Der Mensch lebt nicht vom Brot alleinDas Edener Kulturleben von 1893 bis 1953Betrachtungen von Rolf Regener 1893 – 1913 Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die Entwicklung der Technik, durch die Industrialisierung und die daraus folgende Umwandlung der Struktur und der Lebensgewohnheiten eines großen Teils der Bevölkerung. Die Konzentration der Industriearbeiter in den Großstädten, die Entwurzelung von Scholle und Brauchtum, die unbeschränkte Ausbeutung durch die neuen Industrieherren, die zur Bildung des Proletariats führte, brachte viele Missstände mit sich, sodass in der Bevölkerung verschiedene Bewegungen entstanden, die sich die Beseitigung dieser Missstände zur Aufgabe machten. Die Größte dieser Erneuerungsbestrebungen war ohne Zweifel die Arbeiterbewegung, die eine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse forderte. Bei der Gründung Edens standen beide Auffassungen Pate: Auf sozialer Grundlage durch gemeinsamen Besitz an Grund und Boden und durch genossenschaftlichen Zusammenschluss in Arbeit und Produktion sollte durch die Selbsterziehung und die Selbstveredlung des Menschen ein schöneres Leben geschaffen werden. Daher gaben die Gründer ihrem Werk den Namen Eden. Hätten die Gründer ihrem Werk nicht eine so hervorragende soziale und ideale Grundlage gegeben, hätte Eden die Geburtswehen nicht überstanden. So aber fanden sich schnell Freunde, die bereit waren, auf dieser Grundlage mitzuarbeiten, und es fanden sich Pioniere, die ihre ganze Kraft, ihren Glauben und ihre Zuversicht für dieses Werk einsetzten. Für sie war Eden nicht nur eine vegetarische Obstbau-Siedlung, sondern ein in die Zukunft weisendes Werk, das Beispiel einer neuen Gemeinschaft, die Keimzelle einer gesunden und glücklichen Gesellschaft. In einer Druckschrift aus dem Jahre 1896, die über Eden Auskunft gibt, wird gesagt: Es versteht sich wohl von selbst, dass im Kreise sittlich strebender Menschen Musik, Gesang, Lektüre, geistreiche Unterhaltung usw. gepflegt werden. In einer engeren Gemeinsamkeit, wie sie uns vorschwebt, werden wir dieser edlen Geselligkeit unsere ganz besondere Aufmerksamkeit widmen müssen, und wir erwarten, dass jeder, der sich uns anschließt, von gleichem Streben erfüllt sein wird. Es wird bei uns selbstverständlich eine Verschiedenheit geistiger und körperlicher Anlagen und Bedürfnisse geben, jeder aber soll als gleichberechtigter Genosse anerkannt werden und sich selbst als solcher fühlen lernen. Es wäre aber zu viel verlangt, wollte man schon jetzt die volle Verwirklichung dieses Ideals auf Eden suchen. Die Anfänge zu manchem Schönen sind schon da; es wird gelegentlich etwas musiziert, wenn freie Zeit vorhanden, gelesen, wozu gute Zeitschriften gehalten und eine kleine, beständig zu vermehrende Bücherei vorhanden ist. In der ersten Zeit, als der Saal im alten Genossenschaftshaus noch nicht bestand, wurde das Büro der Genossenschaft auch als Lese- und Unterhaltungsraum benutzt. An den Sonn- und Feiertagen versammelten sich dort die Genossen mit ihren Familien zur geselligen Unterhaltung. Max Ziesche berichtet darüber in seinem Aufsatz „Geselligkeit und Backstuben-Abende in den ersten Jahren": Einfach und bescheiden waren damals auch die Probleme, und der gegenseitige Meinungsaustausch führte dann zu Freundschaften verwandter Geister. Ein bekannter Typ, der Genosse Schneider Tamm, mit weißer Weste und stets, auch in der Gesellschaft, ein Stück trocken Brot kauend, erregte stille Heiterkeit. Nach Einrichtung einer kleinen Bäckerei wurden sonnabends fast immer die so genannten Backstuben-Abende beim Genossen Lovis abgehalten. Da gab es frisches Weißbrot zu 30 Pfennig. Im Laufe der Stunden hat dann meist jeder dieses in aller Gemütsruhe in sich aufgenommen; die Unterhaltung dauerte ja bis Mitternacht. Am Sonntag wurde dafür vormittags gefastet. Dieses Weißbrot in einem Gang zu essen, gehörte wohl damals zu unseren schwersten Sünden. Die Unterhaltung war urgemütlich, drehte sich um nährwissenschaftliche Fragen und Siedlungsangelegenheiten, auch Persönliches wurde behandelt, aber alles immer harmlos. Spät abends bei Eintritt der Dunkelheit kam dann Freund Merschank von seiner Heimstätte. Im kleinsten Kreise noch einen nach allen Regeln