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Bruno Wilhelmi – der Gründer Edens
von Edwin Wilhelmi (1933) |
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Gern komme ich dem Wunsch des Schriftleiters von „Eden“ nach, zum 40. Geburtstag der Siedlung einiges über meinen Vater, Ihren Gründer, zu schreiben. Es ist mir Herzenssache, mit einem Glückwunsch für das Geburtstagskind zu beginnen, und mit dem Ausdruck bewundernder Anerkennung für die Männer, die in selbstloser und verantwortungsbewusster Arbeit Eden zu einer Pflanz- und Pflegestätte neuen Geistes und wirtschaftlich zu einem Vorbild des organisierten Gemeinsinns gemacht haben. Wer wie ich einen Einblick gewonnen hat, in die vielen misslungenen idealistischen Gründungen an anderen Orten, wer das Scheitern so vieler wohlgemeinter Bemühungen mit angesehen hat und den Ursachen dieser Erscheinung nachgegangen ist, den erfüllt eine freudige Genugtuung, wenn er an dem Beispiel Edens erkennt, dass ein unverdrossener Mut, verbunden mit Treue, Strenge gegen sich und andere und mit der nüchternen Einschätzung aller Wirklichkeiten des Lebens, das hohe Ziel doch zu erreichen vermag! In diesem Sinne ein herzliches Glückauf! Möge Eden auch in Zukunft immer die Männer finden, die in schwierigem Gelände immer vorwärts und aufwärts zu führen wissen. Die ersten Anfänge Edens sind für mich, der ich jetzt im 45. Lebensjahr stehe, Gegenstand meiner frühesten zusammenhängenden Kindheitserinnerungen. Ich entsinne mich der Zusammenkünfte vieler Vegetarier im elterlichen Haus in Französisch-Buchholz und später in Oranienburg, der ersten Besuche auf dem damals noch fast leeren Siedlungsgelände, einer Weihnachtsfeier in einem Oranienburger Lokal, bei der unser guter Hausgeist Anna Geiseler als geflügelter Weihnachtsengel wunderschön sang, einer geschäftlichen Sitzung, zu deren Beginn mein Vater die Glocke schwang und weniges sagte, während hernach andere sprachen, und bei der wir Kinder als Störenfriede zur Ruhe verwiesen wurden; ich entsinne mich auch des Genossenschaftshauses und des Entstehens der ersten Gärten in Eden. An einzelnen Menschen sind mir aus jener Zeit hauptsächlich diejenigen gegenwärtig, die unserer Familie näher standen, wie Dr. Fehlauer, Arno Elsässer, Dr. Selß, Wilhelm Schupp, August Hanker. Im Hintergrund meines Erinnerungsbildes stehen Tamke, Clasen, Scheffler, Tamm, Fräulein Dorsch und aus Worten meines Vaters zwei Männer, deren Namen er stets mit Verehrung nannte: Professor Klindworth und Landgerichtsrat Krecke. Mein Vater war, als er Eden gründete, 27 Jahre alt. Unsere Familie stammt von Bergleuten aus Waldeck, ein Vorfahre ist im 18. Jahrhundert nach Berlin gekommen. Mein Urgroßvater, V 1888, lebte als Handwerksmeister in der Ackerstraße, der Vorstadt vor dem Rosenthaler Tor. Sein Sohn, meines Vaters Vater, Julius Wilhelmi, V 1896, verheiratet mit Amalie geb. Beige, V 1906, betrieb in der Ackerstraße eine Maschinenfabrik. Dort wurde mein Vater am 8. August 1865 als jüngstes von 4 Kindern geboren; zwei seiner Geschwister leben noch. Mein Vater besuchte das Sophien-Realgymnasium in Berlin bis zum 17. Jahre. Sein Drang nach Selbständigkeit, seine Abneigung gegen jedes starre Reglement und sein Widerwille gegen das Auswendiglernen von Gedichten (von diesem wichtigen Grund hat er uns Kindern manchmal lachend erzählt) bewogen ihn, die Schule ein Jahr vor dem Abiturium zu verlassen und in eine kaufmännische Lehre bei einer