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Traditionen der Jahresfeste

Das Frühlingsfest

Der Festkreis des Jahres wurde in Eden mit dem Frühlingsfest eröffnet, das in der Regel am ersten Sonntag im Mai stattfand. Diese Tradition des Frühlingsfestes lässt sich seit 1915 nachweisen, als die Edener gleichzeitig die hundertste Wiederkehr des Todestages von Friedrich von Schiller begingen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatten sich im Ablauf der Veranstaltung feste Formen und gewisse Bräuche herausgebildet, die vor allem darauf ausgerichtet waren, die Edener Jugend aktiv mit einzubeziehen. Bereits am Samstag zogen die Schulkinder in einem festlichen Zug mit Leiterwagen durch die Siedlung und sammelte Blumen und Bänder für das Fest. Immer zwei Kinder hatten eine Heimstätte aufzusuchen und mit folgendem Vers den Festschmuck zu erbitten:

 

Frühlingsfest

 

 

Von Haus zu Hause ziehen wir –

Und bitten um eine Gabe

Zu unsres Platzes Schmuck und Zier,

Dass jeder seine Freud‘ dran habe.

Habt ihr ein Band, blau, rot oder grün –

Das mögen wir gern leiden,

Und wenn eure Blumen recht schön blüh‘n 

Könnt ihr auch davon schneiden.

 

Nachdem die erbetene Gabe in Empfang genommen war, dankten die Sammler den Spendern:

 

Habt schönen Dank - und weiter nun,

Wir haben noch viel zu besorgen,

Und fröhlich rufen wir euch zu:

Auf Wiedersehen – bis morgen!

 

Die Aufgabe der älteren Mädchen bestand nun darin, noch am Vorabend die Festkrone zu binden, sodass im Laufe des Sonntagvormittags von der Jugend nur noch der Maibaum aufgerichtet und der Festplatz neben dem Betriebsgelände geschmückt werden musste. Dazu wurde der Platz mit Bambus- oder Holzstäben, die man mit bunten Bändern verband, umkränzt. Jeden Holzstab zierte ein Blumenstrauß aus dem Fundus der am Vortag gesammelten Blüten.

 

Noch bevor am Sonntag die Fortführung der Vorbereitungsarbeiten einsetzte, schauten früh um 7:00 Uhr “vom Dache des Verwaltungshauses in den Frieden des köstlich schönen Maimorgens hinaus einige Lieder des Edener Männerchores schallten. Den kommunikativen Höhepunkt des Festes bildete gegen 15:00 Uhr die gemeinsame Kaffeetafel auf dem Festplatz. Sie wurde mit dem festlichen Aufmarsch der Edener Jugend, die mit ihren kranzgeschmückten Mädchen in weißen Kleidern, Fahnen und Wimpeln ein freudig bewegtes Bild bot, eingeleitet. Nun folgte der Maienreigen um die Festkrone, die Festansprache eines Vorstandsmitgliedes und Darbietungen des gemischten Chores. Unter „heiterer Geselligkeit von Tisch zu Tisch verging der schöne Frühlingstag“. Zum Abschluss des Festes fand meist im Genossenschaftshaus noch ein Tanzabend statt.

 

 

Das Edener Erdbeerfest

Nachdem die ersten Jahre seit der Gründung vergangenen waren, in denen für die dringendsten Notwendigkeiten der Siedlung gesorgt werden musste, versuchten die Edener bei ihren Berliner Gesinnungsfreunden für ihre Ziele zu werben, indem sie 1898 und 1899 zur Ernte ein Erdbeerfest veranstalteten. Dieses Fest fand großen Beifall, aber es lockte auch viele unerwünschte Besucher an. Die Edener wollten aber ihre Feste ungestört und in ihrem Geiste erleben und so wurde von dieser Art öffentlicher Feste wieder abgesehen.

 

Aus Anlass des 8. Internationalen Vegetarier-Kongresses 1932 in Eden fand ein Volksfest unter dem Titel “Der Jahrmarkt zu Plundersweilen” statt, die Wiedergeburt des Erdbeerfestes. Es gab Volkstänze, Kasperletheater der Hohnsteiner Puppenspiele, Vorführungen der Gymnastikschule Medau u.a.

Erdbeerfest

 

Auch am 2. Juli 1933 veranstaltete der Fest- und Vortragsausschuss bei sonnigem Wetter das Erdbeerfest mit zahlreichen Gästen aus der ganzen Gegend. Hauptanziehungspunkte waren die Edener Heimatbühne und die Gebrüder Niewar, zwei Hochseilkünstler. Zwischen vielen weiteren Möglichkeiten der Unterhaltung, z.B. mit dem Edener Singkreis unter der Leitung von Jost Langguth, erfrischten sich die Besucher an den köstlichen Erdbeeren, Kirschen und dem Edener Apfelsaft. Ein Tanz am Abend ließ das Fest harmonisch ausklingen.