der Kunst hergestellten Pfefferminztee des kochkundigen Merschank und Unterhaltung bis in die späte Nacht. Auch Genosse Schirrmeister hielt es aus bis zum Letzten - das waren so in jenen Jahren unsere einfachen, aber immer anregenden Abwechslungen. Etwas Billigeres konnte es nicht geben. Allmählich kamen dann auch Gesang und Musik zu ihrem Recht. Genosse Thierfelder, der erste Edener Lehrer, sammelte einen kleinen Kreis um sich, und ein Männerchor konnte zur Einweihung der Edener Schule "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" zur Verschönerung der Feier beitragen. Gesungen und musiziert wurde sonst nur in kleinem Kreise, mit Zither und Violine. 1898 wurde ein kleiner Chor unter Leitung des Genossen Hertwig ins Leben gerufen. Wir hatten einen kleinen Männerchor, haben uns aber dann zu einem gemischten Chor ausgestaltet. Diese geselligen und musikalischen Darbietungen wurden in den Jahresberichten werbend benutzt, um Außenstehende zum Beitritt aufzumuntern und damit das sonst so harte Leben in der Kolonie auch von einer angenehmeren Seite zu zeigen. Die „Tägliche Rundschau" berichtete 1901: Im einfachen, aber freundlichen Gesellschaftszimmer des Verwaltungsgebäudes tagt jede Woche einmal abends die Wochenversammlung der ansässigen Ansiedler und Ansiedlerinnen. Darin bespricht man wirtschaftliche Maßnahmen, der Vorstand teilt geschäftliche Vorkommnisse mit, Anregungen, Erfahrungen und Pläne der Mitglieder gelangen zum Austausch. Allsonntäglich finden sich zwanglos Gruppen der Kolonisten im Geselligkeitszimmer zusammen, um zu musizieren, belehrende und unterhaltende Vorlesungen literarischer Art sowie Vorträge zu hören. Eine große Anzahl von Zeitschriften aller Art sowie eine vielseitige Bücherei dienen dem Lesebedürfnisse während der Musestunden. Einen bedeutenden Aufschwung erfuhr das kulturelle Leben in Eden, nachdem Oskar Mummert 1900 nach Eden kam. Er war Dramaturg und verbrachte die Sommermonate jeweils in Eden, um einen körperlichen Ausgleich zu seiner geistigen Tätigkeit zu haben. In seinem Bericht "Wie die Freude nach Eden kam" spricht er von dieser Zeit: Als ich damals hier begann, da gab es keinen Fest- und Vortragsausschuss, nur einen Ausschluss" von allem Festlichen. Eines Tages konnte ich es nicht mehr ertragen. Ich spürte aus, wer ein Liedchen singen, wer etwas vortragen könne, ich besprach mich mit dem Vorstand, sammelte eine Vortragstruppe und kündigte ein langes Programm an, das am nächsten Sonntag steigen sollte. Ich selber hatte mir ein einaktiges Lustspiel verschafft, das ich zum Schluss vortragen wollte. Und sie kamen alle. Und sie freuten sich, sich einmal zusammen Freude zu machen. Und das sonst so wenig beschäftigte Zwerchfell wurde tüchtig erschüttert. Es wurde ein voller Erfolg. Als zum Schlusse unser Freund Scheffler zu mir trat und bekannte: „Wir haben ja gar nicht gewusst, dass wir noch lachen können!" - da sprach dieses Wort Bände über den Kampf der ersten Zeit. Das einmal entzündete Feuer musste unterhalten werden. Da wagte ich etwas ganz großes: Ich verschrieb mir ein abendfüllendes Lustspiel und trug es alleine vor. Bald wurde es Gewohnheit, dass jeden Sonntag ein solcher Vortragsabend von mir stieg: Lustspiele, Klassiker, daneben auch Wissenschaftliches. Ich zähle in der Erinnerung mindestens 300 solcher Vortragsabende, die ich allein bestritten habe. Sehr groß war auch die Bereicherung des Edener Kulturleben durch Lehrer Dittmann, der von 1904 bis 1908 die Edener Schule leitete. Er war ein junger Mensch mit modernen Erziehungsgedanken. Er war es, der die alten Volkstänze und Naturfeste in Eden heimisch machte und daher als Schöpfer des Edener Brauchtums gelten kann. Außerdem hat Dittmann „jahrelang durch Vortrag gut gewählter Dichtungen sowie Veranstaltung kleiner Aufführungen mit den Kindern zur geselligen Unterhaltung beigetragen". Den wohl bedeutendsten Anteil an der Entwicklung des Kulturlebens in Eden hatte der die Edener Schule von 1908 bis zum Ersten Weltkrieg leitende Lehrer Otto Kohnert, der 1916 im Kriege fiel und den Edenern als "Vater Kohnert" unvergessen ist. Er war es, der die Verbindung mit der Umwelt aufnahm, gewissermaßen die Tore nach draußen aufstieß und somit die nach außen gerichtete Entwicklung des Edener Lebens vorbereitete. Eden war ein „Staat im Staate" geworden, der eigene Wege ging, und nach seinen eigenen Gesetzen lebte, den Menschen zu veredeln suchte und auf seine Art die soziale Frage lösen wollte. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, musste Eden wieder zur Außenwelt Stellung nehmen. Wie geschah dies? Sind die Edener auf Grund ihrer "veredelten Lebensführung", auf Grund ihrer vegetarischen Einstellung, die das Leben als das höchste der Güter achtete, aufgestanden und haben sich gegen das Massenmorden gewendet? Aus den Edener Mitteilungen der damaligen Zeit ist eine solche Einstellung nicht zu entnehmen. 1913 - 1933 Durch die Not des Krieges und der ersten Nachkriegszeit waren viele Menschen bestrebt, selbst ein Stück Land zu bestellen, um sich Nahrung zu schaffen. Viele trieb auch das Erlebnis des Krieges, wieder Verbindung mit der Natur zu suchen, Anschluss zu finden bei Menschen, die schon Erfahrung hatten auf der Suche nach neuen Zielen. So war in Eden nach dem Kriege die Nachfrage von Heimstätten eine sehr große. Allein in den Jahren 1919 und 1920 traten 170 neue Mitglieder in die Genossenschaft ein. Da alle Heimstätten bald vergeben waren, wurde 1919 ein großes Stück Land, das Edener "Neuland", hinzugekauft. Da es sich bei den neuen Genossen um Gesinnungsfreunde handelte, erhielt das kulturelle Leben in Eden in der Folgezeit auch durch sie eine wesentliche Bereicherung. Obwohl eine Chronik der Edener Veranstaltungen für die Zeit von 1918 bis 1930 fehlt, kann gesagt werden, dass das gesellschaftliche Leben nach Überwindung der ersten Nachkriegsschwierigkeiten außerordentlich rege war. Zwar hinterließ hier der Tod des Genossen Kohnert eine große Lücke, doch hatte das Erlebnis des Krieges so viele neue Probleme aufgeworfen, dass bald wieder ein reger geistiger Austausch herrschte. Das Edener Brauchtum wurde weiter gepflegt, Verbindung mit anderen Gruppen der Jugendbewegung aufgenommen, die Eden gern auf ihren Fahrten besuchten. Auch die Edener Jugend ging auf Fahrt, die älteren schlossen sich in kleineren Gruppen zusammen, hielten ihre Nestabende ab, trafen sich mit anderen Gruppen bei Volkslied und Volkstanz und führten so ihr eigenes Leben. Dabei wurden die Edener Ziele hochgehalten, das Meiden von Alkohol und Tabak war Selbstverständlichkeit. Bei den Edener Zusammenkünften wurden politische und religiöse Meinungen vertreten und ausgetauscht, es waren Menschen mit den gegensätzlichsten Anschauungen vertreten, aber bei allen Auseinandersetzungen war eines oberstes Gesetz: Der genossenschaftliche Grundsatz der brüderlichen Hilfe und Duldsamkeit über alles! Bereits um die Jahrhundertwende wurde die Edener Obstverwertungsanlage geschaffen, sie wurde im Laufe der Zeit in mehreren Etappen ausgebaut und hatte schließlich eine große Kapazität. Durch die Neuform, die Vereinigung der deutschen Reformhäuser, an deren Aufbau und Entwicklung Eden maßgeblich beteiligt war, wurde ein weit verzweigtes Absatzgebiet für die Edener Erzeugnisse geschaffen. Insbesondere der außergewöhnlich große Umsatz der "Eden-Butter" brachte der Genossenschaft schließlich die Mittel, um dem durch das wachsende Kulturleben immer stärker werdenden Wunsch nach einem ausreichenden Genossenschaftssaal und Tagungsräumen für die Edener Gruppen zu entsprechen und im Jahre 1930 das Edener Gemeinschaftshaus zu bauen. Das Haus bot mit seinem 200 Personen fassenden Saal mit Bühne, mit den verschiedenen Tagungsräumen und der Bücherei allen Edener Gruppen die Gelegenheit, sich zu entfalten und das gesellschaftliche Leben Edens zu bereichern. Damit wurde eine Blütezeit des Edener Kulturlebens eingeleitet, das einen so großen Auftrieb hatte, dass es bis weit in die Zeit des Nationalsozialismus hineinreichte, als die äußeren Voraussetzungen für eine Entfaltung des Kulturlebens nicht mehr gegeben waren. Im Fest- und Vortrags-Ausschuss fanden sich die Edener Genossen zusammen, die nicht nur Veranstaltungen besuchen wollten, sondern auch bereit waren, regelmäßig an den Vorbereitungen derselben mitzuwirken. Die Aufgabe dieses Ausschusses war es, das Leben der Edener Gruppen zu fördern und darüber hinaus für allgemein bildende Vorträge und Veranstaltungen, Konzerte