Exportfirma einzutreten, bei der er schon nach 4 Jahren eine sehr selbständige Stellung als 1. Buchhalter, Korrespondent und Einkäufer bekleidete. Durch einen Geschäftsfreund seines Vaters angeregt, ging er 1887 nach Brasilien, um dort ein Fachgeschäft für Druckerei-Bedarf zu errichten, dessen Hauptartikel die Buchdruckpressen aus der Fabrik seines Vaters bildeten. Auf dem gleichen Schiff fuhr Clara Krüger, die eine Stellung als Erzieherin in Brasilien angenommen hatte. Die beiden jungen Menschen hatten sich in dem Exportgeschäft, in dem Fräulein Krüger ebenfalls eine zeitlang angestellt war, kennen gelernt, hatten gemeinsame Pläne für das Ausland geschmiedet, zusammen portugiesisch gelernt und waren miteinander befreundet. Das große Erlebnis der gemeinsamen Reise ins Ungewisse und die gemeinsam ertragenen Strapazen des Zwischendecks führten sie vollends zueinander, aus Lissabon schickten sie ihre Verlobungsanzeige in die Heimat. In Sao Paulo erfolgte die Eheschließung, sobald die Familie, die die Braut als Erzieherin angestellt hatte, sie freigeben konnte. Meine Eltern haben eine überaus glückliche Ehe geführt. Die Mutter war früh verwaist, in Gnadau bei den Herrnhutern erzogen, eine Frau von tiefer Frömmigkeit, hingebender Aufopferungsfähigkeit und großen Geistesgaben, die trefflichste Mutter der 8 Kinder, die von 1888 bis 1902 geboren wurden. Ich, der Älteste, erblickte in Sao Paolo das Licht der Welt, später wurden noch 6 Schwestern geboren, ein Bruder ist im Kindesalter gestorben. Der brasilianische Aufenthalt meines Vaters währte nur zwei Jahre (1887 - 1889). Das Klima bekam ihm sehr schlecht, es brachte ein schweres Leiden (Krampfanfälle) zum Ausbruch, das sich zwar im Laufe der Jahre unter der hingebenden Pflege meiner Mutter und nach dem Übergang zur vegetarischen Lebensweise erheblich besserte, meinen Vater aber bis zu seinem Lebensende nicht völlig verlassen hat. Nach Berlin zurückgekehrt, beschäftigten sich meine Eltern, durch die Krankheit meines Vaters veranlasst, mit Fragen der Naturheilkunde und des Vegetarismus. Sie wurden überzeugte Anhänger dieser damals noch ziemlich allgemein als verrückt verschrieenen Lehren. Mein Vater, bis dahin ein starker Raucher, entsagte dieser Gewohnheit völlig von einem Tag auf den anderen. Er ergriff das als richtig Erkannte mit der ihm eigenen Entschiedenheit, versuchte umzusatteln und Naturarzt zu werden. Er studierte hierzu 3 Semester Medizin, konnte aber aus Mangel an Mitteln das Studium nicht beenden. Er musste wieder zur kaufmännischen Tätigkeit zurückkehren und befasste sich hierbei hauptsächlich mit dem Vertrieb von Hensels Mineraldünger, von dessen bahnbrechender Vorzüglichkeit er eine hohe Meinung hatte. In diese Zeit fällt die Gründung von Eden. Schriftliche Aufzeichnungen aus der Gründungszeit liegen mir nicht vor, ich nehme an, dass sie alle in das Edener Archiv gekommen sind. Ich entsinne mich nur, vor Jahren den von meinem Vater verfassten und nur mit seiner Unterschrift versehenen Entwurf des Gründungs-Aufrufs in der Hand gehabt zu haben; den Namen „Eden“ hat wohl meine bibelfeste Mutter gefunden. Über die mit der Gründung verfolgten lebensreformerischen Ziele und über deren wirtschaftliche Grundlage, das unveräußerliche Eigentum der Gemeinschaft, brauche ich den Lesern von „Eden“ gewiss keine näheren Ausführungen zu geben, diese Leitsterne sind 40 Jahre hindurch unverrückt die gleichen geblieben. Nach einer nicht ganz