 

1934 feierte Eden sein einschlägiges Fest, als die Erdbeerernte ihren Höhepunkt erreicht hatte. Es sollte langsam Bestandteil seines Brauchtums werden. Am 17. Juni strömten vor allem aus Berlin viele Menschen nach Eden, sogar mit Motorbooten. Es gab einen Lichtbildervortrag über Eden, die Besichtigung der Betriebe und Einrichtungen, ein Blumenspiel der Edener Kinder unter der Leitung von Lotte Ledel, die Edener Heimatbühne spielte Goethes “Vergötterter Waldteufel” und auch der Oranienburger Hochseilkünstler Felix Niewar war wieder zu sehen. Auf der Festwiese fand das fröhliche Treiben mit Volkstänzen und Volksliedern seinen Höhepunkt und selbstverständlich labten sich alle an den Edener Früchten. Der Tag fand wie immer seinen Abschluss mit einer abendlichen Tanzveranstaltung.

 

Das letzte Erdbeerfest fand am 7. Juli 1935 mit Volkstanz, Kasperle und dem Hochseilkünstler Felix Niewar statt. Die Edener Heimatbühne brachte das Stück “Es soll die Großmutter heiraten."

 

Die Sommersonnenwendfeier

Um die Frage nach dem Charakter der in Eden zelebrierten Sommersonnenwendfeiern zu klären, soll zunächst ein Blick auf das Grundmuster des Festablaufes geworfen werden. Eine Schilderung dieses Mittsommerrituals liegt von der Zeitzeugin Emmy Marquardt, geb. 1912, vor. Daraus wird ersichtlich, dass die Jugendlichen schon Tage vor dem Fest auf den Wiesen Gräser für die Sonnenwendkränze gesammelt haben. Die Burschen fertigten dann aus Weiden die Ringe und die Mädchen banden die Gräser darauf. Den eigentlichen Ablauf des Rituals beschreibt die Zeitzeugin Emmy Marquardt folgendermaßen:

Sommersonnwende

 

 Am Johannistag um 6:00 Uhr versammelte sich die Jugend auf dem Festplatz, wo schon der große Holzberg aufgerichtet war. Holz von Edener Obstbäumen und Sträuchern wurde für das Johannisfeuer zum Festplatz geschafft. Die Jugend zog nun mit Musik, beladen mit den Kränzen, die auf Stangen gesteckt waren, getragen von zwei Burschen, einer hinten einer vorne. Mit Sing Sang zogen wir nun durch Eden. Die Schulkinder hatten nun die Freude, die Kränze in die Häuser zu tragen. Gewöhnlich zu zweit. Sie sagten dann beim Überreichen der Kränze dieses Verslein:

 

“Hier nehmt diesen Kranz und schmückt euer Haus

 und kommet wenn‘s läutet zum Festplatz hinaus.“

 

Als wir dann die Kränze verteilt hatten, zogen wir zum Festplatz. Es dunkelte schon und die Edener waren dem Ruf gefolgt. Die Schulkinder hatten sich Fackeln aus Konservendosen gemacht, Löcher hineingeschlagen und mit Kien­stücken gefüllt. Alle hatten sich nun um den Holzstoß versammelt und er wurde angezündet, wohl von vier Seiten. Auf loderte die Flamme. Herrlich! Das Lied: “Flamme Empor” wurde gesungen. Der Vorstand sprach danach ein paar Worte und warf den alten Kranz in die Flammen. Nach ihm folgten weitere Genossen, die auch ein paar Worte oder Verse dazu sagten. Es war feierlich schön, die lodernde Flamme, das knackende Holz - ich sehe und höre es noch heute. Die Funken stieben hoch in den Abendhimmel. Ein großer Kreis wurde gebildet, schrittweise bewegten wir uns um das Feuer. Es war eine schwedische Sangweise ...

 

"Tanzt das Volk im Kreise rundinella rola,

singt nach alter Weise rundinella rola."

 

Als das Feuer so weit runter war, dass man darüber springen konnte, ging es los, war aber immer noch ganz schön gewagt. Zu zweien, dreien und auch vieren wurde gesprungen. Auch ich habe es gewagt mit meinem Mann, den ich drei Wochen vor dem Johannisfest kennen lernte. Allmählich hatten sich die Reihen gelichtet und schließlich war nur noch die Jugend da, außer ein paar unentwegten älteren Leutchen, sie blieben noch am Feuer sitzen, als wir uns um das Feuer lagerten, Rücken an Rücken. Nun wurde gesungen, die alten Volks- und Wandervogellieder in die klare Sommernacht hinein. Es war wunderschön. Schließlich waren auch die letzten alten Edener gegangen. Als dann der Morgen graute, war das Feuer auch am Ende, ein Gluthaufen lag vor uns, die Burschen deckten ihn mit Erde ab. Noch ein Schlusslied und wir trennten uns.

 

Ergänzend sei hier noch hinzugefügt, dass die neuen Sonnwendkränze, die als „Symbol des Jahreslaufs“ aufgefasst wurden, fast überall in Eden einen Platz am Hauseingang oder am Giebel des Hauses fanden.