u.a. zu sorgen. Er hatte seine Veranstaltungen zu finanzieren und wurde dabei von der Genossenschaft unterstützt. Seine Aufgabe war auch die Pflege des Edener Brauchtums und die Durchführung der Feste. Schon in den ersten Jahren des Bestehens der Siedlung fanden sich Männer und Frauen unter der Leitung des Genossen Hertwig zu einem Chor zusammen. Je nachdem ob geeignete Dirigenten vorhanden waren, betätigten sich in der Folgezeit die Chöre (Gemischter Chor und Männerchor). Um die Jahrhundertwende waren es die Genossen Forke und Karl Zeigmeister, dann 1904 bis 1908 Lehrer Dittmann, darauf Frau Zinger bis 1913. Weitere Dirigenten, die jedoch sehr hohe Ansprüche an die Mitglieder stellten, waren Willem Feltzner und Herbert Caspar. Neben dem Gemischten Chor trat nach Einweihung des Genossenschaftshauses auch der Edener Singkreis hervor, der die Art des Jödeschen und Henselschen Chorsingens pflegte. Geleitet wurde der Singkreis meist von Jost Langguth, einem Schüler von Professor Fritz Jöde. Für den Singkreis war das Singen Selbstzweck. Er studierte nicht für Aufführungen. Trat er in die Öffentlichkeit, so brachte er schlichte Lieder und Kanons zu Gehör und forderte in offenen Singstunden die Zuhörer zu fröhlichem Mitsingen auf. In diesem Zusammenhang sei auch die Edener Musik-Vereinigung erwähnt, in der die Instrumentalmusik gepflegt wurde. Die Gruppe trat mit einigen Konzerten an die Edener Öffentlichkeit. Wie sehr der Bau des Edener Gemeinschaftshauses das Kulturleben unserer Siedlung befruchtet hat, beweist am besten die Arbeit der Edener Heimatbühne, der durch den Saal mit Bühne und die Unterstützung durch die Genossenschaft die Möglichkeit zu einer außerordentlichen Entfaltung gegeben war. Dennoch wären die außerordentlichen Leistungen dieser Laienbühne nicht möglich gewesen, wenn sie in der Schauspielerin Anna Rubner nicht eine Leiterin gehabt hätte, die mit größter Hingabe und in nimmermüder Arbeit sich der Aufgabe, aus Laienspiel Laienkunst zu machen, gewidmet hatte. Im gleichen Zuge ist zu nennen der alte Bayreuther Bühnenmeister Johannes Kain, der nie an die Öffentlichkeit trat, der, oft brummelnd und leise schimpfend, innerlich aber mit unendlicher Liebe und Hingabe zum Theater die schönsten Dekorationen und Requisiten zauberte. Im Jahre 1938, als die Blütezeit der Edener Heimatbühne bereits vorbei war, hielt Anna Rubner Rückschau auf die geleistete Arbeit. Sie schrieb u.a.: Oskar Mummert war es, der mir eine kleine Schar sprach- und bewegungsgeschulter Mädchen übergab und mit mir die ersten Freilicht-Fantasien spann um jenen herrlichen Platz - dem baumumrauschten alten Sonnenbad - die dann, nach Jahren, auf einmal eine Erfüllung geworden waren und als Erstes, im Säulenaufbau von Johannes Kain, den "Apollonius von Tyana" von Karl Bartes Erlebnis werden ließen. Damals war schon aus dem gelegentlichen Spielen unter meiner Leitung eine stattliche Spielgemeinschaft entstanden, die planmäßig arbeitend eine wirkliche Laienkunst anstrebte. Wir haben zwei Jahre lang nur Vorstudien getrieben, ernsthaft gearbeitet, ehe wir uns als "Edener Heimatbühne" zum ersten Male zeigten: Da waren wir so weit, dass eine wohleingeübte Vorstellung auch in dem Zuschauer jene Empfindung auslösen konnte, die wir zu übermitteln beabsichtigten. Edener Kunstschaffen und Kunsthandwerk wurden der Gemeinschaft nahegebracht in einigen Ausstellungen. Ein erster Versuch in dieser Hinsicht war die Edener Wertmesse, die im Juni 1914 stattfand. Hier waren besonders die Erzeugnisse der Edener Wertarbeit ausgestellt, die Säfte und Marmeladen der Genossenschaft, die Reformwaren der Edener Genossen, Schuhe von Tomys, poröse Wäsche von Mahr u.a. Auch die Schriften der Genossen Gustav Simons und Silvio Gesell wurden auf einem besonderen Stand feilgehalten. Alle befreundeten Kreise, besonders aus der Jugendbewegung, waren zu dieser Wertmesse eingeladen und kamen zahlreich. Dieser Messe schloss sich ein buntes Jahrmarkttreiben an mit Zirkus und Kasperle, sodass die Stimmung bei allen Beteiligten hervorragend war - auch ohne Alkohol und Tabak. Die Edener Kunstschaffenden traten erstmalig hervor auf der im Juli 1919 veranstalteten Edener Kunstwoche. Unter dem von Genossen Fritz Mittelstädt geschriebenen