zweijährigen Tätigkeit als erster Geschäftsführer von Eden wurde mein Vater durch die Generalversammlung vom 10. März 1895 mit 13 gegen 11 Stimmen von seinem Posten abberufen. Der Anlass zur Abberufung waren Meinungsverschiedenheiten über die Weiterführung des von ihm für die Genossenschaft seit 8 Monaten betriebenen Handelsgeschäftes mit Lebensmitteln und Mineraldünger (Steinmehl), das von der Opposition als verlustbringend und den Bestand der Genossenschaft gefährdend angesehen wurde, während mein Vater mit dem Geschäftsergebnis für den Anfang durchaus zufrieden war und meinte, dass jedes kaufmännische Geschäft, oft bis ins dritte Jahr hinein, mit gewissen Anfangsverlusten rechnen müsse, ohne darum als gescheitert zu gelten. Mit ein Grund für den Wechsel war wohl auch die Möglichkeit, ein Geschäftsführergehalt von 200 Mark monatlich einzusparen, mit dem mein Vater sich seine volle Arbeitskraft bezahlen ließ und auf das er mangels sonstigen Einkommens bei einer Familie von damals schon 4 Kindern angewiesen war. Ich kann mir natürlich kein Urteil darüber erlauben, wer damals recht gehabt hat, vielleicht kann das nachträglich überhaupt niemand. Mein Vater hat seine Pläne ja nicht ausführen können, für die neuen Männer spricht der Erfolg und die Tatsache, dass sie Eden in den ersten schweren Jahren am Leben erhalten haben. Ich weiß nur, dass mein Vater die Abberufung als ein ihm angetanes Unrecht empfunden und dass er eine gewisse Bitterkeit bei dem Gedanken daran nie ganz hat verwinden können. Er war überzeugt, dass das Abstimmungsergebnis anders gewesen wäre, wenn er es nicht verschmäht hätte, durch vorherige Werbung eine stärkere Vertretung der ihm persönlich nahestehenden Genossen in der nur schwach besuchten Versammlung herbeizuführen. Es liegen mir Briefe solcher Genossen vor, die das mit den Worten hoher Anerkennung für seine Leistungen und für die Reinheit seines Wollens damals auch ausgesprochen haben. Man bedenke, dass die Genossenschaft in späteren Jahren mit großem Nutzen zu derjenigen geschäftlichen Betätigung übergegangen ist, die meinem Vater damals sein Amt gekostet hat, und man wird die richtige Einstellung gewinnen in der Beurteilung eines 29-jährigen Idealisten, der – vielleicht – etwas zu früh die Zeit für eine praktische Durchführung solcher Pläne gekommen hielt. Zum völligen Bruch führten die damaligen Meinungsverschiedenheiten nicht, vielmehr ergibt der Briefwechsel der Jahre 1895/96 zwischen meinem Vater und dem neuen Vorstand die für mein Empfinden erfreuliche Tatsache, dass über die sachlichen Differenzen hinweg doch bald auch wieder wärmere Töne erklungen sind und die Abwicklung der schwebenden Geschäfte sich in freundschaftlichen Formen vollzogen hat. Eine weitere Mitarbeit in der Genossenschaft war meinem Vater jedoch nicht vergönnt. Er konnte anders als selbst gestaltend, planend und handelnd überhaupt nicht tätig sein, begab sich deshalb sogleich auf ein anderes Arbeitsgebiet und musste bei seinen beschränkten Mitteln bald den Geschäftsanteil meiner Mutter, einige Jahre später auch seinen eigenen Anteil, anderen Unternehmen zuliebe aus der Genossenschaft herausziehen. Sein Herz aber hat an seinem Kind Eden immer mit größter Liebe gehangen. Nach 1895 versuchte sich mein Vater mit wechselndem Glück in verschiedenen Zweigen geschäftlicher Tätigkeit. Er war noch einige Zeit lang Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft „Hilfe“ in Berlin, die