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Chronik Seite 1

1893: Im vegetarischen Restaurant „Ceres“ in Berlin-Tiergarten beschließt am 28. Mai ein Kreis von 18 Lebensreformern, die „Vegetarische Obstbau-Kolonie Eden“ zu gründen. Der Kaufmann und Lebensreformer Bruno Wilhelmi wird zum Vorsitzenden gewählt. Am 12. Juni erfolgt die gerichtliche Eintragung der Genossenschaft, am 12. Juli wird der Kauf des Landes westlich von Oranienburg abgeschlossen. Am 25. August war die Zahl der angemeldeten Genossen bereits auf 26 gestiegen. In der Sitzung vom 14. September wird der erste Plan zur Aufteilung des Geländes vorgelegt und genehmigt.

 

Der Name „Eden“ wird in bewusster Anlehnung an den biblischen Garten Eden gewählt, um damit ein großstadtfernes, natürliches Leben auf gemeinsamen Boden als Ziel der Genossenschaft zum Ausdruck zu bringen.

Das von Wiese und Buschwerk bewachsene Gelände wird vermessen und in Heimstätten von 2.800 qm aufgeteilt. In der ersten Ausbaustufe entstehen so 80 Gärten. Nachdem der Boden durch schwere körperliche Arbeit rigolt wurde, können die ersten Obstbäume, Beerensträucher und Pflanzen in den Boden gebracht werden. Das jeweilige Grundstück, die Heimstätte, wird dem Siedlungsgenossen in Erbpacht, dem vererbbaren Nutzungsrecht, übergeben.

1894: Bau eines Verwaltungsgebäudes

 

1895erfolgt die Gründung der Oranienburger Bau- und Kreditgesellschaft mbH. Bis zum Jahr 1914 werden etwa 90 kleine und größere Einfamilienhäuser aus Holz, im Block- oder Fachwerkhausstil oder in massiver Bauweise mit roten Ziegeldächern errichtet.

 

Neben Einfamilienhäusern errichtet man Werkstätten und andere wirtschaftliche Nutzbauten. Die Wege werden aus Kostengründen nicht gepflastert, der Siedlungscharakter soll erhalten bleiben. Die Grundstücke werden durchweg von Hecken eingefasst. Damit will man außer dem Sichtschutz für ein individuelles Familienleben Schutz vor Bodenerosion und extremen Temperaturschwankungen im Winter und Frühjahr erreichen.

1897wird in Eden als einer der ersten Gewerbebetriebe die Edener Druckerei und Buchbinderei der Familie Beck angesiedelt. Beginn des Schulunterrichts für Edener Kinder in einer eigenen Schule.

1898:Die angelegten Gärten zeigen sich bereits ertragreich, sodass von Paul Schirrmeister die Herstellung von Säften, Marmeladen und Fruchtmusen aufgenommen werden konnte.

1899:Einige Häuser werden nach einer Erfindung von Gustav Lilienthal mit Zement-Hohlsteinen erbaut, die sich aber in der Zukunft nicht durchgesetzt haben.

Nach diesem Patent erfolgt auch der Bau des Gasthauses und Erholungsheimes. Das Haus bietet seinen Gästen Erholung und gesunde Ernährung und ist lange Zeit der Mittelpunkt des aufblühenden Lebens in Eden.

 

1900:Die kleine Siedlung Eden geht mit 15.000 Obstbäumen, 50.000 Beerensträuchern, 3.000 Haselnusssträuchern, 200.000 Erdbeerpflanzen und 20.000 Rhabarberstauden in das 20. Jahrhundert.

 

1901:Um weitere Siedler nach Eden zu holen, wird in der Satzung der Zusatz „vegetarisch“ gestrichen. Dadurch können sich auch Nichtvegetarier in Eden ansiedeln. Die Siedlung wird an das Trinkwassernetz der Stadt Oranienburg angeschlossen.

 

1903:Mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Otto Jackisch werden in Eden die Grundlagen geschaffen, neben ideellen auch wirtschaftliche Tätigkeiten zu entwickeln. Die Obstverwertung geht in die Hand der Genossenschaft über und wird ständig weiter ausgebaut. Die sich auch mit Hilfe von Eden gegründeten Reformhäuser sichern den Absatz der Produkte mit dem Namen „Eden“ in ganz Deutschland.