Motto aus Reuthers Kein Hüsung: "Dit's uns! Uns eigen Hännenwark, de Arbeit is uns Mark un Teiken!" und dem Spruch aus Faust II "Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn, auf freiem Grund mit freiem Volke stehn!" wurden in dem geschmückten alten Edener Saal die Bildnisse und Plastiken, all die Erzeugnisse der geschickten Edener Hände ausgestellt. Da waren vor allem die Arbeiten des Bildhauers Wilhelm Groß, die Bilder der Maler Ernst Haacke, Adolf Schwenk, Paul Bein und anderer Edener Genossen. Auch einige Dichtungen wurden von Edener Genossen vorgetragen, so u.a., von Oskar Mummert, Anna Rubner, Dr. Friedrich Landmann und Marie Kohnert. Konzert, Hausmusik, Lieder und Volkstanz gaben die Umrahmung zu dieser Veranstaltung. Im Januar 1932 fand die 2. Edener Kunstwoche statt, diesmal im neuen Edener Gemeinschaftshaus. Wieder stand Wilhelm Groß mit seinen Werken an erster Stelle. Ein anderer Bildhauer, Fritz Mettke, hatte ebenfalls beachtliche Werke ausgestellt. Auch die sauberen Holzreliefs des Genossen Hans Preiß, der in seiner Art auch Edener Köpfe darstellte, wurden bewundert, ebenso die feinen Schriftzeichnungen von Fritz Mittelstädt. Einen starken Eindruck hinterließen die Arbeiten des jungen Genossen Helmuth Bloeck. Als Denker, Bastler und Techniker brachte er ebenso schöne, wie neuzeitliche und praktische Gegenstände, Spielzeug usw. Viele kunstgewerbliche Arbeiten, Fotos und Bilder wurden von verschiedenen anderen Edenern ausgestellt. Auch die Kleinsten aus Schule und Kindergarten wollten nicht abseits stehen und hatten ihrer Phantasie in netten Arbeiten Ausdruck gegeben. Auch diesmal wurde die Edener Kunstwoche von künstlerischen Darbietungen umrahmt. Die Edener Kunstwochen hatten nicht nur den Edenern selbst Einblick in die Schaffenswelt der Edener Künstler gegeben, sie haben auch für Eden und sein kulturelles Leben geworben. Der Werbung für Eden und der Aufrechterhaltung der Verbindung mit der Außenwelt dienten auch die in den Sommermonaten fast sonntäglich durchgeführten Führungen durch Eden. Hier war es in der Hauptsache Karl Bartes, der unermüdlich die vielen Besuche empfing, sie durch einen Lichtbildervortrag mit Eden bekannt machte und schließlich die Führung durch den Genossenschaftsbetrieb und die Siedlung vornahm. Der Bau des Edener Gemeinschaftshauses, dessen Saal auch als Turnhalle benutzt werden konnte, war die Voraussetzung für die turnerische Betätigung der Edener Jugend - und auch der älteren Edener Genossen. Der Edener Turnverein konnte sich einer regen Beteiligung seiner Mitglieder erfreuen. Wandern, Sport und Gemeinschaftspflege waren die Ziele der Edener Jugendgruppen, der Edener Jungenschaft unter Leitung von Arnold Seifert und der Edener Mädelgruppe, die von der hervorragenden Jugendpflegerin und Edener Kindergärtnerin Gertrud Quitmann geführt wurde. Fest verwurzelt mit Eden und seiner Kultur war der Edener Volkstanzkreis unter Leitung von Oskar und Lotte Ledel. Der Volkstanz war in der Jugendbewegung beliebt und wurde gepflegt, er war ein Ausdruck ihres Wesens, ihrer Geselligkeit, und die einzelnen Volkstanzgruppen standen in Verbindung miteinander. So lernten durch den Volkstanzkreis wieder neue Freunde Eden kennen. Neben dem Fest- und Vortrags-Ausschuss war der Edener Volkstanzkreis an der Ausgestaltung der Edener Feste maßgeblich beteiligt. Die Edener Feste sind seit 1906 zum Edener Brauchtum und zum Mittelpunkt des Edener Lebens geworden. Frühlings- und Erdbeerfest, Sonnenwende, Erntefest und Weihnachtsfeier waren im Jahreslauf Höhepunkte des Gemeinschaftslebens. Besonders zum Frühlings- und Erntefest war ganz Eden auf den Beinen. Am Vorabend wurden bei fröhlichem Singen der Jugend Blumen und im Herbst auch Früchte eingesammelt. Am frühen Morgen des Festtages zog die Jugend zum Wecken mit Musik und Gesang durch die Siedlung. Dann wurde der Festplatz geschmückt, und am frühen Nachmittag versammelte sich alles zum Festumzug. Voran die Jüngsten des Kindergartens, festlich gekleidet und mit bunten Blumenkränzen geschmückt, dann die Frühlings- oder Erntekrone und danach mit Geigen, Klampfen oder Ziehharmonika die Jugend und alle anderen Festteilnehmer. So ging es durch Eden. Auf dem Festplatz angekommen, wurde