meines Wissens aus dem von „Eden“ abgestoßenen Lebensmittel-Vertrieb hervorgegangen ist, und widmete später seine Haupttätigkeit der Verbreitung und geschäftlichen Einführung des Steinmetz’schen Müllereiverfahrens und des Steinmetz-Brotes. Der Erfinder Stefan Steinmetz war ihm bald nicht nur Geschäftsfreund, sondern auch persönlicher Freund. Mein Vater sah in der Steinmetz’schen Erfindung einer Getreidebehandlung unter voller Ausnutzung der für die menschliche Ernährung so wertvollen Kleiebestandteile des Kernes eine volkswirtschaftliche Großtat und hat die Pionierarbeit des Erfinders gerade in den schweren Anfangsjahren, bevor sie allgemeinere Anerkennung fand, treu gefördert. Auch Grundstücksvermittlungen und die Verwaltung von zwei mit väterlichen Mitteln erworbenen Häusern in Berlin und Charlottenburg beschäftigten ihn in den Jahren nach seiner Edener Tätigkeit. Im Jahr 1898 verließ er – hauptsächlich seinen 6 Kindern zuliebe – die Großstadt wieder und erwarb im Tausch gegen sein Charlottenburger Haus ein 20 Morgen großes Garten- und Wiesengrundstück mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden in Erkner, das er teils selbst nutzen, teils zu Ansiedlungszwecken aufteilen wollte. Das letztere misslang, weil mein Vater, irregeführt durch eine gerichtliche Taxe, das Anwesen weit über seinen Wert bezahlt hatte. Es kam zur Zwangsversteigerung, bei der ihm nur 2 Teilgrundstücke mit inzwischen darauf erbauten hoch belasteten Häusern verblieben. Die Jahre 1899 - 1902 waren deshalb eine Zeit schwerer Bedrängnis für uns, unter der besonders meine Mutter seelisch stark gelitten hat. Sie war zu fein empfindend, um Unfreundlichkeiten von Gläubigern ertragen zu können, und rieb sich in der Sorge um ihre Kinder auf, die sich jedoch nicht darauf besinnen können, dass sie jemals wirkliche Not hätten leiden müssen. Die ohnehin zarte Gesundheit meiner Mutter erhielt einen so schweren Stoß, dass auch die 1903 einsetzende Besserung unserer Vermögensverhältnisse ihr nicht mehr aushelfen konnte, sie starb 1905 nach einer Gallensteinoperation, 41 Jahre alt. Mein Vater überlebte sie nur um 4 Jahre. Das Werk seiner letzten Lebensjahre war die 1902 begonnene Gründung der Siedlung Schönblick-Woltersdorf, die Aufteilung und Besiedlung der Woltersdorfer Feldmark. Sie geschah, anders als die Gründung Edens, nicht auf genossenschaftlicher Grundlage oder für gesinnungsmäßig zusammen gehörende Kreise, sondern wandte sich an Siedler und Naturfreunde aus allen Kreisen, die ihre Grundstücke zu Eigentum erwarben. Trotz dieser mehr kapitalistischen Grundlage seines letzten Unternehmens hat jedoch die gesinnungsmäßige und seelische Einstellung meines Vaters zu seinem Werk niemals eine Änderung erfahren: Er war ein treuer Kolonistenvater, dessen Interesse für den Siedler mit dem Verkauf des Grundstücks nicht endete, sondern erst recht begann. Er hat sich als Pionier der Entwicklung von Woltersdorf in der Gemeinde ein bleibendes Andenken geschaffen, dem noch vor wenigen Jahren durch Benennung einer Straße in der Mitte seines Schönblicks ein öffentlicher Ausdruck verliehen wurde. Er starb am 27. April 1909 in Arnstadt ganz unerwartet am Herzschlag auf einer Reise, als er zwei seiner Töchter in ein Landerziehungsheim nach Süddeutschland bringen wollte. Von seinen Kindern sind zwei zum Katholizismus übergetreten und Ordensschwestern geworden, drei meiner Schwestern sind in Berlin und in Todtmoos im Schwarzwald