1906: Am 29. Juli beschloss die Hauptversammlung der Genossenschaft, an Stelle des bisherigen Pachtverhältnisses das Erbbaurecht zu setzen. In diesem Jahr erscheint die erste Ausgabe der Edener Mitteilungen. In dieser Schriftenreihe ist für einen wesentlichen Teil der Eden-Geschichte eine wertvolle Dokumentierung der Vergangenheit festgehalten worden. Erstmals wird das Edener Erntefest gefeiert.

1908wird die Edener Kraftnahrung „Gesunde Kraft“ von Fritz Kiel in die Produktion übernommen, die von Friedrich Landmann entwickelte erste rein pflanzliche Margarine unter dem Begriff „Eden-Reformbutter“ auf dem Markt eingeführt.

1910: Gründung einer Edener Ortsgruppe des 1985 von Alwin Esser in Breslau gegründeten „Deutschen Vereins Freiland e.V.“ Ein Jahr später siedelt Esser nach Eden und verlagert den Sitz in die Obstbausiedlung. Das Konsumgeschäft wird von der Genossenschaft übernommen und bildet den Grundstock für den erfolgreichen Aufbau der Warenabteilung. Alle Eden-Erzeugnisse werden durch diese Abteilung an einen großen Kundenkreis geliefert.

 

1911 - 1916: Der deutsch-argentinische Kaufmann und Sozialreformer Silvio Gesell lebt als Mitglied der Genossenschaft in Eden. In der „Natürlichen Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ sieht er Grundlagen für eine einheitliche Alternative zu den instabilen und friedlosen Systemen des Kapitalismus und Kommunismus. Nach Aufenthalten in der Schweiz, in München und Argentinien zieht er 1927 noch einmal in die Genossenschaftssiedlung und stirbt hier im Jahr 1930.

1912:Bau einer neuen Obstverwertungsanlage. Säfte in Großtanks einzulagern ist eine Edener Neuentwicklung.

1914:In diesem Jahr wird das Eden-Wappen geschaffen. Die drei stilisierten Bäume stehen für Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform.

1916:Gründung der landwirtschaftlichen Lehrstätte „Siedelgart“

1919:Auf Grund der Reichsverordnung vom 15.01.1919 wurde wieder die Erbpacht eingeführt. Eine Rückkehr war nötig geworden, da die neue Gesetzgebung den Erbbauzins für die Dauer des Vertrages als unveränderlich festschrieb. Es findet die 1. Edener Kunstwoche statt. Beginn der Produktion von Gemüsesäften aus Tomaten und Möhren.

 

1922:Die „Alwin Esser-Freilandstiftung“ wird durch den Deutschen Verein Freiland e.V. gegründet.

1923:Nach lediglich vierjähriger Dauer des Erbpachtsystems wurde im Dezember 1923 wiederum das Erbbaurecht eingeführt. Schriftlich fixiert war das Erbbaurecht im Erbbauvertrag, der für die Dauer von 50 Jahren zwischen der Genossenschaft und dem Siedler, der Mitglied der Genossenschaft sein musste, abgeschlossen wurde. Im Erbbauvertrag wurde geregelt, dass der Siedler berechtigt war, „auf dem Erbbaugelände Bauwerke für Wohn- und Wirtschaftszwecke zu errichten“, wobei das Wohnhaus ein Einfamilienhaus sein sollte und sämtliche bauliche Maßnahmen der Genehmigung der Genossenschaft bedurften. Der Erbbauzins wurde wie allgemein üblich in Roggeneinheiten angegeben und betrug jährlich 0,012 Mark pro Quadratmeter. In Paragraph 5 des Vertrages war das Verbot über den Betrieb einer Schlachterei oder ähnliche Betriebe sowie die Haltung von Schlachtvieh geregelt. Eden wird die Gemeinnützigkeit anerkannt. Mit 450 Mitgliedern erreicht die Genossenschaft einen Höchststand.

1925:Einweihung der Edener Jugendherberge.