ein großer Kreis gebildet, in dem festliche Darbietungen der Jugendgruppen, der Schule und des Kindergartens die Teilnehmer erfreuten. Gemeinsame Lieder, die Festansprache eines Genossen und Tänze des Volkstanzkreises umrahmten diesen Teil der Feier. Dann war allgemeines festliches Treiben auf dem Platz, unter der Linde drehte sich Alt und Jung beim Volkstanz, für die Jugend gab es allerhand Wettspiele, für die Kleinsten war natürlich Kasperle da. Im weiten Rund des Platzes waren Tische und Stühle aufgestellt, die von den Edener Familien zu einer fröhlichen Kaffeestunde benutzt wurden. Die Edener Bücherei ist so alt wie Eden selbst. Nicht nur, dass die grundlegenden Werke über den Vegetarismus und über soziale Fragen in einer kleinen Bücherei zusammengefasst wurden, um den neu Hinzukommenden die Möglichkeit des Einlebens zu erleichtern, jeder Einzelne war bestrebt, Bücher und Schriften, die seiner besonderen Einstellung entsprachen, in die Bücherei zu geben, um sie dort auch den anderen zugänglich zu machen. Auch einige gute Romane wurden schon in der ersten Zeit angeschafft. Dazu lagen laufend die Zeitschriften über Vegetarismus und Bodenreformbewegung aus. Mit der wachsenden Nachfrage wurde die Bücherei immer mehr erweitert, bis sie schließlich einen Bestand von ca. 2.000 Bänden erreichte. 50 bis 100 Leserfamilien haben die Bücherei ständig benutzt. Die Bücherei bestand auch nach 1933, doch war ihr besonderes Gepräge und ihre Blütezeit vorbei, nachdem die den Staat beherrschende „nationalsozialistische“ Partei durch die Kriminalpolizei die Buchbestände prüfen ließ und vorschrieb, was gelesen werden musste und was nicht gelesen werden durfte. 1933 - 1945 Als am 30. Januar 1933 die „Nationalsozialisten” ihren Sieg feierten, war die Todesstunde der jungen deutschen Republik gekommen. Nach der Machtübernahme wurden die demokratischen Freiheiten abgeschafft, die Parteien aufgelöst und ihre Führer zum Teil verhaftet. Es gab künftig nur noch eine Meinung, die des Staates, die der Partei. Als der Führer sich so stark fühlte, um „den Frieden gegen Jedermann und jede Nation aufrecht zu erhalten”, ließ er seine Soldaten marschieren. Durch seine Erfolge angespornt war er auf dem Weg zum Kriege nicht mehr aufzuhalten. Der Krieg! Das war der Preis, den das Volk bezahlen musste für den Sieg Hitlers über die Demokratie. Und nun begann eine Tragödie der Menschheit, so furchtbar und grausam, wie sie niemals zuvor erlebt wurde. Wie hat sich diese Entwicklung auf Eden ausgewirkt? Es ist selbstverständlich, dass die nationalsozialistische Partei in ihrem Totalitätsanspruch nicht vor den grünen Mauern Edens Halt machte. Auch in Eden wurde die Gleichschaltung verlangt, und die Geschäftsführer der Genossenschaft traten in die Partei ein. Wieweit sie das der genossenschaftlichen Arbeit entgegengesetzte „Führerprinzip” nur gezwungen in Eden einführten, wird schwer festzustellen sein, jedenfalls versuchten sie, die genossenschaftlichen Ziele mit denen der Partei zu verbinden. Dieses Führerprinzip, der zwangsläufig immer mehr zunehmende Einfluss der Partei auf alles Leben in Eden, führte zur allmählichen Lahmlegung der Kulturarbeit in unserer Genossenschaft. Hinzu kam, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse Edens sich sofort verschlechterten, als die Eden-Margarine, die aus Einfuhrfetten bestand, nicht mehr hergestellt werden konnte und das Ausland als Obstlieferant für die Obstverwertung ausfiel. Dass noch mehrere Jahre nach 1933 in Eden ein eigenes, wenn auch in immer stärkerem Maße rückläufiges Kulturleben herrschte, zeugt von der Stärke und dem großen Aufschwung des gesellschaftlichen Lebens in Eden seit der Einrichtung des Gemeinschaftshauses. Die Edener Gruppen stellten schließlich ihre Arbeit ein, der Fest- und Vortrags-Ausschuss hörte auf zu bestehen, und die Edener Feste wurden auch nicht mehr gefeiert. Es gab schließlich nur noch die Parteiorganisationen und die staatlich angeordnete Kultur „Kraft durch Freude”. So groß war der Zusammenbruch der eigenständigen Edener Kultur innerhalb von wenigen Jahren, dass sich nicht einmal nennenswerter Widerspruch erhob, als während des Krieges das Edener Gemeinschaftshaus verkauft wurde. Was sollte die Genossenschaft auch mit einem Kulturhaus ohne Kultur? Die „Vertreibung aus dem Paradies”, die seit 1933 Schritt um Schritt betrieben wurde, fand damit ihren sichtbaren Ausdruck. Die Genossenschaft hatte sich zwar ein Benutzungsrecht vorbehalten, dieses erstreckte sich aber ausschließlich auf den Saal, und auch hier war es beschränkt. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass in den Edenern die Kulturbereitschaft weiter vorhanden war, dass die Kulturleere dieser Zeit von ihnen bedauert wurde. Auch wurde immer wieder versucht, in die Parteigruppen den Edener Lebensstil eindringen zu lassen. Von zwei Einrichtungen ist an dieser Stelle noch zu berichten, von der Eden-Buchhandlung und von den Eden-Lichtspielen. Die Eden-Buchhandlung wurde im Frühjahr 1933 gegründet. Ihr Ziel war es, die Edener Einwohner mit guter Literatur zu versorgen. Ihr wurde eine kunstgewerbliche Abteilung angeschlossen, in der schöne Arbeiten der Volkskunst, z.B. aus Thüringen und dem Erzgebirge, zum Verkauf kamen. Auch verschiedene in Eden hergestellte kunstgewerbliche Arbeiten wurden zum Verkauf gebracht. Höhepunkte waren die Weihnachtsmessen, die ab 1934 einige Jahre lang durchgeführt, und auf denen außer Büchern handgeschnitzte Holzteller und Gefäße. Schmuck, Spielwaren, Keramik und vieles andere mehr ausgestellt wurden. Der Buchhandlung war keine lange Lebensdauer beschieden. Nach 1933 wurde die Literatur immer mehr uniform, während des Krieges wurde sogar jede Auswahl unmöglich, da wegen der einsetzenden Papierknappheit nur noch kleine Zuteilungen gegeben wurden. Nach dem Zusammenbruch wurde der Betrieb dieser Abteilung eingestellt. Die Eden-Lichtspiele wurden im Jahr 1943 eingerichtet. Das Kino diente gewissermaßen als Ersatz für das nicht mehr bestehende Kulturleben in Eden. Die neue Eigentümerin des Edener Gemeinschaftshauses, die brandenburgische Raiffeisenschule e.V., ließ die Kinoapparaturen einbauen und schloss mit dem damaligen Lichtspieltheaterbesitzer Griese aus Oranienburg einen Vertrag, mit dem sie ihm den Edener Lichtspielbetrieb verpachtete. Die Eden-Genossenschaft war bis 1945 an diesem Unternehmen nicht beteiligt, zahlte jedoch einen Zuschuss an den Verpächter und erhielt dafür ein Vorschlagsrecht für zu spielende Filme zugestanden. Die Geschäftsführung der Genossenschaft beauftragte mich damit, die zuständigen Stellen dahingehend zu bearbeiten, nach Eden möglichst gute Filme zu liefern. Obgleich wir als Wochenendkino an letzter Stelle rangierten und auch die NSDAP durch ihren Ortsgruppenleiter immer wieder ihre Wünsche zur Programmgestaltung vorbrachte, gelang es uns doch, ein Programm durchzuführen, bei dem die politischen Filme fast gänzlich ausgeschaltet waren und der größte Teil der übrigen auf einem verhältnismäßig hohen Kulturniveau stand. Dies war nicht leicht, da auch damals die Filme nicht mehr frei disponiert werden konnten. 1945 - 1953 Die Folgen des Zweiten Weltkrieges waren so schwere, der Zusammenbruch ein so vollständiger, dass Not und Entbehrung noch lange herrschten. Wie überall, so musste auch in Eden neu angefangen werden. Neue Männer wurden an die Spitze gestellt, und es gab in den ersten Jahren in der Leitung unserer Genossenschaft einen ziemlichen Wechsel. Einer der Ersten, der 1945 nach dem Zusammenbruch in Eden einen Einfluss hatte, war Genosse Polster, der in dieser Zeit leider nur wenige Monate in Eden tätig war. Er war es auch, der sich schon in der Zeit größter Not um das Kulturleben Edens bemühte. Im Juli 1945 gelang es ihm mit Hilfe einer Edenerin, die berühmte deutsche Sängerin Erna Berger für einen Lieder- und Ariennachmittag in Eden zu gewinnen. Diese Veranstaltung war wohl für alle Besucher ein einmaliges Erlebnis. Noch aufs Tiefste erschüttert von den kaum überstandenen Schrecken des Krieges und Zusammenbruchs konnten sich die Herzen der großen Kunst dieser begnadeten Sängerin öffnen. Diese Veranstaltung war ein Hoffnungsschimmer, eine Verheißung, dass es noch Werte auf der Welt gibt, für die es sich weiterzuleben lohnte. Im Januar 1946 veranstaltete Genosse Polster eine gelungene und sehr gut besuchte „Freie Jugendstunde der Freundschaft und frohen Einkehr” mit Liedern und Volkstänzen, Kurzfilmen und bunten Lichtbildern. Auf Beschluss