verheiratet, eine unverheiratete Schwester ist Krankenpflegerin. Ich selbst bin in Woltersdorf verblieben, wo ich neben meiner richterlichen Tätigkeit – die ich seit 5 Jahren am Kammergericht in Berlin ausübe – den restlichen Grundbesitz für meine Schwestern und mich verwalte. Es leben 11 Enkelkinder von Bruno Wilhelmi, davon sind 5 meine eigenen Kinder. Wenn ich versuche, diesen Angaben über den Lebenslauf des Eden-Gründers noch eine kurze Charakteristik hinzuzufügen, so hat das für mich als Sohn vielleicht gewisse Schwierigkeiten, weil es mir an Abstand fehlt. Mein eigenes Verhältnis zum Vater, den ich mit 20 Jahren verlor, war in den letzten Jahren seines Lebens ein eigentlich brüderliches. Er legte niemals Wert darauf, seine väterliche Autorität hervorzukehren, besprach mit Freimut alle Dinge des Lebens und machte niemals den Versuch, den Lebensspielraum eines Anderen einzuengen. Sein Wesen war eine seltene Mischung von optimistischer Lebensgläubigkeit, Unsentimentalität, Freiheitsdrang, Duldsamkeit und Güte. Er war so recht in seinem Element, wenn er planen und projektieren konnte und wenn er glaubte, zur Verbesserung der Welt etwas beitragen zu können. Er war treuer Anhänger und Freund von Dr. Damaschke, für dessen Ideen er allenthalben geworben hat. Auf sein Drängen wurde z.B. in Woltersdorf die im Programm der Bodenreformer liegende Besteuerung nach dem gemeinen Wert eingeführt, von der er selbst, wie er genau wusste, die größte Belastung seines Grundbesitzes zu erwarten hatte. Er gehörte in den neunziger Jahren auch zu dem Kreise um Moritz von Egidy, dessen „Ernste Gedanken“ und Zeitschrift „Versöhnung“ seiner Geistesrichtung entsprachen. Politisch stand er bei Friedrich Naumann und dessen „nationalsozialer“ Partei, die schon um die Jahrhundertwende den heut vom ganzen Volk wiederholten Versuch machen wollte, den deutschen Arbeiter für den wehrhaften deutschen Staat durch Schaffung einer besseren sozialen Ordnung zu gewinnen. Er war der Ansicht, dass eine ehrliche und gründliche Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, das er unseren natürlichen Bundesgenossen nannte, die einzige Gewähr für einen friedlichen Aufstieg Europas sei und sprach schon 1905, ein Bild der sechs Kaisersöhne betrachtend, die prophetischen Worte: Ob wohl einer von diesen jemals zur Regierung kommt? Ich erwähne diese Dinge, weil sie die Fähigkeit meines Vaters zeigen, sich abseits von den Bahnen, welche die Menge wandelt, überall sein eigenes wohlbegründetes Urteil zu bilden. Zum Schluss erwähne ich noch als liebenswerten menschlichen Zug das rührende Bemühen meines Vaters, an den kleinsten Kindern nach dem Tode der Mutter bis zu einem gewissen Grade auch deren Stelle mitzuvertreten, indem er mit ihnen spielte, spazieren ging und ihnen regelmäßig Märchen vorlas. Mitten im letzten Märchen, der schönen Lagerlöf-Erzählung von der wunderbaren Reise mit den Wildgänsen, wurde er durch seinen frühen Tod im Alter von 43 Jahren aus einem Leben voller Pläne und Hoffnungen abberufen. Eine große Menschenmenge gab ihm an einem herrlichen Frühlingstage, den 1. Mai 1909, das letzte Geleit zu dem schönen Friedhof von Woltersdorf, auf dem er seine letzte Ruhe gefunden hat. Sollte es mir gelungen sein, den Edenern durch diese Zeilen die Person des vielen so gut wie unbekannten Gründers menschlich näher zu bringen, so wäre mir dies ein schöner Lohn. |
Eden
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