 

 

Das Erntefest

Wesentlich profaner als die Sommersonnenwendfeier und dabei im Ablauf dem Frühlingsfest ähnlich, verlief das Erntefest in Eden. Bereits im Jahre 1906 erfolgte der Beschluss der Genossenschaft, alljährlich ein Erntefest zu veranstalten. Dahinter stand die Absicht, „das Heimatgefühl, die Liebe zum Landleben zu stärken“. Das Erntefest fand meist am ersten Sonntag im September statt. Analog dem Frühlingsfest zog am Abend vorher die Jugend mit Spruch und Sang durch die Siedlung, um für den Platzschmuck, die Erntekrone und den Erntewagen bei den einzelnen Heimstättenpächtern Früchte, Bänder und Blumen zu sammeln. Am Sonntagmorgen eröffnete die Schuljugend früher Stunde vom flachen Dache des alten Genossenschaftshauses aus den Festtag mit einigen Liedern.

Erntefest

 

Nachdem im Laufe des Sonntagvormittags der Festplatz geschmückt war, konnte sich dann nachmittags, oft schon gegen 14:00 Uhr, der Festzug mit dem liebevoll geschmückten Erntewagen in Richtung Festplatz in Bewegung zu setzen. Am blumen- und fahnengeschmückten Platz angelangt, tanzten einige Mädchen den Erntereigen um die selbstgeflochtene und bändergeschmückte Erntekrone. Nach Darbietung einiger Lieder durch verschiedene Chöre hielt der Geschäftsführer bzw. Aufsichtsratsvorsitzende die Festansprache, die auf Ereignisse des Jahres Bezug nahm sowie immer wieder Worte der Dankbarkeit enthielt, und zwar nicht nur für die eingebrachte Frucht, sondern auch für die Möglichkeit der Bewohner Edens, ihr Leben in Luft, Licht und Sonne gestalten zu können. 

 

Ein solcher, an den Durchhaltewillen gerichteter moralischer Appell war besonders immer dann wichtig, wenn, wie im Jahre 1928, durch Frühjahrsfröste bedingt, die Ernten weitgehend ausblieben. Der obligatorischen Festansprache folgte „altem Brauch gemäß“ der gemeinschaftliche Gesang der ersten Strophe des Erntedankliedes „Nun danket alle Gott....“. Die gemeinsame Kaffee- und Fruchtsafttafel an blumengeschmückten Tischen auf dem Festplatz ließ am Nachmittag trotz Ausschluss von Alkohol und Nikotin eine rechte Feststimmung entstehen. Nach der Kaffeetafel fanden meist noch Volkstänze, allerhand Belustigungen und Volksspiele statt. Abends beschloss ein Ernteball im Genossenschaftshaus, der sich bis kurz vor Mitternacht hinziehen konnte, den Festtag.

 

 

Wintersonnenwendfeier und Weihnachtsfest

Das Ritual der Wintersonnenwende ist in Eden 1930 eingeführt worden. Es fand nicht immer genau am 21. Dezember statt. Für die Wintersonnenwendfeier des Jahres 1932 liegt eine kurze Beschreibung des Festablaufs vor. Danach versammelten sich am 22. Dezember abends nach 20:00 Uhr „Alt und Jung, Groß und Klein“ vor dem Genossenschaftshaus. Von hier aus führte ein Fackelzug, an dessen Spitze die Turner standen, auf das Gelände am genossenschaftlichen Bootshafen (Oranienburger Kanal), der 1932 im Südosten der Siedlung im Rahmen der „Edener Notstandsarbeit“ errichtet worden war. Nachdem der Zug den Holzstoß umschritten hatte, folgte der Fackelreigen der Turner, das Entzünden des Feuers und das obligatorische Absingen des Liedes „Flamme empor“. Die Rede des Vorsitzenden des Edener Turnvereins, Oskar Ledel, enthielt historische Belehrungen über „den Sinn und die große Bedeutung der Wintersonnenwende für unsere Ahnen“.

 

Danach lösten Lieder, Sprüche und Sprechchor einander ab, und nach einigen Sprüngen der Jugend über die Glut erfolgte der geschlossene Abmarsch. Die Jahreszeit mit ihrer nasskalten Witterung brachte es mit sich, dass dieses Fest sehr viel kürzer angelegt sein musste, was seinen Stellenwert im Edener Festkreis des Jahres entscheidend minderte.

 

Im Gegensatz zur Wintersonnenwendfeier ist die unter genossenschaftlicher Regie durchgeführte Weihnachtsfeier mindestens seit 1906 in kontinuierlicher Folge nachweisbar. Sie fand meist am Nachmittag des ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertages im Genossenschaftssaal statt und war von musikalischen Darbietungen sowie Spielen und Reigen der Kinder begleitet. Die Kinder hatten ihre Hauptfeier bereits am Nikolaustag. Die Edener Weihnachtsfeier war im Wesentlichen von christlichen Formen und Inhalten geprägt.