der Generalversammlung der Eden-Genossenschaft wurde im November 1946 wieder ein Fest- und Vortrags-Ausschuss gebildet. Angeregt und geleitet von der Genossin Erna Pohnke, die sich unermüdlich und mit Temperament für das gesellschaftliche Leben in unserer Genossenschaft eingesetzt hat, fand der Fest- und Vortrags-Ausschuss bald viele interessierte Mitglieder. Denn das Bedürfnis nach kultureller Betätigung war nach der langen Zeit des Schweigens wieder groß. Nachdem in der ersten Notzeit vor allem die soziale Betreuung wichtig war (Alten- und Weihnachtsfeier), wurden die Edener Naturfeste wieder gefeiert, das Edener Brauchtum war wieder lebendig geworden. Darüber hinaus war der Fest- und Vortrags-Ausschuss bestrebt, durch wertvolle Veranstaltungen die Edener zu erfreuen. Genosse Schieschke stellte die Verbindung her mit dem Afrikaforscher Hans Schomburgk und dem Leiter der Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow, Herrn Wattenberg. Mit beiden hatten wir eine Reihe wertvoller Film- und Lichtbildervorträge in Eden. Außerdem wurden verschiedene Konzerte gegeben von Otto Rausch und der Familie Lungershausen. Auch an die hervorragenden Rezitationsveranstaltungen der Frau Mengelberg erinnern wir uns gern. Um Otto Rausch bildete sich eine musikalisch interessierte Gruppe, die sich im Hause von Wilhelm Groß traf, wo Otto Rausch musizierte und seine Zuhörer in die Musikwerke einführte, In den Mitgliedern des Fest- und Vortrags-Ausschusses, der regelmäßig zusammentrat, war noch der alte „Edener Geist” lebendig, d.h. das Bestreben, die Ziele Edens und seine Kultur aufrecht zu erhalten und wieder lebendig werden zu lassen. Allerdings waren ihm viele Beschränkungen auferlegt. Durch die Trennung Deutschlands und Berlins in zwei Teile mit verschiedener Währungen, durch die immer schärfer betriebene Abschnürung beider Teile voneinander, wurde es immer schwerer, von auswärts Kräfte für Edener Kulturveranstaltungen zu erhalten. Es muss auch gesagt werden, dass nicht immer das Verständnis der vorgesetzten Behörden vorhanden war. Als wir z.B. den bekannten Astronomen Henseling für einen Lichtbildervortrag über die ”Rätsel der Mayo-Kultur" gewonnen hatten, hatte das zuständige Kreis-Volksbildungsamt Bedenken und ließ uns sagen, wir sollten uns lieber um unsere eigenen Obstbau-Kulturen kümmern. Unter den Edener Gruppen nahm nach 1945 der Edener Volkstanzkreis eine besondere Stellung ein. Es war das Verdienst von Lotte Ledel und einiger jüngerer Genossen des Edener Nachwuchses, in dieser Gruppe das Edener Brauchtum gepflegt und lebendig erhalten zu haben. Auch bei den Festen war der Volkstanzkreis die aktivste Gruppe. Ein Singkreis nach der Art des früheren Langguth‘schen Singkreises hatte sich wieder gebildet. Die Turn- und Sportgemeinschaft Eden wurde 1949 gegründet und konnte eine stattliche Zahl von Teilnehmern aufweisen. Auch eine Tischtennisgruppe bildete sich. Leider hatte der Vorstand zu hohe Pläne: ein Tennisplatz sollte errichtet werden. Dieser wurde auch in Angriff genommen und nach jahrelangen großen Schwierigkeiten 1952 fertig gestellt. Vielleicht waren die mit diesem Projekt verbundenen Schwierigkeiten für die Mitglieder zu groß, jedenfalls litt die eigentliche turnerische Betätigung darunter und die Gruppe kam nicht mehr regelmäßig zusammen. Im August 1946 wurden die Eden-Lichtspiele wieder eröffnet. Die Eden-Genossenschaft schloss mit dem Eigentümer des Gemeinschaftshauses einen Pachtvertrag und übernahm den Kinobetrieb. Genosse Schieschke, der sich für diese Angelegenheit stark eingesetzt hatte, wurde mit der Geschäftsführung und den mit dem Kinobetrieb verbundenen Arbeiten beauftragt. Er, der mit großer Liebe an seinem Beruf hing, litt am meisten darunter, dass durch den wachsenden Mangel an guten und das Publikum interessierenden Filmen der Besuch des Kinos immer mehr zurückging. Drei Jahre lang hat die Genossenschaft beträchtliche Zuschüsse gezahlt in der Hoffnung, dass schließlich ein Wandel zum Normalen wieder einsetzen würde. Man musste jedoch erkennen, dass eine Fortsetzung des Kinobetriebes nicht mehr möglich war. So ist denn der Pachtvertrag zum 31. März 1953 gekündigt worden. |
Eden
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