung bei. Seit 1908 war die Braten-Masse „Gesunde Kraft” im Handel und sowohl „für den Übergang wie zu dauerndem Genuss” gedacht. Das Präparat bestand aus Körnerfrüchten, Hülsenfrüchten und Gewürzkräutern und wurde durch Kochen mit Wasser zu einem Brei, der einer Hackbraten- oder Frikadellenmasse ähnlich war. Die genaue Zusammensetzung des Originalrezeptes ist bis heute nicht bekannt. Der Produktname „Gesunde Kraft” für ein vegetarisches Erzeugnis ist geschickt gewählt und vereinigt die Vorstellungen einer kräftigenden und gesunden Mahlzeit, die oftmals nur einer Fleischspeise zugedacht wurden. Drei Jahre nach Einführung der Braten-Masse begann die Produktion einer in Dosen verpackten fertig gekochten Bratenmasse und erleichterte damit nochmals die Zubereitung fleischähnlicher Speisen.
|
||||
|
|
||||
|
Neben dem rohen und fertigen Fleischersatz bot „Gesunde Kraft” Wurstersatz in drei Geschmacksrichtungen an. Das vegetarische Fleisch war billiger als die vergleichbare Fleischmenge - vor 1914 kostete die rohe Bratenmasse 20 Pfg./kg, die zubereitete 4O Pfg/kg. „Gesunde Kraft” wurde zu einem Zeitpunkt auf den Markt gebracht, als die Fleischpreise ihren Höhepunkt erreicht hatten und wurde auch als Produkt aufgenommen „um der herrschenden Fleischnot und Fleischverteuerung zu begegnen”. Die Produkte Kiels fanden auch außerhalb der Lebensreformer Verbreitung und Anerkennung und wurden wegen des „außerordentlich feinen und fleischähnlichen Geschmackes von Fleischessern wie Vegetariern erworben”. Neben den Produkten vertrieb Fritz Kiel Aufklärungsschriften und Broschüren zur vegetarischen Ernährung. Der Durchbruch gelang Kiel auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden, in der „Gesunde Kraft” in der Halle „Der Mensch - wissenschaftliche Abteilung für Nahrungsmittel” vertreten war.
|
||||
|
|
||||
|
Erwähnenswert ist auch eine Auszeichnung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft des Edener-Pflanzenfleisches im Jahre 1913: die positive Bewertung des Reformwarenproduktes seitens der lnteressensvertretung der Landwirtschaft ist vor allem durch die Fleischknappheit zu erklären. Die zeitgenössische lebensreformerische Presse berichtete: „In allen Führungen der Millionen Besucher der Ausstellung wurde auf F. Kiel‘s Fleisch-Ersatz hingewiesen”. Herstellung und Vertrieb geschahen im Betrieb “Gesunde Kraft” auf dem Siedlungsgelände. 1930 wurde der Pflanzenfleisch-Betrieb als Sonderabteilung der Genossenschaft unterstellt. Die Fleischersatzprodukte wurden seit 1930 nicht mehr unter dem Namen „Gesunde Kraft”, sondern als „Edener Pflanzenfleisch” geführt.
|
||||
|
|
||||
|
Bei der Warengruppe „Edener-Pflanzenfleisch” wurde zwischen vier Produkten unterschieden:
Letzteres Reformprodukt kam als „Fleisch des Waldes” kurz nach dem Übergang des Pflanzenfleisch-Betriebes in die genossenschaftliche Sonderabteilung auf den Markt. Der Brotaufstrich „Steinpilz-Pastete” sollte ein vollwertiges Nahrungsmittel darstellen, das im Sinne der Ernährungsreform auf Steinpilzen basierte, die als Waldfrüchte mit zu den natürlichsten Lebensmitteln der Menschheit gehörten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Eden die Produktlinie unter der Bezeichnung „Vegeta” wieder eingeführt.
Judith Baumgartner |
||||
|
|
||||
Eden
Gemeinnützige Obstbau-Siedlung eG
Struveweg 501 • 16515 Oranienburg
Tel.: (0 33 01) 52 32-6 • Fax: (0 33 01) 52 32-70
E-Mail: info@eden-eg.de