1929:Errichtung des siedlungseigenen Kindergartens.

 

1930:Einweihung des Gemeinschaftshauses. Die Edener Heimatbühne unter der Leitung von Anna Rubner wird ein Markenzeichen für das Edener Kulturleben. 

1931:Als neues Produkt wird Sauerkrautsaft und EDEN-Frischkost-Sauerkraut hergestellt und verstärkt den Namen EDEN.

1932: Den Höhepunkt der Edener Geschichte bildet der in Eden stattfindende 8. Internationale Vegetarier-Kongress. Er bringt die weltweite Anerkennung der Edener Bestrebungen für ein gesundes und sozial motiviertes Leben in kleiner Gemeinschaft. In diesem Jahr wird das Entbindungsheim Rosel Kohler-Landmann gegründet. Es ist die Geburtsstätte ganzer Generationen von Edenern.

1933: Die Siedlung feiert ihren 40. Geburtstag. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers glaubt Eden im Nationalsozialismus die Anerkennung seiner genossenschaftlichen Aufgaben zu sehen. Trotz „Gleichschaltung“ bleiben die Ziele der Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform aber weiterhin erhalten.

 

1936:Auflösung des Freilandvereins.

1937:Das Verbot von Schlachtviehhaltung muss aus der Edener Satzung gestrichen werden.

1939:Im Dezember erscheint die letzte Ausgabe der Edener Mitteilungen.

 

1940:Die Margarineherstellung, wichtigstes Standbein der Genossenschaft, muss eingestellt werden.

1941 - 1945:Der Zweite Weltkrieg überschattet auch Eden. Durch Bombenangriffe und Kampfhandlungen werden im Siedlungsgebiet hohe materielle Schäden angerichtet.

1946:Viele Edener Männer kommen aus dem Krieg nicht mehr zurück und fehlen nun für zukünftige Aufgaben. Die Genossenschaft versucht einen Neuaufbau, aber die politischen Verhältnisse lassen kein Anknüpfen an bewährte wirtschaftliche Konzepte zu.



1949:Eden wird in das Planwirtschaftssystem der DDR eingebunden. Die gärtnerische Nutzung der Heimstätten und Tradition der Edener Feste finden jedoch eine Wiederbelebung.



1950: In Oranienburg wird die Eden-Waren GmbH mit Sitz in Bad Soden/Taunus gegründet. Eden bringt hier seine Warenzeichen, Wappen und Rezepturen ein. Dadurch wird auf dem Markt der Bundesrepublik der Schutz der Edener Interessen erreicht.

1962:Gründung der EDEN-STIFTUNG in Bad Soden/Taunus.

1972: Der Obstverwertungsbetrieb in Eden wird vom Staat als „Volkseigener Betrieb“ übernommen. Dadurch ist der Genossenschaft die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Auch fünf genossenschaftseigene Häuser müssen in die Verwaltung des Staates abgegeben werden.

1975: Die Eden-Waren GmbH feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. Mitgliederder Eden-Genossenschaft können zum ersten Mal nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 wieder nach Bad Soden fahren, um an dieser Feier und an der Gesellschaftertagung teilzunehmen.

1976: Mit Einführung des Zivilgesetzbuches der DDR werden die in Eden auf 50 Jahre abgeschlos­senen Erbbaurechte auf unbestimmte Zeit verlängert, das Heimfallrecht wird abgeschafft und neue Erbbauverträge dürfen nicht abgeschlossen werden.Es ist daher auch nicht mehr möglich, durch Teilung einer großen Fläche, kleinere, neu vermessene Grundstücke zu schaffen und mit Erbbauverträgen an Siedlungs- und Bauwillige zu vergeben.

 

1978: Bei der Gesellschaftertagung der Eden-Waren GmbH kommt ein Vertrag zu Stande, der eine beschränkte Nutzung der Zinserträge ermöglicht. Diese D-Mark-Beträge helfen der Genossenschaft entscheidend, ihre wichtigsten Aufgaben zu erfüllen.

1983: Eden feiert sein 90-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen.

 

1989:Mit der politischen „Wende“ steht Eden vor einem unerwarteten Neubeginn.

 

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